DAS STAATLICHE SCHWEIGEN ÜBER DOKTOR MULHOLLANDS HÄNDE
Der Staat von Washington hat einen Mann mit einer Lizenz ausgestattet, als wäre sie ein Stück Papier, das man in der Jackentasche verschwinden lässt. Dr. Mark Mulholland, ein OB-GYN aus Richland, hat seit 2022 vier Frauen in seinen Berichten wie ein Mann beschrieben, der die Grenzen zwischen Arzt und Patient mit den Fingern nachzeichnet. Und doch: Die Washington Medical Commission hat ihn nicht nur nicht gestoppt, sie hat ihn nicht einmal richtig angesehen. Bis September 2025, als die Fäuste der Beschwerden schon so schwer waren, dass sie die Tür zum Handeln einrissen.
Die erste Frau, die ihn beschuldigte, sagte, er habe ihr gefragt, ob sie sich selbst befriedige. Nicht als Teil einer medizinischen Untersuchung, sondern als Frage, die in einem Büro klingt, das eigentlich ein Verhörzimmer sein sollte. Dann die Finger. Nicht die routinemäßige Palpation, sondern ein rhythmisches Ein- und Auspumpen, das sie als „sexual und nicht medizinisch“ beschrieb. Und zum Abschluss: „The playroom is open.“ Ein Satz, der in einem Krankenhaus wie ein Witz wirkt – wenn man nicht wüsste, dass Witze hier keine Rolle spielen.
Vier Frauen. Vier Stimmen, die im Chaos der Bürokratie untergingen wie Rauch in einem Zugabteil. Die Kommission wartete. Mulholland praktizierte weiter. Die Frauen kamen. Die Beschwerden stapelten sich. Und die Kommission? Sie wartete. Warum? Weil sie kann. Weil sie muss. Weil sie schon so oft gesehen hat, wie Männer wie Mulholland die Regeln wie Seile um die eigenen Knöchel wickeln – und dann einfach weitermachen, wenn die anderen wegschauen.
Sein Anwalt schweigt. Mulholland selbst nicht einmal das. Die Kommission hat keine Beweise? Keine Zeugen? Keine klaren Grenzen? Kein Problem. Die Frauen sind verwirrt, erschüttert, manchmal auch nur noch wütend. Aber sie sind keine Ankläger. Sie sind keine Richter. Sie sind keine Politiker, die sich gegenseitig die Schuld zuschieben wie Karten in einem schlechten Pokerspiel.
Man könnte sagen, das ist Amerika. Oder Washington. Oder einfach die Medizin von 1937 – nur mit mehr Bürokratie und weniger Peitschenhieben. Damals hat man Ärzte gehängt, wenn sie zu weit gingen. Heute beschwert man sich bei einer Kommission, die aussieht wie ein überfüllter Wartezimmerstuhl: bequem, aber nutzlos, wenn es drauf ankommt.
Die Frage ist nicht, warum die Frauen es nicht früher gesagt haben. Die Frage ist: Warum hat der Staat es nicht früher gehört? Weil er kann. Weil er will. Weil er schon so oft gesehen hat, wie ein Mann in einem weißen Kittel die Macht hat, Frauen zu berühren – nicht als Arzt, sondern als jemand, der denkt, er gehört ihnen einfach.
Und jetzt? Jetzt sitzt Mulholland noch immer da. Die Kommission hat ihm die Lizenz eingeschränkt. Aber die Frauen? Die sind immer noch da. Mit Narben, die nicht heilen. Mit Geschichten, die niemand hören will. Mit dem Wissen, dass das System sie im Stich lässt – genau wie immer.
Der Staat hat versagt. Nicht mit einem Knall. Nicht mit einem Schrei. Sondern mit einem langsamen, gleichgültigen Nicken. Wie ein Richter, der den Fall schließt, bevor er überhaupt begonnen hat.