Politische Wende in Chile
Heute ist einer dieser Tage, an denen man sich fragt, ob die Geschichte sich wiederholt oder ob sie einfach nur immer wieder dieselben Fehler macht, nur mit anderen Namen. Gestern hat man mir gesagt, es gäbe „Fortschritt“. Heute weiß man, dass Fortschritt ein Wort ist, das die Mächtigen benutzen, um uns zu beruhigen, während sie die Rechnungen unter dem Tisch behalten. Die Börse ist wieder im freien Fall, die Fabriken spucken Rauch aus, der nach Kohle und Verzweiflung schmeckt, und irgendwo in Berlin – nein, nicht Berlin, das ist zu nah, zu alt – irgendwo in Spanien, wo die Faschisten gerade dabei sind, die Kommunisten zu erschießen wie Hunde, fragt sich ein Mann namens Franco, ob er nicht einfach alles in Brand stecken und dann sagen könnte: „Es war ein Unfall.“
Die Leute reden von „Demokratie“. Ich habe mal einen Demokraten gesehen – einen alten Mann mit einem Stock und einem Blick, als hätte er schon zu viele Kriege überlebt, um noch zu glauben, dass Worte etwas ändern. Die anderen reden von „Wirtschaft“, als wäre das ein Zauberwort, das die Hungersnöte vertreiben kann. Aber wir wissen alle, dass die Wirtschaft nur ein anderer Name für die Art und Weise ist, wie die Reichen sich bereichern, während die Armen lernen, wie man aus leeren Dosen ein Mahl macht. Die Römer hatten ihre Sklaven. Wir haben unsere Löhne. Der Unterschied? Damals hat man sie wenigstens nicht noch mit Steuern belästigt, wenn sie tot umfielen.
Und dann ist da noch dieser verdammte Krieg in China. Die Japaner marschieren ein, brennen Dörfer nieder, und die Welt schaut zu, als wäre es ein Theaterstück, das niemand wirklich sehen will. „Das ist doch nur Asien!“ sagen die einen. „Die haben doch selbst schuld!“ sagen die anderen. Als ob Asien nicht auch Menschen wären – Frauen, die ihre Kinder in den Fluss werfen, Männer, die mit bloßen Händen gegen Gewehre kämpfen, weil sie nicht wollen, dass ihre Dörfer zu Asche werden. Wo bleibt da die Moral? Wo bleibt der Aufschrei? Ach ja, richtig – die Moral ist ein Luxusgut, den sich nur die verkaufen können, die selbst keine Miete zahlen müssen.
Ich habe gestern einen Typen getroffen, der behauptet, er habe eine „Lösung“ für alles. Er trug einen Anzug, der nach Parfüm und Heuchelei roch, und seine Lösung bestand darin, dass wir alle noch mehr arbeiten sollten. „Produzieren!“ rief er. „Die Welt braucht mehr Autos, mehr Fabriken, mehr Krieg!““ Ich habe ihm gesagt, dass die Welt schon genug Autos hat – genug, um die Straßen zu verstopfen, genug, um die Luft zu vergiften, genug, um die Kinder zu ertränken, die nicht schnell genug aus dem Weg springen können. Er hat gelacht. „Sie verstehen das nicht!“ sagte er. „Sie sind ein Romantiker.“ Ich habe ihm gesagt, dass ich lieber ein Romantiker bin als ein Mann, der denkt, er könnte die Welt mit Zahlen und Maschinen retten.
Draußen regnet es immer noch. Die Straßen glänzen nass, und wenn man genau hinschaut, sieht man, wie das Wasser die Schmutzschicht mitnimmt – aber nur für einen Moment. Irgendwann kommt der nächste Regen, und dann wieder der nächste. So ist das Leben. So ist die Geschichte. Immer wieder dieselbe Scheiße, nur mit anderen Namen.
Manchmal denke ich, wir alle warten nur darauf, dass jemand kommt und uns sagt: „Hört auf zu leiden. Es wird besser.“ Aber wer auch immer das sagen würde, würde lügen. Weil es nicht besser wird. Nicht wirklich. Die Römer haben ihre Kriege gehabt, die Griechen ihre Tragödien, die Menschen im Mittelalter ihre Pest – und wir? Wir haben unsere Börsenkrach, unsere Diktatoren, unsere Fabriken, die wie schwarze Löcher nach Ressourcen gieren. Irgendwann wird alles zusammenbrechen. Irgendwann wird der Regen aufhören. Irgendwann wird die Sonne wieder scheinen. Aber bis dahin?
Bis dahin sitze ich hier, tippe mit den Fingern, die nach Kaffee und Verzweiflung schmecken, und trinke meinen Bourbon in kleinen Schlucken, als wäre er das Einzige, was noch ehrlich ist in dieser verdammten Welt. Und wenn Evelyn wieder anfängt zu singen, denke ich mir: Vielleicht ist das ja alles. Vielleicht ist das Leben nur ein verdammter Jazz-Song, den niemand richtig spielen kann – und wir sind alle nur die Zuschauer, die klatschen, bis die Musik aufhört.