← Zurück zur Titelseite Konflikte

DIE STRAIT OF HORMUZ IST KEIN SCHAUFENSTER MEHR

13. April 2026 — — Morrison, over and out.

Die Sonne brennt auf die leeren Flaschen in der Redaktion, als wäre sie ein Teil der Bombe, die gestern wieder über Teheran fiel. Draußen, zwischen den Ruinen der alten Teppichfabriken, steht ein Mann mit einem Gewehr und zählt die Risse in der Mauer. Er flüstert etwas von „Römern“, aber er meint die Amerikaner. Die Römer haben ihr Reich mit Straßen und Aquädukten gehalten. Die Amerikaner halten ihr Reich mit Öl und Drohungen.

Trump hat gestern Abend wieder mal die Welt belehrt, als wäre er der neue Kaiser Augustus. „Zurück in die Steinzeit, wo es hingehört“, hat er gesagt. Als ob die Steinzeit ein Ort wäre, den man einfach mit einem Dekret erzwingen könnte. Die Römer haben ihre Provinzen mit Legionen und Verrat regiert. Die Amerikaner regieren mit F-15s und Bibelzitaten. Der gestrige Pilot, der sich in einer Höhle versteckte wie ein verlorener Prophet, hat „Gott ist gut“ gerufen, bevor er gerettet wurde. Ein Mann, der in der Kälte lag und auf Hilfe wartete, während irgendwo in Washington ein anderer Mann predigte, dass Amerika unbesiegbar sei. Unbesiegbar? Oder nur unersättlich?

Die Kreuzritter haben Jerusalem mit Kreuzzügen genommen. Die Amerikaner nehmen Teheran mit Pipeline-Plänen. Die Saudis, diese alten Ölbarone, überlegen jetzt, ob sie nicht lieber ihr eigenes Rohr bauen, statt durch den Hals der Welt zu pumpen. Die Römer haben ihre Straßen durch die Provinzen geschlagen. Die Amerikaner schlagen jetzt ihre Bomben durch die Straßen. Und die Iraner? Die Iraner stehen da wie die Gallier vor den Mauern von Alesia – nur mit weniger Verstand und mehr Hass.

Die Roten Kreuze sagen, die Verletzten werden knapp. Die Trauma-Kits, die Sauerstoffmasken, die Verbandsrollen – alles wird knapp. Als ob die Welt nicht schon genug Blut gesehen hätte. Die Houthi schießen ihre Raketen auf Israel, als wären es Fackeln für ein Fest. Die Russen sagen, der Hormuz ist offen. Offener als ein Buch, das niemand mehr lesen will.

Und dann ist da noch diese Firma, die die Söhne des Präsidenten gegründet haben. Sie wollen den Golfstaaten ihre Drohnen verkaufen. Als ob die Golfstaaten nicht schon genug Waffen hätten, um sich gegenseitig zu ertränken. Die Römer haben ihre Legionen mit Gold bezahlt. Die Amerikaner bezahlen ihre Söldner mit Aktien und Bibelversen.

Putin ruft an, der Saudi-Kronprinz ruft an, alle rufen an, als wäre das hier ein Familienfest. Aber es ist kein Fest. Es ist ein Massaker, das langsam, aber sicher, zu einem Krieg wird, den niemand mehr aufhalten kann. Die Römer haben ihr Reich mit Blut gebaut. Die Amerikaner bauen ihr Reich mit Öl und Lügen. Und die Iraner? Die Iraner brennen.

Die Straßen von Teheran sind heute leer. Die Menschen stehen vor den Schaufenstern, als warteten sie auf etwas. Vielleicht auf den nächsten Bombenalarm. Vielleicht auf den nächsten Prediger aus Washington. Vielleicht auf den nächsten Piloten, der „Gott ist gut“ ruft, bevor er gerettet wird.

Die Steinzeit kommt nicht. Sie ist schon da. Nur dass sie nicht aus Stein besteht, sondern aus Stahl und Feuer. Und aus der Gewissheit, dass irgendwo ein Mann sitzt, der denkt, er könnte die Welt mit einem Knopfdruck regieren.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite