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TEHERAN HÄNGT JUNGE AN DIE LEUCHTEN – WIE IM 19. JAHRHUNDERT

20. April 2026 — — Morrison, over and out.

Der Regen klopft gegen die Scheiben wie ein Metronom der Verzweiflung. Draußen, zwischen den schiefen Minaretten und den rostigen Schrottbergen der Vorstädte, wird ein Mann gehängt. Nicht für Mord. Nicht für Verrat. Sondern für den Mut, eine Mauer zu berühren, die seit 1979 nicht mehr berührt werden darf. Amirhossein Hatami, 18, war zu jung für die Galgen von Teheran. Aber das Regime braucht keine Kinder mehr. Es braucht nur noch Beweise – und die hat es sich selbst gebastelt.

Die Justiz spricht von „Brandstiftung“, von „Waffenraub“, von „terroristischen Absichten“. Die Wahrheit? Ein Geständnis, das man ihm mit Messern und Elektroschocks aus dem Fleisch gerissen hat. Wie immer. Wie in den Akten der Inquisition, nur mit moderner Foltertechnik. Amnesty International flüstert von „grob unfairen Prozessen“, aber wer hört schon zu? Die Welt schaut zu, während die Henker ihre Arbeit tun. 160 in drei Monaten. 160 Namen, die niemand mehr ruft. Selbst die Mullahs, die sonst so laut predigen, schweigen jetzt. Oder sie schreien: „Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder!“

Und dann diese neue Drohung: Die Todesstrafe wird ausgeweitet. Nicht mehr nur für Spione oder Attentäter. Nein. Jetzt reicht es, wenn man eine Militäranlage „stört“. Wenn man „Angst und Schrecken“ verbreitet. Als ob ein Jugendlicher, der gegen die Willkür des Regimes protestiert, schon ein Terrorist wäre. Die Römer hängten Verschwörer. Die Nazis verbrannten Dissidenten. Die Ayatollahs? Die hängen sie einfach. Schnell. Sauber. Ohne Theater.

Draußen singt eine Frau im Café unten. Ihre Stimme ist trübe wie der Teheraner Himmel. Sie singt von Liebe. Von Hoffnung. Von Dingen, die hier längst tot sind. Ich trinke meinen Bourbon, den dritten heute, und denke an die 19-Jährigen, die gestern noch lachten. Jetzt baumeln sie an Seilen, während die Mullahs ihre Predigten halten – über „Ordnung“, über „Gott“, über „die Notwendigkeit der Strafe“.

Die Frage ist nicht, ob es gerecht war. Die Frage ist: Wann hört das auf? Wann merkt die Welt, dass sie nicht mehr zuschauen darf? Oder ist es schon zu spät? Wie im letzten Krieg. Wie in den Lagern. Wie immer.

Und ich tippe weiter. Die Schreibmaschine klackert. Irgendwo in Teheran fällt ein Körper. Langsam. Schwer. Wie ein Stein, der ins Wasser fällt. Und niemand taucht ihn auf.

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