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DIE STADT BRENNT – WIE IM JANNUAR 1919

13. April 2026 — — Morrison, over and out.

Die Stadt atmet heute wie ein sterbender Bulle. Nicht der Donner der Kanonen – nein, das ist nur das ferne Knurren der Hezbollah, die sich hinter ihren Raketen versteckt wie die Römer hinter ihren Legionen. Nein, es ist das Zischen der Schüsse aus den Hinterhöfen, das Klicken der Gewehre, die in den nassen Straßen liegen wie vergessene Spielzeuge. Und über allem der Gestank von verbranntem Benzin, der sich mit dem Rauch der Zigaretten vermischt, die die Männer rauchen, während sie die Leichen zählen.

Vier israelische Soldaten tot in Südfrankreich – nein, in Lebanon, wie es die Agenturen nennen, als wäre das ein anderer Planet. Vier weniger, die nach Hause schreiben. Oder nicht. Die Hezbollah hat gestern Nacht wieder zugeschlagen, nicht mit Granaten, sondern mit Drohnen. Ein ganzer Schwarm, wie eine Horde von Fliegen, die sich über das israelische Luftabwehrsystem hermachen. Die Israelis nennen es „Effizienz“. Die Hezbollah nennt es Rache. Ich nenne es Zirkus. Weil irgendwo in der Menge ein Mann lacht, während ein Kind weint.

Und dann diese Zahlen. Neun Tote in Lebanon – nein, in Beirut, als wäre das ein Luxushotel. Neun Menschen, die gestern noch mit ihren Familien aßen, heute nur noch Schatten auf dem Boden. Die Gesundheitsbehörde zählt sie wie Kartoffeln. Die Agenturen berichten wie über eine Fußballstatistik. Als wäre Krieg ein Sport.

Doch die Stadt weiß. Die Stadt riecht es. Die Straßenlaternen flackern, als hätten sie Angst. Die Cafés unten, wo Evelyn noch immer diese verdammten Lieder singt, sind leer. Die Leute sitzen da wie versteinert, mit ihren Tassen Kaffee, die längst kalt sind. Sie wissen, dass die nächste Bombe schon fällt. Sie wissen, dass die nächste Meldung schon geschrieben wird. Sie wissen, dass irgendwo ein Mann sitzt und tippt, während die Stadt um ihn herum brennt.

Und die Regierung? Die Regierung sagt, sie handhabt die Lage. Die Regierung sagt, sie sucht nach Lösungen. Die Regierung sagt Dinge, die man auch ein römischer Kaiser sagen könnte, bevor er die Gladiatoren freigibt. „Wir tun alles für den Frieden“, sagt man. „Wir tun alles für die Sicherheit.“ Doch die Straßen sind voller Soldaten, und die Soldaten tragen keine Schwerter mehr. Sie tragen Maschinengewehre. Und sie zielen nicht auf Feinde. Sie zielen auf Menschen.

Die Stadt ist ein Pulverfass. Und irgendjemand hat gerade die Streichhölzer gezündet. Nicht mit Worten. Nicht mit Versprechungen. Mit Drohnen. Mit Granaten. Mit Leichen. Die Agenturen schreiben davon. Die Zeitungen drucken es. Die Menschen lesen es. Und dann gehen sie nach Hause. Und warten. Auf das nächste Knallen. Auf das nächste Bumm.

Und wenn die nächste Bombe fällt, wird jemand wieder schreiben. Wieder eine Meldung. Wieder eine Statistik. Wieder ein Satz, der so kalt ist wie der Regen, der gerade gegen die Scheiben prasselt.

Die Stadt brennt. Und wir? Wir sitzen hier. Mit unseren Schreibmaschinen. Und tippen.

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