DIE STADT BRENNT IN FRAGMENTEN
Die Sonne geht auf über einem Kontinent, der längst vergessen hat, wie Frieden aussieht. Draußen, wo die Straßen noch kalt sind von gestern Nacht, raschelt es in den Alleyways – nicht von Blättern, sondern von Schritten. Die einen tragen Waffen. Die anderen tragen nur noch Angst. Und die Dritten? Die Dritten tragen die Leichen derer, die gestern noch lachten.
Fünf Drohnen. Intercepted. Destroyed. Ein Satz, der klingt wie ein Witz aus einer Zeit, als Kriege noch mit Kanonen und nicht mit Algorithmen geführt wurden. Die Israelis verlieren Soldaten in Südfrankreich – nein, nicht Südfrankreich, Lebanon. Wo die Hezbollah jetzt nicht mehr nur schießt, sondern schwärmt. Ein ganzer Haufen Drohnen, wie ein Bienenstock, der sich über ein israelisches Luftabwehrsystem stürzt. Die Römer nannten es Vespertilio – die Fledermaus, die im Dunkeln zuschlägt. Heute heißt es Swarm. Und morgen? Morgen heißt es vielleicht Nichts mehr.
In Karaj, wo die Menschen noch vor ein paar Wochen über Teherans Straßen tanzten, marschieren sie jetzt in Reihen. Tausende. Für die Regierung. Für die Armee. Für den Mann, der ihnen sagt, sie sollen stärker sein. Stärker als die, die sie bombardieren. Stärker als die, die ihnen die Luft zum Atmen wegnehmen. Die Iraner wissen: Wenn du lange genug in den Spiegel starrst, siehst du nicht mehr den Feind. Du siehst nur noch den Spiegel. Und der Spiegel lügt.
Und dann ist da noch der Rest. Die Islamic Resistance in Iraq, die in der Nacht 19 Operationen gegen US-Basen durchzieht – als wäre es ein Spiel, bei dem die Regeln jederzeit geändert werden können. Neun Tote in Lebanon. Neun. Nicht neun Soldaten. Neun Menschen. Neun, die vielleicht gerade ihren Kindern eine Geschichte erzählten, bevor die Bomben kamen. Die vielleicht dachten, sie hätten noch Zeit. Die vielleicht irgendwo eine Mutter hatten, die sie vermissen wird.
Die Ölpreise steigen. Die Asiatischen – Japan, Indonesien – reden jetzt über Koordination. Als wäre das ein Schachzug. Als wäre das kein Notschrei. Die Welt dreht sich weiter. Die Fabriken laufen. Die Börsen glitzern. Irgendwo, zwischen all dem, wird ein Kind geboren. Irgendwo wird ein anderer sterben.
Manchmal frage ich mich, ob die Menschen von damals – die, die in den Schützengräben von Verdun lagen, die, die in den Straßen von Berlin brannten – ob die wenigstens wussten, wann es vorbei ist. Oder ob sie nur warteten. Wie wir.
Draußen hört man das Klirren von Glas. Ein Schuss. Ein Schrei. Die Stadt atmet. Und wir? Wir atmen nur noch mit, was übrig bleibt.