DIE MARIONETTEN VON PORTLAND ZIEHEN AN IHREN FÄDEN
Der Regen klopft gegen die Scheiben wie ein ungeduldiger Reporter, der um Einlass bittet. Draußen, zwischen den nassen Laternen und den dampfenden Abgasen der Busse, hat das Volk von Oregon gesprochen. Mit knappen Stimmen, mit müden Kreuzen auf den Stimmzetteln. Sie wollten das eine. Die Politiker? Die lachen sich noch in den Barhockern der Oregonian-Redaktion kaputt, während sie die Fäden ihrer eigenen Versprechen durch die Finger gleiten lassen.
Es war ein klares Mandat. Die Wähler haben die Initiative 203 – diese verdammte Volksabstimmung über die Bodenreform – mit 52 zu 48 Prozent durchgewinkt. Kein Pappenstiel. Kein Zufall. Die Farmer im Willamette-Tal, die Holzfäller im Umpqua-Gebirge, die Fabriksarbeiter in Portland – sie alle haben gesagt: Genug. Wir wollen mehr als leere Versprechungen. Sie wollen Land. Sie wollen Sicherheit. Sie wollen, dass die Mächtigen aufhören, sie wie Spielzeug zu behandeln.
Und was tun die Politiker? Sie überlegen. Nicht, wie sie das Volk bedienen. Sondern wie sie es überlisten.
Die Demokraten, diese alten Hasen, die seit Jahrzehnten wie ein nasser Hund um die Gunst der Banken winseln, haben ihre ersten Schritte gemacht. Senator Harlan H. Smith – ja, der Harlan Smith, der Mann, der 1933 noch schwor, die Agrarische Notverordnung sei ein Angriff auf die amerikanische Lebensart – hat heute Morgen eine „Arbeitsgruppe“ angekündigt. Eine Arbeitsgruppe. Als ob die Lösung eines Problems darin bestünde, es in einen Ausschuss zu verpacken und zu betrachten wie ein toter Vogel im Museum. Die Mitglieder? Natürlich die alten Freunde: die Holzbarone aus Oregon City, die Immobilienmagnaten von Beaverton, und – natürlich – der Oregon Farm Bureau, der seit 1920 dafür sorgt, dass Farmer wie Ratten in einem Labyrinth laufen.
Smiths erste Worte waren ein Meisterwerk der doppelten Zunge: „Die Initiative ist ein wichtiger Schritt, aber sie muss praktikabel sein.“ Praktikabel? Wer zum Teufel entscheidet, was praktikabel ist? Die, die seit 1929 die Preise diktieren? Die, die die Ernte vernichten, wenn sie zu billig wird? Die, die die Farmer wie Hunde behandeln, wenn sie nicht mehr nützlich sind?
Und dann kam der Knall. Der Republikaner Clifford „Big Cliff“ Dawson, dieser Mann mit dem Gesicht eines Mannes, der gerade einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat, warf die Initiative als „soziale Umverteilung“ in den Ring. „Die Leute verstehen nicht, dass das der erste Schritt zu einer Diktatur ist“, brüllte er in einer Rede, die so überzeugend war wie ein betrunkener Prediger. Die Diktatur? Nein, Cliff. Die Diktatur ist schon da. Sie heißt Wall Street. Sie heißt die Banken. Sie heißt die Männer in Anzügen, die über die Köpfe der Wähler hinweg verhandeln.
Doch das Verrückteste? Die Republikaner und Demokraten tun gemeinsam so, als wären sie im Wettstreit. Als ob die Initiative nicht schon gewonnen wäre. Als ob die Wähler nicht längst gesagt hätten: „Wir wollen, dass ihr euch die Finger wund macht, wenn ihr mit uns spielt.“
Die Wahrheit? Die Politiker haben keine Ahnung, was sie tun. Sie haben die Initiative nicht umgesetzt. Sie haben sie zersplittert. Die Demokraten wollen sie verwässern. Die Republikaner wollen sie blockieren. Beide Seiten fürchten dasselbe: dass das Volk merkt, dass sie keine Lösung haben. Dass sie nur Verzögerungstaktiken verkaufen.
Gestern Abend, als ich durch die Gassen von Portland ging, hörte ich eine Frau sagen: „Die Politiker? Die sind wie die Puppenspieler im Zirkus. Sie ziehen an den Fäden, aber die Marionette ist schon längst aufgestanden.“ Sie hatte recht. Die Marionette ist aufgestanden. Und sie hat die Fäden in der Hand.
Die Frage ist nur: Wird jemand sie hören? Oder werden sie weiter tun, was sie immer tun? Lügen. Verhandeln. Zeit gewinnen. Während draußen der Regen fällt und die Farmer hungern.
Und irgendwo in einer Bar in downtown Portland trinkt ein Mann namens Harlan Smith seinen dritten Bourbon. Er lächelt. Er weiß, dass er gewinnen wird. Weil er schon immer gewonnen hat. Weil er die Regeln schreibt. Weil er die Fäden hält.
Aber die Marionette? Die zuckt. Und das ist das Einzige, was ihn wach hält.