TEHERAN SCHREITET AUS – DIE KÜSTEN BRENNEN
Die Sonne hängt wie ein fauler Glutball über dem Persischen Golf, als hätte selbst das Licht Angst vor dem, was kommt. Morteza Simiari, dieser iranische Sicherheitsanalyst mit dem Gesicht eines Mannes, der schon zu viele Kriege gezählt hat, hat heute Abend vor laufenden Kameras der IRIB die Karten neu gemischt. "Die Küsten von Bahrain und den Emiraten sind auf der Agenda", sagt er und lässigt dabei die Ärmel seines Uniformjacketts, als würde er nur noch eine weitere Runde Poker spielen. Doch die Stiche sind schon verteilt. Und die USA? Die sind der Dealer, der gerade die falsche Karte gezogen hat.
Verifiziert? Natürlich. Die IRIB, Irans Staatsfernsehen, das gleiche Medium, das einst die Bilder von Khomeini ins Volk strahlte, als wäre es heiliger Rauch statt Propaganda. Simiari, ein Mann, der weiß, wie man mit Worten Bomben baut, warnt: "Jede falsche Bewegung der Amerikaner, und wir verändern das regionale Landschaftsbild." Verändern? Nein. Zerschneiden. Wie die Römer einst Gallien aufteilten – nur dass hier kein Kaiser spricht, sondern ein General mit Revolver im Holster.
Die Emirate haben schon reagiert. Abdullah bin Zayed, der Außenminister, postete gestern auf X – was für ein Witz, dass ausgerechnet ein Emirat heute noch Twitter nutzt, während die Welt um ihn herum in Flammen steht. "Wir werden nie von Terroristen erpresst", schrieb er. Terroristen? Simiari spricht von "militärischer Vorbereitung", von "bereiten Kräften", von "Küsten, die genommen werden". Bin Zayed nennt es Erpressung. Simiari nennt es Realität.
Und dann diese Explosionen in Isfahan. "Amerikanisch-zionistische Angriffe", heißt es. Unausgelöste Munition, die jetzt kontrolliert in die Luft fliegt wie ein letzter Hustenanfall eines sterbenden Mannes. Die Provinzverwaltung beruhigt: "Kein Grund zur Sorge." Doch wer hat schon je auf die Beruhigung von Männern gehört, die gerade ihre eigenen Bomben entschärfen? Die Luft riecht nach Schwefel und Verrat. Die Raketen, die heute über den Emiraten einschlagen – sie werden nicht nur von Abwehrsystemen abgefangen. Sie werden gezählt. Und jeder Einschlag ist ein Zähler, der tickt.
Die Frage ist nicht, ob Iran handelt. Die Frage ist nur noch: Wann? Die Römer bauten ihre Mauern, um die Barbaren draußen zu halten. Die USA bauen ihre Flotten, um die Barbaren einzugrenzen. Doch Barbaren brauchen keine Mauern. Sie brauchen nur einen Funken. Und heute Abend hat Simiari diesen Funken entzündet.
Die Küsten brennen nicht mehr. Sie warten. Und irgendwo in einem Café in Dubai, wo der Kaffee schmeckt wie verbranntes Papier und die Luftkonverter heiser flüstern, trinkt ein Mann seinen Espresso. Er weiß, dass die nächste Nachricht nicht mehr eine Warnung sein wird. Sie wird ein Gebrüll sein. Und dann? Dann wird der Golf nicht mehr Persisch sein. Nicht Arabisch. Nicht Amerikanisch. Sondern irisch. Wie der Name des Landes, das ihn umgibt.
Und wir? Wir sitzen hier. Mit unseren Schreibmaschinen. Unserm Bourbon. Und der Gewissheit, dass die nächste Schlagzeile nicht mehr "könnte" heißen. Sie wird "hat" heißen.