Schattenbanker der EPA: Wer zündet die Methan-Fackeln?
Die EPA ist kein neutraler Wächter mehr. Sie ist ein Börsenmakler in Anzug, der mit einer Hand die Regeln schreibt und mit der anderen die Dividenden der Ölbarone einstreicht. Und in diesem Spiel gibt es keine fairen Karten – nur die, die man sich selbst aus dem Ärmel zieht.
Die Verdachtsmomente häufen sich wie Rauch über einer Lagerhalle: Ein Schlüsselangehöriger der Environmental Protection Agency, dessen Name in den Akten der Ölkonzerne so oft auftaucht wie ein Wiederholungstäter in einem Strafregister, hat in den letzten zwölf Monaten drei Mal die Hände über die Methan-Regulierungsvorschläge gehalten, die eigentlich seine eigene Behörde auf den Weg bringen sollte. Nicht als Berater. Nicht als externer Experte. Sondern als Mitgestalter – mit Zugang zu den Rohdaten, den internen Berechnungen und den politischen Kalkülen, die über Millionen an Bußgeldern und Dutzende Jobs in den Ölfeldern entscheiden.
Die Zahlen sagen es klar: Seit der Ernennung dieses Beamten (der, wie die Wall Street Journal-Auswertung zeigt, vor seinem Wechsel in die EPA fünf Jahre lang für ein Lobby-Konsortium gearbeitet hat, das sich auf die Schwächung von Umweltauflagen spezialisiert hat) sind die Methan-Emissionen der US-Fracking-Industrie um 18 Prozent gestiegen. Nicht gesunken. Nicht stabil. Gestiegen. Während die EPA offiziell die „schärfsten Regeln seit Jahrzehnten“ ankündigt – Regeln, die in der Praxis so zahnlos sind wie ein Papiertiger.
Wie funktioniert das? Einfach. Die Regeln werden nicht verhindert. Sie werden verzögert. Die Daten werden verzerrt. Die Bußgelder für Überschreitungen? Die Sätze werden so berechnet, dass sie sich in Luft auflösen wie ein Zuckerwürfel in Kaffee. Und wer profitiert? Nicht die Steuerzahler. Nicht die Gemeinden, deren Luft man mit Methan vergiftet. Sondern die Konzerne – und die Männer in Nadelstreifen, die ihnen die Hände halten.
Dasselbe Muster kennt man aus anderen Epochen. 1929 saßen die Banker in ihren Sesseln und erklärten den Leuten, die Gürtel enger schnallen müssten – während sie selbst ihre Aktienpakete in die Tasche steckten. Heute sitzen die Regulierer in ihren Büros und erklären den Ölbaronen, wie man die Umweltauflagen praktikabel umsetzt – während sie selbst die Zahlen manipulieren, die diese Auflagen erst rechtfertigen sollen.
Die EPA hat eine neue Kampagne gestartet: „Clean Air for All“. Ein schöner Slogan. Fast so schön wie die Bilanzen der Ölkonzerne, die seit dem Amtsantritt dieses Beamten um 23 Prozent gestiegen sind. Die Frage ist nicht, ob es ein Systemfehler ist. Die Frage ist: Wer hat das System repariert? Und mit welchen Werkzeugen.