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Die Frauen hinter der Maschine

12. Juni 2026 — — — M. Silber

Zwei Iranerinnen hatten Papiere. Sie galten. Bis sie nicht mehr galten.

In Washington plant die Regierung von Donald Trump, eine Gruppe von Migranten in die Zentralafrikanische Republik abzuschieben. Unter ihnen die beiden iranischen Frauen, denen in den Vereinigten Staaten einst Schutz zugesprochen worden war. Die Vereinbarung sieht vor, dass Bangui Abgeschobene aus Drittstaaten aufnimmt. Über das Ziel, über die Bedingungen, über die Sprache, die dort gesprochen wird und die nicht die ihre ist, schweigen die Behörden. Es ist das Schweigen einer Maschine, die sortiert.

Die Zentralafrikanische Republik ist ein Binnenstaat, in dem Rebellen und Regierungstruppen sich seit Jahren um Landstriche streiten. Es wartet dort niemand auf die beiden Frauen. Es gibt keine Verwandten, keine Gemeinde, kein Wort, das sie verstehen. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist: Sie müssen gehen.

Vor dem Delaney Hall Detention Center in Newark, New Jersey, stehen am 29. Mai 2026 Agenten von Homeland Security Investigations. Ein Demonstrant gestikuliert. Hinter den Mauern warten Menschen. Manche auf Akten, die nicht weiterwandern. Manche auf Richter, die nicht antworten. Manche auf eine Maschine, deren Ziel sie erst erfahren, wenn das Fahrwerk eingefahren ist.

Eine Sozialarbeiterin, die ich dort traf, will nicht namentlich genannt werden. Sie hat das Recht darauf. „Sie lächeln", sagte sie. „Sie haben gelernt zu lächeln, weil Widerstand die Akte dicker macht."

Zur gleichen Zeit, in Tel Aviv, eine andere Frau, ein anderes Gepäck.

Alice Froussard ist Französin. Journalistin. Jahrelang hat sie aus Israel und aus den besetzten palästinensischen Gebieten berichtet. Sie hat die notwendige Reisegenehmigung. Sie hat ein Pressevisum beantragt für die Arbeit in der Westbank. Am Mittwoch landet sie am Flughafen Ben Gurion, Flug aus Paris. Sie wird befragt, festgehalten, auf den Rückflug gesetzt.

Radio France Internationale, ihr Arbeitgeber, bestätigt die Abweisung. Die Foreign Press Association in Israel bestätigt. Einen Grund nennt niemand. Es braucht keinen Grund. Es braucht nur den verweigerten Stempel, die gehobene Augenbraue, das Nein.

Das Committee to Protect Journalists hat im Jahr 2025 84 Journalistinnen und Journalisten gezählt, die von israelischen Kräften getötet wurden. Die meisten Palästinenser, die meisten in Gaza. Alice Froussard steht nicht in dieser Zahl. Sie steht auf der Passagierliste der Maschine nach Paris. Sie durfte leben. Sie durfte nur nicht bleiben.

Beide Geschichten handeln von Papieren. Von Stempeln, die etwas bedeuten sollen und am Ende nichts bedeuten. Zwei Frauen, die etwas geleistet haben — die eine hat Asyl erhalten, die andere hat berichtet. Am Ende stehen ihre Namen auf Tickets.

Die Trump-Administration hat sich nicht öffentlich geäußert. Das ist die Reihenfolge. Erst die Abschiebung. Dann das Schweigen. Dann, irgendwann, das juristische Memo, in dem das Vorgehen als „im Einklang mit dem Gesetz" beschrieben wird. Es gibt immer ein Gesetz, das das Schlimmste erlaubt. Es gab 1938 eines, das mir den Koffer eingebracht hat. Es gibt 2026 eines, das den beiden Iranerinnen die Maschine einbringt.

Was mich zittern lässt — ich sage es ohne Pathos — ist die Ruhe. Die Professionalität, mit der Menschen aussortiert werden. Die iranischen Frauen werden in ein Land geschickt, das sie nicht kennen. Die französische Journalistin wird in ein Flugzeug gesetzt, das sie an den Ort ihrer Abreise zurückbringt. Beide Fälle werden verwaltet. Beide Fälle werden abgewickelt. Niemand schreit. Niemand muss schreien. Die Maschine brüllt für sie alle.

Unter meinem Schreibtisch steht ein Koffer. Klein. Schwarz. Er war für mich gedacht, damals. Er ist heute für jemand anderen gedacht. Irgendwann ist er für irgendjemanden gedacht. Man weiß nie, wann die Maschine den Namen wechselt.

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