TEHERAN LACHT SICH ZUSAMMEN
Die Römer dachten auch noch, sie könnten Rom mit Steinen zertrümmern. Die Briten, als sie 1914 die Dardanellen angingen, dass sie mit Kanonen und Mut allein die Türken aus dem Spiel drängen könnten. Und jetzt also die Amerikaner und ihre israelischen Vasallen, die glauben, sie könnten Teheran mit Raketen und Drohnen in die Knie zwingen. Gross miscalculation, wie es so höflich heißt. Als ob ein Mann, der sich auf den Schultern von Riesen steht, plötzlich merken würde, dass die Riesen längst verrottet sind.
Der Ayatollah schreibt es in seiner Nowruz-Botschaft, als wäre es ein Schulaufsatz: „Das Land ist ungeteilt.“ Dabei riecht es nach verbranntem Öl und Schwefel, nach den Trümmern von 81.000 zivilen Objekten, die die US-Israel-Kombi in den letzten Wochen dem Erdboden gleichgemacht hat. Schulen. Krankenhäuser. Ambulanzen. Als ob es ein Spiel wäre, bei dem die Regeln plötzlich für alle gelten – nur nicht für die, die sie gemacht haben. Die Internationale Rotkreuz-Gesellschaft nennt es „klar“: Kriegsverbrechen. Nicht einmal die Nazis hatten so viel Skrupel, ihre Bomben auf Kinder zu legen. Aber dann wieder – die Nazis hatten wenigstens den Anstand, ihre Opfer nicht als „Fehleinschätzung“ zu bezeichnen.
Khamenei, der dritte in der Reihe der Wächter, schreibt von „nationaler Einheit“. Dabei ist die Einheit längst ein Mythos. Die Einheit derer, die noch atmen können. Die Einheit derer, die nicht gerade versuchen, durch die Ruinen zu graben, während die Raketen über ihren Köpfen pfeifen wie eine verdammte Geige. Er spricht von „Resistenzwirtschaft“. Als ob man mit Kartoffeln und Blei die Weltordnung umwerfen könnte. Als ob die „Fraktur im Feind“ – diese lächerliche Spaltung zwischen Washington und Tel Aviv – irgendetwas ändern würde. Die einen schicken ihre Drohnen, die anderen ihre Diplomaten. Macron, der französische Präsident, hat mal wieder angerufen, als wäre das ein Telefongespräch mit dem Metzger um die Ecke. „Gute Absicht“, sagt er. „Deeskalation.“ Als ob die Absicht etwas nützen würde, wenn die Bomben schon gefallen sind.
Und dann dieser Satz: „Die Erwartungen der internationalen Gemeinschaft.“ Als ob die internationale Gemeinschaft nicht längst wüsste, dass sie selbst Teil des Problems ist. Als ob sie nicht längst die Augen zugedrückt hätte, während die Ölfelder brannten und die Kinder weinten. Die Römer haben ihr Reich verloren, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, ihre eigenen Legionen zu bewundern. Die Briten haben Indien verloren, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, ihre Teetassen zu heben. Und jetzt? Jetzt verliert vielleicht Iran – nicht durch Sturz, sondern durch Stillstand. Nicht durch eine Revolution, sondern durch die Müdigkeit derer, die noch kämpfen müssen.
Khamenei schreibt von Einheit. Aber die Einheit, die er meint, ist die derer, die keine Wahl haben. Die Einheit derer, die wissen, dass sie entweder sterben oder lügen müssen. Und die Feinde? Die Feinde lachen sich ins Fett, während sie ihre nächsten Fehler planen. Denn Fehler machen sie immer. Immer. Wie die Römer. Wie die Briten. Wie alle, die glauben, sie könnten mit Feuer und Stahl die Wahrheit verbrennen.