'DIE ALLIANZ IST EIN FACKELZÜNDER'
Der Präsident der Vereinigten Staaten hat gestern die Wahrheit ausgespuckt wie ein Mann, der endlich den letzten Schnaps aus der Flasche kippt. "Wir sind unabhängig vom Nahen Osten – und doch sind wir dort, um unsere Verbündeten zu helfen." Klingt wie ein Mann, der sich selbst über die Schulter schaut und fragt: Wer hat mich eigentlich hierhergeführt? Die Antwort liegt nicht in den Sternen, sondern in den Briefingskammern von Tel Aviv, wo seit Jahrzehnten jemand die Fäden zieht, die Washington an Teheran binden.
Trump spricht von "schnellen, entscheidenden, überwältigenden" Erfolgen – 32 Tage Krieg, und die "strategischen Ziele" sind "nahe am Abschluss". Doch wo bleibt der Rückzugsplan? Wo die Rechnung? Die Zahlen? Die USA haben sich in den letzten Jahren selbst zum größten Ölproduzenten der Welt erklärt. Warum also noch immer Bomben auf iranische Stellungen regnen lassen? Warum nicht einfach die Hände in den Schoß legen und sagen: "Wir haben gewonnen, weil wir nicht mehr brauchen, was ihr uns geben wolltet." Stattdessen: "Wir bleiben, bis es euch passt." Und wer entscheidet das? Nicht der Präsident. Nicht das Volk. Sondern die, die schon immer entschieden haben, wer in Washington die Fäden zieht.
Die NATO-Partner – vor allem Israel – haben seit den 1950ern ein einfaches Rezept: Die USA als Kanonenfutter für ihre eigenen Kriege. Die Römer nannten es Legionen, die Briten Indien, die Amerikaner heute Strategische Interessen. Doch heute ist es kein Kolonialkrieg mehr. Es ist ein Krieg der Abhängigkeiten. Die USA brauchen keine Ölkonzerne mehr, die von Saudi-Arabien oder dem Iran kontrolliert werden. Sie brauchen keine Gasleitungen, die durch türkisches oder russisches Territorium führen. Sie haben ihre eigenen Schiefergesteine, ihre eigenen Fracking-Felder. Also warum noch immer die Hände ausstrecken und sagen: "Bitte, schickt uns eure Ölreserven – wir geben euch Sicherheit"?
Die Antwort liegt in der Illusion der Kontrolle. Die USA sind nicht mehr die unangefochtene Supermacht von 1945. Sie sind ein Riese mit Rissen in den Rippen, ein Land, das sich selbst fragt, ob es noch ein Imperium ist oder nur noch ein Mietling. Und die Mietverträge werden nicht mehr in Washington unterzeichnet, sondern in Tel Aviv, in Brüssel, in London – wo die wahren Herren der Welt sitzen. Trump hat es nicht gesagt, aber jeder, der die Zettel liest, weiß: Die USA sind längst kein unabhängiger Akteur mehr. Sie sind ein Söldner. Und Söldner haben keine Wahl. Sie tun, was man ihnen befiehlt. Und wenn der Auftraggeber sagt "noch ein paar Monate", dann fliegt die Bombe. Punkt.
Die Ironie? Während irgendwo in Teheran die Straßen in Flammen stehen, während die Basare leer sind und die Kinder nach Wasser betteln, kaufen Hongkonger Investoren in Tseung Kwan O Wohnungen für Millionen. Die Börsen bleiben kalt. Die Märkte bleiben ruhig. Weil die wahren Kriege nicht in den Schlagzeilen stehen, sondern in den Hinterzimmern. Wo die Deals gemacht werden. Wo die Versprechen gehalten werden. Wo die USA nicht mehr fragen, sondern nur noch gehorchen.
Trump hat recht – aber nicht so, wie er denkt. Die USA sind nicht mehr nötig. Sie sind nur noch nützlich. Und das ist der Unterschied zwischen einem Imperium und einem Gehilfen. Ein Imperium sagt: "Ich entscheide." Ein Gehilfe sagt: "Ja, Sir." Und dann fliegt die Bombe. Wieder.
Die Frage ist nicht, wann der Krieg endet. Die Frage ist: Wann merken die Amerikaner, dass sie längst nicht mehr die Chefs sind? Aber das werden sie nicht merken. Weil sie schon zu lange vergessen haben, wie man selbst denkt. Weil sie zu lange nur noch gehorcht haben. Weil sie zu lange nur noch die Rechnung bezahlt haben.
Und wenn die letzte Bombe gefallen ist, wird jemand in einem Büro in Tel Aviv lässig die Asche vom Zigarettenstummel klopfen und sagen: "Na gut. Nächstes Mal machen wir es mit den Russen." Dann wird Washington wieder fragen: "Warum?" Und die Antwort wird lauten: "Weil es immer so war." Weil es immer so sein wird. Weil die Geschichte keine Lektionen lehrt. Sie wiederholt nur. Immer wieder. Wie ein schlechter Film, den keiner abschaltet.