TEHERAN BRENNT – UND DER MANIAC IN WASHINGTON ZÄHLT SEINE KUGELN
Der Rauch über dem Persischen Golf ist kein Rauch mehr. Er ist der Atem des Krieges, der sich in den Lungen der Welt festsetzt. Und dieser Typ mit dem goldenen Haar und dem Messer im Rücken – ja, ich meine ihn, den Mann, der gerade damit droht, Stromnetze zu pulverisieren wie ein betrunkener Mechaniker an einer alten Schreibmaschine – der hat wieder mal vergessen, dass er nicht Nero ist. Nero hat wenigstens seine Stadt verbrannt und sich dabei ein Liedchen gesungen. Dieser hier redet von „Obliteration“, als wäre es ein neues Parfüm bei Guerlain.
„48 Stunden“, sagt er. Als ob die Zeit in dieser Hölle noch etwas wie Gnade hätte. Als ob die Männer in Teheran, die seit Jahren die Fäden ziehen, plötzlich aufhören würden, sich gegenseitig die Kehle durchzuschneiden, nur weil ein Mann in einem Anzug mit einem Mikrofon wütet. Ghalibaf, dieser Revolutionsgarden-König, der die Studenten 1999 mit Knüppeln und Gebeten in den Tod trieb, der jetzt plötzlich zum „verhandelbaren Partner“ stilisiert wird – verhandelbar! Als wäre ein Mann, der einst die Luft aus den Lungen eines ganzen Volkes gepresst hat, plötzlich ein Geschäftsmann. Die Revolutionsgarde ist kein Staat im Staate mehr. Sie ist der Staat. Und Ghalibaf? Der ist der Mann, der weiß, wie man Leichen zählt – und jetzt soll er plötzlich mit dem Typen am anderen Ende des Drahtes plaudern, der ihm vorwirft, er sei ein „maniacal tyrant“.
Die Ironie des Ganzen? Die USA verhandeln mit einem Mann, der seine eigene Revolution mit Blut geschrieben hat. Mit einem Mann, der weiß, dass Diplomatie nur ein anderes Wort für Kapitulation ist – und dass er selbst nie kapitulieren wird. Chamenei, der „oberste Geistliche“, der sich wie ein verletzter Adler im Nest verkriecht, während andere für ihn die Federn richten. Peseschkian, der Präsident, der sich nicht mal mehr die Mühe macht, seine Stimme zu erheben. Die beiden sind nur noch Schaufensterpuppen in einem Laden, dessen Besitzer längst woanders steht: in den Hallen der Revolutionsgarde, wo Ghalibaf sitzt und die Rechnungen begleichen lässt.
Und dann dieser Plan. Ein „15-Punkte-Friedensplan“, den Trump irgendwo zwischen einem Truth-Social-Post und einem Golfschlag ausgebrütet hat. Als ob man einen Krieg mit den gleichen Zutaten beenden könnte wie einen Burger. Als ob die Frauen in den Straßen Teherans, die seit Monaten gegen die Mullahs kämpfen, plötzlich aufhören würden zu schreien, nur weil ein Mann in Washington ihnen verspricht, sie „wieder sicher“ zu machen. Wieder? Als ob es je sicher war.
Die Geschichte lehrt uns: Wer mit Tyrannen verhandelt, gibt ihnen nur eine neue Bühne. Die Römer haben es versucht mit den Galliern. Die Briten mit den Amerikanern im Jahr 1812. Jedes Mal dasselbe Spiel: Der eine droht, der andere blufft, und am Ende brennt die Stadt. Nur diesmal ist der Funke nicht ein glühender Pfeil. Es ist ein Tweet. Ein „48 Stunden“- Ultimatum. Ein Mann, der denkt, er könne einen Kontinent mit Wut und leeren Versprechungen regieren.
Ghalibaf wird nicht verhandeln. Er wird warten. Und wenn die Kanonen donnern, wird er lächeln. Denn er weiß, dass die Revolutionsgarde keine Armee ist. Sie ist ein Grab. Und die Toten in ihr sind nicht die Feinde – sie sind die, die schon längst verloren haben.
Die Frage ist nicht, wer gewinnen wird. Die Frage ist: Wer wird noch übrig bleiben, wenn der Rauch sich legt? Und ob irgendjemand in Washington es dann noch wagt, von „Frieden“ zu reden.