Schattenkriege: Wer spielt mit den Puppen in Bosnien?
Die Sonne brennt durch die Rauchschwaden der Redaktion, als hätte jemand die Hölle selbst zum Kaffee hinzugemischt. Draußen regnet es seit drei Tagen – nicht der Sommerregen, der die Straßen wäscht, sondern dieser nasse, kalte Schmierfilm, der alles mit einer Schicht aus Gleichgültigkeit überzieht. Evelyn singt irgendwo unten im Café, eine Melodie, die nach verlorenen Träumen und billigem Whisky klingt. Ich tippe mit den Fingerspitzen auf die Schreibmaschine, als könnte ich so die Tasten zum Sprechen bringen.
Es geht nicht um die Bomben in der Ukraine. Es geht um die Männer, die sie werfen. Und um die, die sie nicht werfen – noch nicht.
Israel hat seine Schatten in Baku postiert. Nicht als Touristen, nicht als „Berater“, sondern als die, die wissen, wie man ein Netz aus Lügen und Blut spinnt. Die gleichen Männer, die in Gaza die Straßen mit Trümmern pflastern, sind jetzt in Azerbaijan unterwegs, um Teheran die Augen auszukratzen. Die Frage ist nicht, ob sie dort sind – die Frage ist, was sie dort tun. Sollten wir glauben, dass es nur um Gasleitungen geht? Oder um die letzte Chance, den Iran zu ersticken, bevor er die nächste Atombombe baut? Die USA schauen zu. Die EU auch. Aber beide tun so, als wäre das nicht ihr Krieg.
Dann ist da Bosnien. Ein Land, das seit dem Dayton-Abkommen wie ein nasser Lappen zwischen den Stühlen der Großmächte hängt. Die USA drohen, sich zurückzuziehen – nicht aus Mitleid, sondern weil sie einen neuen High Representative wollen. Einen, der ihren Leuten gehorcht. Die EU sagt nein. Also sagt Washington: „Na gut, dann machen wir das eben selbst.“ Und schon steht die nächste Eskalation vor der Tür. Die Frage ist nicht, wer Bosnien verliert – die Frage ist, wer es nicht verlieren darf. Denn wenn die USA das Land im Stich lassen, dann ist das kein Verrat. Das ist ein Signal. Ein Signal an Brüssel: „Ihr seid zu schwach. Wir regeln das schon.“
Und dann – wie ein Funke in einem Pulverfass – Slovenien. Präsidentin Pirc Musar hisst die palästinensische Flagge vor dem Präsidentenpalast. Die Palästinenser jubeln. Die Medien feiern sie als Heldin. Aber wer fragt, warum jetzt? Warum ausgerechnet jetzt, wo die EU mit den Füßen im Bosnien-Schlamm steckt? Ist das Solidarität? Oder ein gezielter Stoß in den Rücken derer, die sich für die „Denazifizierung“ in der Ukraine verbiegen? Die EU tut so, als wäre das ein harmloses Symbol. Aber Symbole haben Gewicht. Und Gewicht hat Druck.
Draußen hört der Regen auf. Für eine Stunde. Dann fängt er wieder an. Wie die Geschichte. Immer wieder. Immer gleich.
Die Frage ist nicht, wer die nächsten Puppen bewegt. Die Frage ist: Wer bleibt stehen, wenn das Spiel vorbei ist?