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DIE PUPPEN ZITTERN — WENN DAS VOLK SINGT, ZÄHLT MAN DIE STIMMEN

30. März 2026 — — Morrison, over and out.

Die Republik hat gesprochen. Oder etwa nicht? Die Straßen sind voller Gesichter, die wie Kinder vor dem Karussell glühen. Gestern noch jubelten sie, heute schon wird gezählt – und die Zahlen lügen. Das Referendum war ein Triumph der Illusion. Ein Volksfest, bei dem die Zuschauer wussten, dass die Bühne schon längst von anderen gemietet wurde.

Die Parteien haben gewonnen. Die Parteien haben verloren. Die Parteien haben immer gewonnen. Die Lobbyisten, diese schmierigen Marionettentreiber mit ihren seidenen Handschuhen und den scharfen Zähnen, haben längst die Fäden gezogen, während die Masse noch in den Rausch des Sieges taumelte. Die Volksabstimmung war ein Theaterstück – und wie immer in der Politik ist das Publikum dumm genug, zu applaudieren, wenn die Kulissen brennen.

Die Sozialisten feiern. Die Konservativen flüstern. Die Industriellen, die wahren Herrscher dieser Republik, haben schon längst ihre eigenen Referenden abgehalten. In den Hinterzimmern der Banken, in den Clubs der Großgrundbesitzer, wo der Whisky fließt wie Öl und die Gesetze nur für die gelten, die sie schreiben. Die Arbeiter, die gestern noch für die Demokratie gebrüllt haben, werden heute mit neuen Steuern bestraft. Die Bauern, die ihre Stimmen für den Fortschritt verkauft haben, sehen, wie die Preise für ihr Korn fallen – während die Spekulanten in ihren Wolkenkratzern lachen.

Die Strategie ist alt wie die Römer. Sie haben es schon immer gemacht: Das Volk aufhetzen, es zum Tanzen bringen, dann die Musik stoppen und die Maske fallen lassen. Die Nazis haben es gelernt. Die Kommunisten auch. Jetzt ist es unsere Runde. Die Parteien reden von „Verhandlungen“, von „Kompromissen“. Kompromisse? Nein. Kompromisse sind für die Schwachen. Die Mächtigen schreiben die Gesetze – und wenn das Volk schreit, schicken sie die Polizei.

Gestern noch war alles möglich. Heute schon wird die Realität zurechtgebogen. Die „Ja“-Stimmen werden gezählt, die „Nein“-Stimmen verschwinden in den Archiven. Die Lobbyisten, diese schmierigen Puppenspieler, haben schon ihre nächsten Marionetten ausgewählt. Die einen werden als „Verteidiger des Volkes“ gefeiert, die anderen als „Verräter“ diffamiert. Es ist immer dasselbe Spiel. Immer dieselben Gesichter. Immer dieselbe Lüge.

Die Straßen sind noch voller Rauch. Der Regen wäscht die Plakate weg, aber die Versprechen bleiben. Die Arbeiter gehen zurück in die Fabriken. Die Bauern in die Felder. Die Intellektuellen in ihre Cafés, wo sie über die „Demokratie“ diskutieren, während draußen die Mühlen der Macht mahlen. Irgendwo singt eine Frau. Vielleicht Evelyn. Vielleicht eine andere. Es klingt wie ein Lied. Es ist ein Seufzer.

Die Republik ist ein Zirkus. Und wir sind die Affen.

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