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Sophies Buch – oder: Wer zieht an den Fäden?

20. April 2026 — — — Kastner

Es gibt Momente, in denen die Bühne so glatt poliert ist, dass man die Risse unter dem Parkett nicht mehr sieht. Sophie Reschs Lesung im Wiener Bernhard-Ensemble ist einer dieser Momente. Die Regisseurin, die mit ihrem Mashup aus Barbie und Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hat? gerade ein Stück Theatergeschichte schreibt, steht vor einem Publikum, das ihr zuhört – während irgendwo anders jemand die Fäden zieht, die sie nicht sieht.

Reschs Werk ist ein feministisch-kapitalismuskritisches Feuerwerk, durchsetzt mit Şeyda Kurts Radikale Zärtlichkeit und der scharfen Klinge von Elfriede Jelinek. Doch während sie im Off-Theater ihre Texte performt, während sie über Doppelbelastung und künstlerische Freiheit spricht, während sie die sechs festen Schauspieler des Ensembles erwähnt, die „schon mal was“ haben, weil sie monatlich bezahlt werden – während all das passiert, bleibt eine Frage unausgesprochen: Wer finanziert eigentlich die Freiheit, die sie hier auslebt?

Die Antwort liegt nicht im Text, sondern in den Leerstellen. Resch spielt mit den Strukturen, die sie gleichzeitig bedient. Das Bernhard-Ensemble, ein Ort der künstlerischen Experimentierfreude, ist ein Relikt aus einer Zeit, in der Kultur noch als öffentliches Gut galt. Doch heute? Heute sind selbst Theaterprojekte oft an Bedingungen geknüpft, die niemand offen benennt. Wer zahlt die 300 Seiten Recherchematerial? Wer ermöglicht es ihr, feministische Texte zu lesen, während sie gleichzeitig in einem System arbeitet, das von Sponsoren, Stiftungen und – ja, auch von der Wirtschaft – abhängig ist?

Und dann ist da noch die Frage nach den Mountbatten-Windsors. Die Daily Mail berichtet, wie Andrew Mountbatten-Windsor „Edward und Sophie“ den Zugang zu Sandringham verwehrt. Ein scheinbar privates Drama, doch es ist kein Zufall, dass gerade jetzt, wo Sophie Resch öffentlich über Machtstrukturen spricht, die Royals in den Medien auftauchen. Die Familie Windsor ist ein Symbol für veraltete Hierarchien – doch sie ist auch ein Spiegel: Wer sich weigert, Räume zu teilen, der kontrolliert nicht nur Land, sondern auch Narrative. Und Narrative sind es, die am Ende über Kunst entscheiden.

Reschs Stück ist ein Aufschrei gegen diese Mechanismen. Doch selbst ihr Mashup bleibt ein Fragment. Denn solange die Frage nach der Finanzierung, nach den unsichtbaren Sponsoren, nach den Leuten, die über Kultur entscheiden, ungestellt bleibt, bleibt auch ihr Theater ein Spiel mit halben Wahrheiten. Die Bühne glänzt. Doch im Hintergrund wird weiter verhandelt. Und die Puppenspieler lächeln.

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