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SAUDISCHE ÖLSTRÖME IM STURM DER STRÄNGE

7. April 2026 — — — E. Wolff

Die Zahlen kommen nicht aus dem Nichts. Sie sind das Ergebnis von Rechnungen, die jemand gemacht hat – und dann doch nicht. Saudi-Arabien hat im März 1,75 Millionen Barrel pro Tag über Yanbu verschifft. Das ist dreimal so viel wie noch im Februar, als der Hafen dort 750.000 bis 850.000 Barrel täglich verarbeitete. Die Pipeline, die das alles möglich macht, hat eine theoretische Kapazität von sieben Millionen Barrel – doch sie pumpt nicht sieben, sondern nur einen Bruchteil davon. Nicht, weil sie es nicht könnte, sondern weil die Welt es nicht will.

Die Umleitung ist kein Trick, sondern eine Notlösung. Der Hormuz-Strait, einst der größte Ölschlüssel der Welt, ist seit Februar praktisch tot. 21 Millionen Barrel täglich flossen dort vor dem Krieg durch – heute kaum noch welche. Saudi-Arabien hat reagiert, aber nicht mit Überfluss, sondern mit Mangel. Die Ost-West-Pipeline, gebaut 1981 für den Notfall, läuft jetzt auf Hochtouren. Doch selbst wenn sie sieben Millionen Barrel schaffte, wäre das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Verluste sind real: 1,75 Millionen Barrel pro Tag sind weg. Nicht gestohlen. Nicht verhandelt. Weg.

Yanbu war nie für diese Last gemacht. Die Ports in der Roten Meerregion sind keine Tanker-Häfen, sie sind Nebenstraßen. Doch jetzt werden sie zur Hauptroute. Die Zahlen sagen es: 4 Millionen Barrel täglich passieren seit März den Bab el-Mandeb – ein Rekord seit Oktober 2023. Die Hälfte davon ist russisches Öl, das nach Asien will. Der Rest? Saudi-Arabien. Und das ist kein Erfolg. Das ist ein Zugeständnis.

Die Pipeline pumpt, aber sie füllt nicht. Die Supertanker warten, doch die Märkte fragen nicht nach Mengen, sondern nach Sicherheit. Und die gibt es nicht. Am 11. März warnte Saudi-Arabiens Zivilschutz kurzzeitig vor einer „potentiellen Gefahr“ in der Ostprovinz – ohne zu sagen, was. In Bahrain heulten die Sirenen. Keine Erklärung. Keine Entschuldigung. Nur die Gewissheit: Jedes Barrel, das Yanbu verlässt, ist ein Risiko.

Die Zahlen lügen nicht. Sie zeigen, dass Saudi-Arabien die Lücke füllt, aber nicht schließt. Die Ost-West-Pipeline läuft bei 7 Millionen Barrel – doch nur, weil sie muss. Die Realität ist: Selbst wenn sie alle sieben Millionen pumpt, fehlen noch Millionen. Die Welt braucht das Öl. Die Welt zahlt dafür. Die Welt wartet. Und irgendwo in Dschidda rechnet jemand nach, wie viel weniger es heute ist als gestern.

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