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Syriens Präsident kommt nach Berlin – und die Frage bleibt: Wer kehrt zurück?

21. April 2026 — — — M. Silber

Al-Sharaa sitzt im Berliner Regierungsviertel, zwischen den gläsernen Fassaden der Diplomaten und den stummen Mauern der Bürokratie. Er trägt den Blick eines Mannes, der weiß, dass Worte allein keine Trümmer tragen können. Doch heute geht es nicht um Steine oder Minenfelder, sondern um etwas noch Unsichtbareres: die Rückkehr.

„Wir wollen Syrien wiederaufbauen“, sagt er. Die Worte klingen wie ein Versprechen, doch in den Köpfen derer, die vor dem Krieg flohen, bleibt ein anderer Satz hängen: Wer von euch kehrt zurück? Die Frage ist keine rhetorische. Sie ist eine Frage nach Schuld, nach Sicherheit, nach dem Recht, noch einmal zu atmen, ohne dass die Luft nach Benzin und Schießpulver schmeckt.

Al-Sharaa spricht von „Investitionsmöglichkeiten“ in der Energiebranche, von „Tourismus“, von „Syrien als Brücke zwischen Europa und dem Nahen Osten“. Doch wer genau hört zu? Nicht die Familien in den Flüchtlingsunterkünften, die seit Jahren auf Antworten warten. Nicht diejenigen, die in Deutschland studiert haben, deren Kinder hier zur Schule gehen, deren Eltern in Syrien zurückblieben – oder umgekehrt. Nicht die, die wissen, dass ein Rückkehrgesuch ein Formular ist, das mehr Fragen aufwirft als es beantwortet: Ist deine Heimat noch sicher? Wer garantiert dir das? Und wenn nicht – was dann?

Die Zahlen helfen nicht. Ein Million Syrier. Ein Zahl, die sich anfühlt wie ein leerer Stuhl in einem überfüllten Raum. Jeder Name dahinter ist anders. Es gibt die, die fliehen mussten, weil ihre Dörfer bombardiert wurden. Die, die in Deutschland Jobs haben, aber keine Perspektive. Die, die Angst haben, zurückzugehen, weil sie wissen, dass der Staat dort sie nicht schützen wird. Und dann sind da noch die, die gar keine Wahl hatten – die, die deportiert wurden, obwohl ihre Familien in Deutschland sind. Die, deren Fälle in den Akten verschwanden, weil niemand sie wollte.

Al-Sharaa betont die „große Vielfalt“ Syriens, die „Reichtümer“ des Landes. Doch Vielfalt ist kein Argument für Rückkehr. Sicherheit schon gar nicht. Die deutsche Regierung spricht von „Chancen“, von „Zusammenarbeit“. Doch was bedeutet das konkret? Dass Syrien wieder ein Land wird, in dem Menschen ohne Pässe, ohne Schutz, ohne Garantien leben können? Dass diejenigen, die hier gebildete Fachkräfte wurden, zurückkehren sollen, um in einem System zu arbeiten, das sie nie akzeptiert hat?

Die Demonstrationen vor dem Auswärtigen Amt zeigen, dass nicht alle das glauben. „Keine Abschiebungen nach Menschenrechtsverbrecherstaaten“, steht auf den Plakaten. Die Frage ist nicht, ob Syrien wiederaufgebaut wird – es wird. Die Frage ist, unter welchen Bedingungen. Und ob die, die fliehen mussten, je wieder willkommen sein werden.

Al-Sharaa spricht von „Zusammenarbeit“. Doch Zusammenarbeit bedeutet auch, dass Deutschland zugeben muss: Es hat versagt. Es hat versprochen, Schutz zu bieten. Es hat Familien getrennt. Es hat Menschen in ein Land zurückgeschickt, das sie nicht mehr erkennen. Jetzt wird über Rückkehr verhandelt, als wäre das alles nur ein Geschäft – ein Deal zwischen Regierungen, nicht zwischen Menschen.

In den Akten steht vielleicht, dass Syrien „stabil“ ist. In den Köpfen der Geflüchteten steht etwas anderes: Wer von uns darf zurück? Und wer bleibt hier? Die Antwort darauf wird nicht in Berlin entschieden. Sie wird in den Herzen derer entschieden, die noch immer nicht wissen, ob sie je wieder nach Hause können.

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