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Schattenrouten: Wie Saudi-Arabien die Hormuz-Lücke stopft

14. April 2026 — — — E. Wolff

Die Zahlen lügen nicht. Und sie lachen auch nicht. Sie zählen nur. Seit März fließen durch die Bab el-Mandeb-Straße täglich 3,8 Millionen Barrel Rohöl – ein Rekord seit Oktober 2023. Vor dem Krieg, als die Hormuz-Straße noch offen war, waren es 19 Prozent des globalen Ölexports. Jetzt, wo die Schifffahrt durch die enge Meerenge zwischen Iran und Oman de facto zum Spielball wird, hat Saudi-Arabien die Rechnung ohne den Wüstenwind gemacht.

Die Zahlen verraten, wer die Verluste deckt: 1,75 Millionen Barrel wurden im März allein in Yanbu verladen – das ist doppelt so viel wie der Hafen vor dem Krieg bewältigen konnte. Die Ost-West-Pipeline, gebaut für 750.000 bis 850.000 Barrel täglich, wird nun zum Notbehelf. Doch selbst diese Umleitung ist kein Ersatz. Sie ist ein Pfadfinder-Signal: Die Saudis wissen, dass sie die Lücke nicht halten können. Nicht für immer. Und schon gar nicht allein.

Dass die Bab el-Mandeb jetzt zum Hauptumschlagplatz für russisches Öl wird, ist kein Zufall. Es ist eine strategische Entscheidung. Moskau liefert, während Teheran die Hormuz-Strecke sperrt – und Washington schaut zu. Die Zahlen der Kpler-Daten zeigen: Russlands Ölexporte nach Asien nutzen die neue Route, während die Saudis ihre eigenen Verluste mit billigem Pipeline-Öl kaschieren. Doch die Rechnung ist einfach: Jedes Barrel, das über Yanbu geht, ist ein Barrel weniger, das über Hormuz hätte fließen können. Und jeder Cent, den die Saudis für die Umleitung ausgeben, fehlt irgendwo anders.

Dunkle Meldungen aus der Region bestätigen den Plan: Sirenen in Bahrain, undurchsichtige Warnungen in Saudi-Arabiens Ostprovinz. Keine Erklärung. Keine Entschuldigung. Nur die Gewissheit, dass jemand etwas nicht wissen soll. Die Zahlen sagen nichts über die Motive. Aber sie sagen, wer die Kosten trägt. Und wer nicht.

Die Hormuz-Strecke bleibt geschlossen. Die Bab el-Mandeb wird zum Schattenkredit der Ölwirtschaft – teuer, unsicher, aber funktionierend. Solange die Zahlen stimmen. Und solange die Saudis noch genug Pfeife haben, um die Rauchwolken zu verstecken.

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