DIE LÜGE HEIßT FRIEDEN – WIE IMmer
Die Luft in dieser Redaktion riecht nach verbranntem Tabak und altem Leder. Draußen, hinter den schmutzigen Scheiben, regnet es seit drei Tagen. Die Straßen von Teheran sind noch nass von den Bomben, die seit Februar auf die Stadt fallen. Die Straßen von Washington auch. Nur dass dort die Nässe von Schweiß und Angst kommt, nicht von Regen.
Donald Trump hat seinen 15-Punkte-Plan durch Pakistan geschoben – ein Dokument, das aussieht wie ein Trinkgeldzettel aus einem schäbigen Bordell: "1. Ein Monat Pause. 2. Keine weiteren Angriffe. 3. Iran gibt die Hormuzstraße frei. 4. Israel hört auf, die IRGC zu jagen." Und dann, als ob das schon genug wäre, kommen die versteckten Klauseln. Die, die niemand laut sagt. Die, die besagen, dass Iran alles aufgeben muss – seine Raketen, seine Atomprogramme, seine Souveränität über die eigene Küste – während die USA und Israel einfach weitermachen wie bisher. Nur mit weniger Lärm.
Iran lacht. Nicht laut, nicht vor der Kamera. Aber die Antwort kam durch die Revolutionären Garden: "Die USA verhandeln mit ihrem eigenen Spiegelbild." Und das ist kein Witz. Die Iraner haben gesehen, wie die Amerikaner seit Februar 28. des Monats keine ehrlichen Schritte gemacht haben. Stattdessen haben sie die 82nd Airborne Division in den Golf geschickt – 3.000 Mann, die nicht hier sind, um zu helfen, sondern um zu drohen. Als ob man einem Mann, der schon am Boden liegt, noch einen Fußtritt verpasst.
Die Hormuzstraße? Geschlossen. Nicht für immer. Nicht für immer. Nur für alle, außer für die, die Pakistans, Indiens und Chinas Flagge tragen. Eine Ausnahmegenehmigung für die, die sich leisten können, weiterzumachen. Der Rest? Ölpreise, die wie ein betrunkener Boxer umherhüpfen – gestern $100 pro Barrel, heute vielleicht $98. Die Märkte atmen auf, aber nur, weil sie wissen: Das hier ist kein Frieden. Das ist ein Aufschub. Ein Rauchzeichen. Wie die Römer vor drei Jahrhunderten, die sich mit Papyrusstreifen zufriedengaben, während die Legionen weiter marschierten.
Und dann ist da noch Thailand. Die da haben einen Deal mit Iran gemacht. Drei Schiffe weniger, die in Minen explodieren. Drei Matrosen, die vermisst werden. Die da haben Angst. Die da zahlen. Und was macht die Welt? Sie schaut zu. Wie immer. Als ob die Hormuzstraße nicht das Herz der globalen Wirtschaft wäre. Als ob die Ölpreise nicht jeden von uns treffen würden – ob wir es merken oder nicht.
Die Frage ist nicht, ob es zu einem Deal kommt. Die Frage ist: Wozu? Trump will, dass Iran sich kniefällig stellt. Die Iraner wollen, dass die USA aufhören, ihre Städte zu bombardieren. Das ist kein Verhandlungsgegenstand. Das ist ein Widerspruch. Einer, der so alt ist wie die Menschheit selbst. Die Römer haben ihre Kriege mit Sklaven geführt. Die Amerikaner führen ihre mit Drohnen. Und die Iraner? Die Iraner führen sie mit Geduld. Mit der Geduld von Menschen, die wissen, dass sie schon tausendmal besiegt wurden – und trotzdem weiterstehen.
Pakistan will vermitteln. Pakistan, das Land, das seit Jahrzehnten zwischen den Fronten balanciert. Die da haben die besten Chancen. Weil sie niemandem gehören. Weil sie beide Seiten brauchen – die Amerikaner für ihre Militärhilfe, die Iraner für ihre Wirtschaft. Aber selbst wenn sie einen Deal rausholen: Was bleibt dann? Ein Waffenstillstand? Ein Pausenzeichen? Die Bomben fallen weiter. Die Raketen fliegen weiter. Die Märkte zittern weiter.
Und wir? Wir sitzen hier. In dieser Redaktion. Mit der Schreibmaschine, die seit 1937 nicht mehr ersetzt wurde. Mit dem Bourbon, der seit 1937 nicht mehr gut ist. Und wir schreiben weiter. Weil wir wissen: Am Ende wird es keinen Frieden geben. Nicht so, wie wir ihn uns vorstellen. Nicht so, wie die Mächtigen ihn verkaufen.
Aber wir werden weiter schreiben. Weil die Wahrheit auch dann noch da ist. Selbst wenn sie niemand hören will.