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Die dreistündige Gnade — Anganwadis und die Mechanik halber Versprechen

12. Juni 2026 — — — Kastner

Man muss den Männern in ihren klimatisierten Sälen zugutehalten, dass sie die Geste beherrschen. Shekhar Vidyarthi, Additional Chief Secretary des Staates Haryana, saß drei Stunden lang einer Delegation der Anganwadi Workers and Helpers Union gegenüber — drei Stunden, in denen das Wort "Zugeständnis" so oft fiel, dass es am Ende seinen Glanz verlor wie eine Münze, die zu oft durch die Finger geglitten ist. Sechzehn Punkte umfasste die Forderungsliste. Die Regierung "akzeptierte" mehrere davon. Dies ist die offizielle Sprache. Dies ist, was die Erklärung der CITU, Haryana, am Donnerstag, dem elften Juni des Jahres 2026, der staunenden Öffentlichkeit mitteilte.

Es gibt Sätze, die klingen wie Verträge, aber nach Papier schmecken, das im Regen vergilbt ist. Die Regierung habe zugesichert, so heißt es, dass diejenigen, die während des Streiks entlassen worden waren, ihr vorenthaltenes Honorar bis zum dreißigsten Juni erhielten. Man habe verfügt, dass die Anganwadi-Arbeiterinnen weiterhin in den Beförderungslisten geführt würden. Man habe die Strafverfahren zurückgezogen, die in Gurugram, in Charkhi Dadri und anderen Bezirken gegen Aktivistinnen eingeleitet worden waren — eine formelle Mitteilung werde noch folgen, selbstverständlich, stets selbstverständlich. Und was die Abfindung betrifft, jene Zahlung, die ein Urteil des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahre 2022 längst verfügt hatte, so sei der Vorschlag "in Bearbeitung" und werde "wahrscheinlich bald genehmigt". Wahrscheinlich. Bald. In Bearbeitung. Drei Wörter, weicher als Samt, haltbarer als Wasser.

Ich kenne diese Musik. Ich habe Tinte trocknen sehen, die für die Ewigkeit bestimmt war, und ich habe die Männer lächeln sehen, während sie unterschrieben. Ein Handschlag in Panchkula, auf dem Papier des Irrigation Department Headquarters, ist ein Handschlag unter Männern, die wissen, was eine Frist ist und wie man sie höflich verschiebt. Achtundvierzigtausend Anganwadi-Arbeiterinnen und Helferinnen werden sich am zehnten August in Gewahrsam begeben — "Jail Bharo", die altehrwürdige Geste der Selbstauslieferung, an jedem Distriktshauptquartier des Staates. Sie werden dies tun, weil ein Mindestlohn von sechsundzwanzigtausend Rupien noch immer ein Versprechen ist, und weil die Anerkennung als Klasse-III- beziehungsweise Klasse-IV-Bedienstete noch immer eine Forderung ist, die man stellt, während die Verhandlungsführer sich die Hände reichen.

In Bhiwani hatten die Arbeiterinnen vor Shruti Choudhry, der Ministerin für Frauen- und Kinderentwicklung, demonstriert. Es heißt, die Demonstration sei eindrucksvoll gewesen. In Panchkula sei das Gespräch "sehr positiv" verlaufen — so die Gewerkschaft, jene zarte Vokabel, mit der das Hoffende das Erhaltene übertüncht. Vidyarthi habe strenge disziplinarische Maßnahmen gegen nachlässige lokale Beamte angekündigt. Strenge Maßnahmen. Er habe versichert, alle akzeptierten Forderungen würden in der vorgesehenen Frist umgesetzt. Vorgesehene Frist. Man male sich die Szene aus: ein leerstehender Schreibtisch, ein Stempel, der noch nicht gedrückt wurde, ein Aktenzeichen, das von Tisch zu Tisch wandert.

Was bleibt, ist die Architektur des halben Sieges. Eine Frauenbewegung, die so alt ist wie das Wort "Anganwadi" selbst, hat erreicht, dass ein Gerichtsurteil von 2022 nicht länger ignoriert wird — nur "wahrscheinlich bald" nicht länger ignoriert wird. Sie hat erreicht, dass entlassene Streikende ihr Geld wiedersehen werden, am dreißigsten Juni, so das Finanzministerium will. Sie hat erreicht, dass Strafanzeigen fallengelassen werden, die ohnehin nur dazu dienten, die Frauen einzuschüchtern, und dass eine Beförderungsliste weiterhin ihren Namen trägt. Dies sind keine kleinen Dinge. Dies sind Dinge, die zwischen Mörsern und Gebeten erkämpft werden. Aber dies sind auch nicht die Dinge, die eine Frau nach Hause trägt und auf den Küchentisch legt, um zu sagen: Nun ist es vollbracht. Die Klassifizierung fehlt. Der Lohn fehlt. Die Würde, die eine Festanstellung mit sich bringt, fehlt noch immer, und der zehnte Juli, der "Demand Day" gegen die Zentralregierung, wird zeigen, ob Delhi zuhört oder ob Delhi höflich schweigt.

Es gibt Stunden, in denen das Glas halb voll ist. Und es gibt Stunden, in denen das Glas nur halb voll aussieht, weil jemand es im richtigen Winkel zur Lampe hält. Drei Stunden in einem klimatisierten Raum in Panchkula, in denen Männer zusahen, wie Frauen ein Stück von dem nahmen, was ihnen ohnehin gehörte. Drei Stunden, die keine Revolution sind, aber auch keine Niederlage. Ich trage weiße Handschuhe, auch wenn ich dies schreibe. Sie schonen die Hände. Sie schonen die Hände für das, was noch kommt.

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