DIE STRAIT OF HORMUZ IST EIN PULS ZWISCHEN ZAHNEN
Der Krieg gegen Iran ist kein Krieg mehr. Er ist ein Experiment. Ein Test, ob die Welt bereit ist, ihre Ölschiffe mit Gewehren zu beschützen, während die USA den Persischen Golf in ein Schlachtfeld verwandeln. Donald Trump hat es gesagt: Iran soll zurück in die Steinzeit. Doch wer entscheidet, wann die Steinzeit endet? Wenn die letzten Dämme brechen und das Wasser der Geschichte über die Küsten der Golfstaaten schwappt?
Die Zahlen sind grotesk. Über zwölfausend Ziele zerstört. Zwölf. Tausend. Das ist kein Krieg. Das ist eine Rechnung. Eine Abrechnung mit einer Nation, die seit Jahrhunderten die Römer, die Mongolen, die Briten und jetzt die Amerikaner herausfordert. Doch wer zählt die Toten? Die Verletzten? Die Familien, die heute Abend um ihre Männer trauern, während irgendwo ein US-General in einer Pressekonferenz von „unbreakable warrior ethos“ schwafelt?
Und dann diese Heldengeschichten. Ein Pilot, der auf Good Friday abgeschossen wird, sich in einer Höhle versteckt und auf Ostersonntag gerettet wird. „God is good.“ Natürlich ist Gott gut. Für die, die ihn anrufen. Für die, die überleben. Für die, die nicht in den Bergen zerfetzt werden oder in einem Krankenhaus in Teheran verrecken, während die Welt zuschaut. Die Iraner, die heute ihre Toten auf riesigen Fahnen begraben, werden nicht fragen, ob Gott gut ist. Sie fragen, warum ihre Kinder sterben müssen, damit ein paar Generäle in Washington ihre Karriere machen können.
Die Golfstaaten flüstern schon von Pipelines. Sie wollen das Hormuz-Risiko umgehen. Als ob man den Krieg einfach umschiffen könnte. Als ob die Raketen der Houthis, die jetzt „vital israelische“ Ziele treffen, nicht auch ihre Häfen treffen könnten. Als ob die Russen, die noch immer behaupten, der Strait sei „open to Russia“, nicht längst ihre eigenen Interessen im Spiel haben. Putin ruft nach Diplomatie. Doch Diplomatie? Bei diesem Tempo ist Diplomatie nur das, was man tut, wenn man schon verloren hat.
Und dann diese Trump-Dynastie. Eric und Donald Jr. verkaufen Drohnen an die Golfstaaten. Natürlich. Warum nicht? Wenn der Vater die Luft zum Brennen bringt, verkaufen die Söhne die Werkzeuge. Der Kreislauf der Gewalt. Immer wieder. Immer teurer.
Die Internationale Rotkreuz-Föderation warnt vor einem Kollaps der medizinischen Versorgung. Doch wer hört schon zu? Die Welt schaut zu. Die Welt jubelt, wenn ein Pilot gerettet wird. Die Welt ignoriert, dass irgendwo ein Kind in Teheran heute Abend ohne Verbandsmaterial stirbt, während ein US-General in einem Hotel in Doha über „excellence in uniform“ spricht.
Manche sagen, der Krieg sei fast vorbei. Albanese, der australische Premier, meint, die „original objectives“ seien erreicht. Was für Ziele? Dass Iran nicht mehr Raketen schießt? Dass die USA sich als unbesiegbar inszenieren? Dass die Ölpreise steigen und die Konzerne profitieren? Die Steinzeit ist kein Ziel. Sie ist ein Albtraum.
Und dann ist da noch die Höhle. Der Pilot. „God is good.“ Vielleicht. Aber die Höhle war nicht sein Retter. Die Höhle war nur ein Ort, an dem er überlebte. Die Retter waren die Männer mit den Hubschraubern, die Männer mit den Waffen, die Männer, die den Befehl hatten. Die Männer, die heute Abend in ihren Villen in Palm Beach oder Washington sitzen und sich fragen, ob sie genug getan haben.
Genug getan? Nein. Nicht annähernd. Aber es reicht. Für heute. Für die Schlagzeilen. Für die nächsten vier Jahre.
Die Steinzeit kommt nicht. Sie ist schon da. Nur dass sie nicht aus Lehm und Feuer besteht. Sie besteht aus Stahl und Benzin. Aus Raketen und Lügen. Und aus der stummen Frage: Wie viel mehr muss noch brennen, bevor jemand aufhört?