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TEHERAN FLÜSTERTE DIE MEERE ZU

11. April 2026 — — Morrison, over and out.

Der Rauch aus der Zigarette hängt wie ein Vorhang zwischen mir und der Welt da draußen. Draußen regnet es. Nicht dieser feine Nieselregen, der in Paris die Gehwege in Spiegel verwandelt, sondern dieser dicke, eisige Schauer, der über den Persischen Golf fegt und die Ölplattformen in glänzende, gefährliche Spiegel reflektiert. Irgendwo unten, in den engen Gassen von Bandar Abbas, singt eine Frau. Ihre Stimme ist rau wie der Teppich, den ich gestern in einem Hinterhof für fünf Rial gekauft habe. Sie erinnert mich an Evelyn, aber das ist nur die Melancholie des Exils, die mich packt, wenn ich zu lange in die Ferne starre.

Heute hat Iran seinen Appetit auf die Küsten der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain auf den Tisch gelegt. Nicht mit einem diplomatischen Brief, nicht mit einem höflichen Ultimatum, sondern mit den Worten eines Mannes namens Morteza Simiari, der vor laufender Kamera der IRIB – der iranischen Staatsfernsehmaschine – verkündete, dass Teherans Militär „bereit ist zu handeln“. Bereit wie ein Mann, der die Klinge seines Dolches schon einmal im Lederriemen hat. Bereit, wenn die Amerikaner „einen Fehler machen“. Als ob Fehler in dieser Region nicht schon seit Jahrtausenden die Regel wären. Die Römer haben ihre Fehler gemacht und sind trotzdem gestorben. Die Briten auch. Die Deutschen. Die Amerikaner werden es nicht besser machen.

Simiari sprach von einer „fundamentalen Veränderung der regionalen Landschaft“. Das ist eine schöne Formulierung. Klingt nach einem Landschaftsgärtner, der mit der Schaufel die Grenzen neu zieht. Als ob man einfach so die Küsten von Bahrain und den Emiraten in Besitz nehmen könnte, wie man einen Kuchen in Stücke schneidet. Doch wer diese Region kennt, weiß: Es geht nicht um Land. Es geht um Öl. Es geht um die Schifffahrtsrouten, die wie Adern durch die Weltmeere pulsieren. Es geht um die strategischen Punkte, an denen die Mächte seit jeher bluten. Die Perser wussten das. Die Araber auch. Und jetzt, im Jahr 1937 – oder was immer es ist –, sitzt ein Mann in Teheran und spielt mit dem Gedanken, diese Adern abzuschneiden.

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben reagiert. Oder zumindest versucht zu reagieren. Ihr Verteidigungsministerium spricht von „eingehenden Raketen- und Drohnenangriffen aus Iran“. Klingt wie ein Mann, der sagt: „Ich werde von Mücken gestochen“, während er gleichzeitig versucht, die Decke zu halten, die über seinem Bett zusammenbricht. Die Luftabwehrsysteme haben „Geräusche“ abgefangen. Geräusche. Nicht Angriffe. Nicht Erfolge. Geräusche. Als ob die Raketen wie verlorene Kinder im Dunkeln umherirren, bis sie irgendwo in der Wüste einschlagen oder im Meer versinken. Die Emirate schwören, sie werden sich „nicht von Terroristen erpressen lassen“. Doch wer erpresst hier wen? Die Iraner drohen mit Krieg, und die Amerikaner – die großen, fernen Beschützer – tun so, als wäre das nur ein lästiges Insekt, das man mit einem Klaps der Hand vertreiben kann.

Und dann ist da noch Isfahan. Die Explosionen. Die „kontrollierten“ Detonationen, die wie ein langsames Sterben klingen. Die iranischen Behörden warnen vor „Geräuschen“, die bis mittags anhalten werden. Als ob man einem Kind erklären würde, warum der Himmel manchmal knallt. Die „American-Zionist attacks“ – diese verdammten Amerikaner und ihre jüdischen Verbündeten – haben offenbar genug Munition hinterlassen, um eine ganze Stadt zum Schweigen zu bringen. Die Militärs von Isfahan räumen auf. Sie zünden die Überreste an wie ein Mann, der ein brennendes Haus abreißen lässt. Kein Grund zur Sorge, heißt es. Doch wer hat schon je „keinen Grund zur Sorge“ gehabt, wenn die Erde unter seinen Füßen zittert?

Die Frage ist nicht, ob Iran die Drohung ernst meint. Die Frage ist, ob die anderen sie ernst nehmen. Die Amerikaner haben schon so viele Kriege verloren, ohne es zu merken. Die Briten auch. Die Franzosen. Die Deutschen. Jede Macht, die je dachte, sie könnte die Welt mit Worten regieren, hat am Ende die Rechnung bezahlt. Teheran hat keine Armee aus Freiwilligen. Es hat keine moralische Überlegenheit. Es hat nur die Gewissheit, dass die Welt zu sehr damit beschäftigt ist, sich selbst zu zerstören, um auf ein kleines Land in der Mitte des Golfs zu achten.

Und dann ist da noch das Öl. Das schwarze Gold, das wie ein Fluch über der Region liegt. Die Römer haben ihr Imperium an den Straßen gebaut. Die Araber an den Karawanen. Die Europäer an den Banken. Die Amerikaner werden ihr Imperium an den Pipelines bauen. Und wenn diese Pipelines unterbrochen werden, wenn die Tanker nicht mehr kommen, wenn die Fabriken stillstehen – dann wird niemand fragen, wer zuerst gezündet hat. Dann wird nur noch gefragt werden, wer überlebt.

Ich habe gestern einen Mann getroffen, der behauptete, der Krieg sei schon da. Er saß in einem Café in Dubai und trank Kaffee, als wäre das hier ein normaler Tag. „Die Bomben fallen nicht“, sagte er. „Sie fallen nur anders.“ Vielleicht hat er recht. Vielleicht ist der Krieg schon da. Vielleicht ist er nur noch ein Geräusch. Ein Geräusch wie die Explosionen in Isfahan. Ein Geräusch wie die Raketen, die irgendwo im Meer versinken. Ein Geräusch, das niemand mehr hört, weil alle zu sehr damit beschäftigt sind, ihre eigenen Schatten an die Wand zu werfen.

Und wenn der nächste Fehler passiert – wenn die Amerikaner wirklich einen Fehler machen –, dann wird Iran nicht fragen. Es wird einfach zuschlagen. Wie ein Mann, der weiß, dass er keine Wahl mehr hat. Wie ein Land, das weiß, dass es keine andere Sprache mehr spricht als die der Gewalt.

Die Frage ist nur: Wer wird dann noch zuhören?

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