DIE MILLIARDEN-FALLE VON TEHRAN
Die USA haben es wieder geschafft. Nicht mit Diplomatie, nicht mit Vernunft, sondern mit Zahlen. Mit einer Nullenorgie, die selbst die Römer vor Neid erblassen ließ, als sie ihre Legionen über den Rhein schickten – nur um festzustellen, dass der Rhein auch ohne Krieg Geld verschlingt. Das Pentagon hat grünes Licht für 200 Milliarden Dollar gegeben. Nicht für Straßen. Nicht für Schulen. Sondern für Bomben, die irgendwo in der Wüste des Iran einschlagen werden wie die letzten Kanonenkugeln des Ersten Weltkriegs, nur dass diesmal die Rechnung nicht mehr in Gold, sondern in Druckerzeugnissen der Federal Reserve beglichen wird.
Und was hat der Iran dazu zu sagen? Nichts. Oder doch? Er sagt es mit Öl. Mit Gas. Mit den Flammen, die über den Feldern von Khuzestan tanzen, seit Israel dort seine Fingerabdrücke hinterlassen hat. Die Teheraner Führung hat keine Rede gehalten. Keine ultimative Note an Washington. Keine Drohung, die man als „übertrieben“ abtun könnte. Nein. Sie hat geschwiegen. Und das Schweigen ist die lauteste Warnung, die man sich vorstellen kann.
Denn Schweigen in dieser Stadt bedeutet: Man bereitet sich vor. Wie die Bauern im Frühjahr, die wissen, dass der Regen kommt, auch wenn sie ihn noch nicht sehen. Die USA haben ihre Kriegskasse aufgetakelt wie ein betrunkener Matrose vor der Hafengebühr. Der Iran? Er hat seine Finger in die Erdöladern gelegt und wartet. Nicht auf Gnade. Nicht auf Verhandlung. Sondern darauf, dass der erste Schuss fällt – und dann wird es kein Zurück mehr geben.
Manche sagen, das sei nur ein Spiel. Ein Schachzug der Mächtigen. Als ob Kriege je nur ein Spiel gewesen wären. Die Römer haben ihre Legionen in Gallien geschickt und sind mit leeren Kassen zurückgekehrt. Die Deutschen haben 1914 geglaubt, der Krieg sei „über“ – bis die Kanonen wieder donnerten. Und jetzt? Jetzt sitzen wir wieder in diesem verdammten Büro, in dem die Kaffeetasse kalt wird, während irgendwo die Welt in Flammen aufgeht.
Die 200 Milliarden. Das ist kein Betrag. Das ist eine Einladung. Eine Einladung an den Iran, zu antworten. Nicht mit Worten. Sondern mit Raketen. Mit Minen. Mit allem, was aus der Erde kommt und in die Luft fliegt. Und dann? Dann wird es kein „kleiner Krieg“ mehr geben. Dann wird es eine Feuerwalze sein, die von der Persischen Bucht bis zum Golf von Oman schlägt. Die Ölpreise werden durch die Decke gehen. Die Börsen werden zittern wie ein Blatt im Herbstwind. Und die Menschen? Die Menschen werden weiter leben. Weiter arbeiten. Weiter beten. Als ob nichts wäre.
Aber es ist etwas. Es ist immer etwas. Und wir stehen am Rand des Abgrunds und lächeln. Weil wir wissen, dass wir schon wieder dabei sind. Wieder in diesem verdammten Rhythmus. Wieder in diesem Kreislauf aus Geld, Blut und Lügen. Die Römer haben ihr Imperium verloren. Die Deutschen werden ihr Reich verlieren. Und wir? Wir werden sehen, ob wir es schaffen, aus diesem Wahnsinn noch etwas zu retten. Oder ob wir einfach nur noch Zuschauer sind. Zuschauer eines Krieges, der längst begonnen hat – nur dass die ersten Schüsse noch nicht gefallen sind.
Evelyn singt unten im Café. „You’ll never walk alone.“ Ein Lied über Solidarität. Über Zusammenhalt. Über Dinge, die in dieser Stadt längst keine Rolle mehr spielen. Der Regen klopft gegen die Scheibe. Irgendwo in Teheran wird eine Rakete geladen. Irgendwo in Washington wird ein Budget genehmigt. Und irgendwo – irgendwo da draußen – wartet die Welt darauf, dass es losgeht.