RFK Jr. und die Peptide: Wer verbietet was – und warum?
Robert F. Kennedy junior hat die FDA nicht zum Feind erklärt. Er hat nur eine Verordnung missverstanden – und sie zum Symbol für ein System gemacht, das er nicht mehr ertragen kann. Die Rede ist von der Emergency Use Authorization (EUA) für bestimmte Peptide, die die Behörde im März 2024 erteilte. Nicht, um sie zu verbieten. Sondern um ihre unbeaufsichtigte Anwendung zu regulieren. Doch Kennedy, der sich seit Jahren als Anti-Pharma-Aktivist inszeniert, nutzt die EUAs als Hebel für seine Kampagne: Er fordert ihre Rücknahme – und wirft der FDA vor, sie sei ein „illegales Experiment“.
Dabei ist die EUA kein Einzelfall. Sie ist das Standardinstrument der FDA, wenn ein Wirkstoff potenzialträchtig erscheint, aber die Datenlage lückenhaft ist. Bei Peptiden wie BPC-157 oder TB-4 – beide patentiert von Firmen wie BioTech Peptides (USA) oder Thymosin Beta-4 Ltd. (UK) – geht es um Millionen. Die Stoffe werden als „Wundheilungsbooster“ oder „Anti-Aging-Elixiere“ vermarktet, oft ohne klinische Studien, die über Placebo-Effekte hinausgehen. Die FDA gibt grünes Licht für notfallmäßige Nutzung – nicht für freiverkäufliche Wundermittel.
Doch Kennedys Vorwurf zielt tiefer: Er behauptet, die EUAs seien ein „Schlupfloch für Big Pharma“, um ungetestete Substanzen in den Markt zu schmuggeln. Seine Quellen? Ehemalige FDA-Mitarbeiter, die anonym bleiben. Ihre Aussagen sind nicht öffentlich überprüfbar – und genau das macht sie gefährlich. Denn die FDA selbst bestätigt: Die EUAs unterliegen strengen Auflagen. Ärzte müssen sich registrieren, Patienten werden überwacht, Nebenwirkungen dokumentiert. Doch wer profitiert von der Unklarheit?
Die Antwort liegt in den Geschäftsberichten: Peptide sind der neue Goldrausch. Firmen wie Vital Labs (USA) oder Peptide Sciences (UK) verkaufen die Stoffe für 50–200 Dollar pro Dosis – oft an Kunden, die sich keine teuren Biologika leisten können. Die FDA-EUA ist für sie ein Alibi: „Wir testen nicht, wir erlauben nur.“ Während Kennedy die Behörde angreift, ignoriert er, dass die EUAs genau das Gegenteil von „illegal“ sind. Sie sind das letzte Mittel, um vor einer flächendeckenden Kommerzialisierung zu warnen.
Sein eigentlicher Feind ist nicht die FDA. Es ist das System, das Peptide als Low-Cost-Alternative zu teuren Medikamenten vermarktet – während die wahren Kosten (Nebenwirkungen, Langzeitfolgen) niemand bezahlt. Die Frage ist nicht, ob die EUAs „richtig“ sind. Sondern: Wer hat sie nötig? Die Patienten, die auf Lücken hoffen? Oder die Konzerne, die Lücken eröffnen?