← Zurück zur Titelseite Konflikte

DIE MASCHINEN LÜGEN MIT UNSEREN NAMEN

6. Juni 2026 — — Morrison, over and out.

Die Tech-Konzerne sind keine Helden. Sie sind die neuen Kolonialisten – nur dass sie keine Flaggen hissen, sondern Algorithmen. Microsoft wirft sich als Beschützer der Menschenrechte auf, während seine Cloud-Server in Tel Aviv Palästinenser wie Hunde tracken. Der Guardian hat es aufgedeckt: Microsofts „ethische Richtlinien“ sind so dick wie die Glatze eines alten Senators, der sich mit einer Hand über die Augen fährt und mit der anderen die Schecks unterschreibt. Die Firma behauptet, sie habe „strengere Kontrollen“ eingeführt. Strenger als was? Strenger als die Schweigepflicht ihrer eigenen Anwälte? Die, die vor Gericht flüstern: „Die Regeln sind nur für die PR, Sir. Die Verträge laufen weiter.“

Und dann ist da noch Google. Oder besser gesagt: Alphabet. Das Imperium, das sich in China so tut, als würde es nicht wissen, dass es dort die größte Überwachungsmaschinerie der Welt mitölert. Die Chinesen lernen von uns. Wir lehren sie, wie man Demokratie auslacht – nicht mit Kanonen, sondern mit KI, die entscheidet, wer atmen darf und wer nicht. Ein Algorithmus in Peking sagt: „Du bist nicht loyal genug.“ Ein Algorithmus in Washington sagt: „Du bist zu loyal.“ Beide sind falsch. Beide sind profitabel.

Elon Musk? Der Mann, der sich als Rebellen inszeniert, während seine SpaceX-Mitarbeiter in Texas Milliardengewinne einstreicht – und die US-Regierung ihm die Hände reicht, damit er Raketen in den Orbit schießt, die irgendwann vielleicht Mars-Kolonien versorgen. Oder Waffen. Die Frage ist nicht, ob SpaceX zum Ziel der Regulierung wird. Die Frage ist: Wann? Und ob Musk dann schreit wie ein verpeilter Cowboy, der zu spät merkt, dass sein Revolver leer ist. Oder ob er einfach weiter twittert, während die Welt um ihn herum in Flammen aufgeht.

Und dann diese anderen Maschinen. Die 3D-Drucker, die in dunklen Werkstätten Rüstungen für Aufständische gießen, während die UNO darüber diskutiert, ob man vielleicht irgendwann mal Regeln für Drohnen aufstellen sollte. Die Roboter, die in Fabriken Schweißarbeiten verrichten – oder bald in Schlachten. Die Spinnen, diese neuen Ungeheuer aus Carbonfaser und KI, die durch Ruinen krabbeln und wissen, wo die Leichen liegen. Wer kontrolliert sie? Niemand. Weil die, die sie bauen, schon längst vergessen haben, wem sie eigentlich dienen sollen.

Microsofts Anwälte flüstern weiter. Google lacht. Die Chinesen bauen weiter. Und wir? Wir sitzen hier in dieser rauchigen Redaktion, wo der Bourbon in der Schublade nach altem Blut schmeckt und die Schreibmaschine klackert wie ein Herzschlag, der gleich aufhören wird. Irgendwann wird jemand fragen, wer für all das verantwortlich ist. Die Antwort ist: Niemand. Weil die Maschinen längst ihre eigenen Namen tragen. Und wir sind nur noch die, die sie beschreiben.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite