Die Fed bleibt im Schatten – und wir mit ihr
Die Gerichte haben gesprochen. Oder besser: geschwiegen. Oder noch besser: nicht zugehört. Die beiden Subpoenas gegen Marion McKinley, die Frau, die seit 1913 über unser Geld wacht wie ein Bankier über seine letzte Münze, sind vom Tisch gewischt worden. Nicht weil sie unrechtmäßig waren. Nicht weil die Beweise zu dünn. Sondern weil die Justiz – wie so oft – vor dem Ding zurückschreckt, das da namens Federal Reserve herumsteht. Ein Ungeheuer aus Notenbankern, Anwälten und einem Haufen Zahlen, das sich seit Jahrzehnten weigert, sich dem Licht zu stellen.
Es ist kein Wunder. Die Fed ist kein Staat. Sie ist kein Parlament. Sie ist ein System, das sich selbst rechtfertigt, während es uns alle rechnet. Und heute, am 29. März 1937, hat das Gericht ihr wieder einmal einen Freibrief ausgestellt. Die Argumente? Staatliche Souveränität, wirtschaftliche Stabilität, der gute Name der Nation. Als ob Transparenz ein Luxus wäre, den wir uns in Zeiten nicht leisten können. Als ob die Fed nicht längst zur größten unsichtbaren Macht geworden ist, die über unsere Börsen, unsere Löhne und unsere Träume entscheidet.
Man könnte sagen: Es ist, als hätte man einem Dieb die Taschen durchsucht – und dann die Polizei gebeten, die Beweise zu verbrennen. Denn was diese Subpoenas eigentlich wollten, war nicht die Enthüllung eines Skandals. Sondern die Klärung einer Frage, die uns alle angeht: Wer kontrolliert die Kontrollen? Die Fed gibt sich als Hüterin der Ordnung, doch wer kontrolliert sie? Die Politiker? Die Börsen? Oder einfach die nächste Generation von Notenbankern, die sich in ihren gläsernen Türmen verschanzen und uns erzählen, wir sollten uns nicht so anstellen?
Die Argumente der Fed waren klassisch. Vertraulichkeit schützt die Wirtschaft. Offenheit würde Panik auslösen. Die Märkte sind empfindlich. Klingt das nicht ein bisschen wie die Ausreden der Kaiser, als sie ihre Kriege hinter verschlossenen Türen planten? Es ist für das Wohl des Volkes. Vertraut uns. Wir wissen, was gut für euch ist. Die Römer hätten sich geschämt. Oder zumindest einen besseren Anwalt gehabt.
Dass die Gerichte jetzt nachgeben, ist kein Zufall. Es ist ein Muster. Seit 1913, seit der Fed ihr Monopol auf das Geld gegeben wurde, kämpft sie gegen jede Form von Rechenschaft. Die Glass-Steagall Act-Debatten der 30er Jahre waren nur ein kurzes Aufbäumen. Dann kam der Krieg, dann die Inflation, dann die Bankenkrise – und immer wieder dieselbe Geschichte: Die Fed tut, was sie will, und wir? Wir zahlen die Rechnung.
Heute geht es nicht um zwei Subpoenas. Es geht um das Prinzip. Wenn die Justiz zulässt, dass eine Institution, die über Milliarden entscheidet, sich hinter dem Mantel der wirtschaftlichen Notwendigkeit versteckt, dann ist das kein Rechtsstaat mehr. Das ist ein System, in dem die Mächtigen sich selbst zum Gesetz erklären. Und wir? Wir sitzen da wie die Kaninchen im Käfig und fragen uns, warum die Tür immer wieder zugeschlagen wird.
Man könnte einwenden: Aber die Fed hat doch die Depression überstanden! Ja, sie hat. Weil sie sich selbst rettete. Weil sie die Regeln bricht, wenn es ihr passt. Weil sie die Zinsen senkt, wenn die Börse wackelt, und sie erhöht, wenn die Arbeiter streiken. Weil sie ein eigenes Geld druckt – nicht das der Steuerzahler, nicht das der Sparer, sondern ihr Geld. Und wenn sie sagt, sie sei transparent, dann meint sie: Transparent genug, dass wir uns nicht selbst in die Hose machen.
Die Implikationen? Sie sind so alt wie die Geschichte selbst. Vertrauen ist der einzige Zins, den die Fed nicht verzinst. Und heute, nach diesem Urteil, wissen wir: Es ist ein Vertrauen, das man nicht einfordern kann. Nur erbitten. Und selbst das nur mit zitternder Hand.
Am Ende bleibt eine Frage, die niemand beantworten will. Wenn die Fed nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann – wer dann? Die Börsen? Die Zeitungen? Die nächsten Notenbanker, die in 20 Jahren wieder behaupten, es war nicht unsere Schuld? Die Geschichte lehrt uns: Macht, die sich nicht rechtfertigen muss, ist Macht, die sich selbst rechtfertigt. Und Macht, die sich selbst rechtfertigt, ist Macht, die am Ende immer verliert.
Aber wir? Wir sitzen hier. Mit unseren Sparbüchern. Mit unseren Schulden. Mit dem Wissen, dass irgendwo in Washington eine Frau namens Marion McKinley über unser Geld entscheidet – und wir nur noch beten dürfen, dass sie nicht wieder falsch liegt.
Und das ist kein Kommentar. Das ist die Realität.