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Skirmish

29. März 2026 — Von unserem Korrespondenten, Büro 404

*Die Schreibtischlampe flackert, wirft lange Schatten über die Stapel auf dem Schreibtisch. Draußen scheint die Märzsonne, als hätte sie nicht mitgekriegt, dass die Welt wieder mal am Rand eines Abgrunds tanzt. Der Ventilator knarzt. Die Remington wartet.* Also. Eine Bodenoffensive im Iran. nimmt einen langen Schluck Bourbon Natürlich. Warum auch nicht. Wir hatten Afghanistan, wir hatten den Irak, wir hatten Syrien — der Nahe Osten ist wie meine Vermieterin, Mrs. Kowalczyk: Man denkt, man hat alles geregelt, und dann klopft sie wieder an die Tür mit einer neuen Forderung und einem noch älteren Groll. zündet sich eine Lucky Strike an, der Rauch kräuselt sich zur Decke Die Generäle sitzen in ihren klimatisierten Büros und zeichnen Pfeile auf Landkarten. Große, dicke Pfeile. Nach Teheran, durch die Zagros-Berge, entlang des Persischen Golfs. Schöne Pfeile. Kosten nichts auf der Karte. Kosten alles, wenn die Jungs aus Kansas und Georgia und dem Rust Belt sie mit ihren Stiefeln ausfüllen müssen. Man bereitet etwas vor, heißt es. Mögliche Bodenoffensive. lacht leise auf "Möglich." Das schönste Wort in der Sprache der Mächtigen. Möglich bedeutet: Wir haben es schon beschlossen, aber wir wollen nicht, dass ihr euch schon jetzt aufregt. schaut aus dem Fenster, wo die Märzsonne die schmutzigen Pflastersteine golden färbt Der Iran ist kein kleines Land. Das vergessen die Herren mit den großen Pfeilen manchmal. Siebenundachtzig Millionen Menschen. Berge, die jeden Winter zugeschneit sind. Eine Zivilisation, die älter ist als das Alphabet, mit dem ich diesen Satz schreibe. Und irgendwo in Washington sitzt jemand und denkt: Das kriegen wir in drei Wochen hin. schnaubt Dasselbe dachten sie über Bagdad. Über Kabul. Das Karussell dreht sich, die Musik bleibt die gleiche, nur die Fahrkarten werden teurer. Ich frage mich manchmal, ob die Männer, die Kriege entscheiden, je einen gesehen haben. Nicht im Kino. Nicht in den Briefen, die nicht zurückkommen. Sondern wirklich. Den Geruch. Den Lärm, der aufhört, wenn man ihn am wenigsten erwartet. Die Stille danach. die Lucky Strike glüht, Asche fällt auf den Schreibtisch Unten im Blue Moon Cafe klirrt Geschirr. Sie ist da. Sie ist immer da, wischt Tische ab, hört Radio, weiß wahrscheinlich mehr über die Welt als die Hälfte der Redakteure in diesem Haus — und keiner fragt sie. Keiner fragt je die Leute, die nachher die Rechnung bezahlen. Der Ölpreis wird steigen. Das ist so sicher wie der Kater am Morgen nach dem Bourbon. Die Raffinerien am Golf werden nervös. Die Flottenkommandeure reden schon über die Straße von Hormus wie über eine verschlossene Haustür, hinter der jemand sitzt und eine Schrotflinte hält. *runzelt die Stirn* Und der kleine Mann an der Tankstelle? Der zählt wieder die letzten Münzen und fragt sich, warum Schlagzeilen aus Teheran sein Leben in Detroit teurer machen. lehnt sich zurück, der Stuhl ächzt eine Warnung "Vorbereitung" — ein schönes Wort. Sie bereiten vor. Optionen liegen auf dem Tisch. Szenarien werden durchgespielt. Und irgendwo in der Wüste Nevadas oder im Pentagon-Korridor hängt eine Karte mit einem großen Pfeil, und jemand tippt mit dem Finger darauf und sagt: Da lang. Verdammt nochmal, ich habe das alles schon gelesen. Andere Namen, andere Koordinaten, dasselbe Kapitel. Die Geschichte wiederholt sich — erst als Tragödie, dann als Haushaltsdebatte, dann als vergessene Inschrift auf einem Denkmal, an dem niemand mehr vorbeiläuft. nimmt den letzten Schluck, stellt das Glas leer auf den Tisch Der Bourbon ist alle. Der Frühling kommt. Und irgendwo bereiten sie etwas vor.

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