DIESE DINGER SOLLEN DOCH WITCHEN SEIN
Der Iscooter IX7 Pro. Zwei Motoren. Sechzehnhundert Watt. Ein Ding, das sich anschickt, die Straßen in die Hölle zu treiben – und die Gesetze hinterher. Wie kann das sein? Wie kann das sein?
Man sitzt hier in der Redaktion, die Schreibmaschine klackert wie ein verrückter Metronom, und irgendwo draußen heult ein Motorrad vorbei, als wolle es uns warnen: Ihr seid nicht die Ersten, die das nicht durchschaut haben. Die Römer hatten ihre Wagen, die Deutschen ihre Panzer, die Amerikaner ihre Bagger – und jetzt? Jetzt haben wir das. Ein Elektro-Ungeheuer, das mit der Kraft eines kleinen Traktors durch die Fußgängerzonen surrt, während die Beamten sich die Augen reiben und fragen: Wo steht das eigentlich geschrieben?
Die Heise-Seite, diese trockene Enzyklopädie für Technikfans und Verzweifelte, hat es aufgeschlüsselt: Der Iscooter IX7 Pro ist kein Spielzeug. Er ist ein mobilisierter Widerspruch. Die Zulassung? Fehlanzeige. Die Normen? Ein Scherzwettbewerb. Die Polizei? Offenbar noch im Standbild von 1930 festgefahren, als es um Dampfmaschinen ging und nicht um diese elektrischen Dämonen, die mit 20 km/h durch die Gassen rasen wie die Geister der letzten Weltausstellung.
Man könnte einwenden: Aber es gibt doch Regeln! Ja, natürlich. Es gibt Regeln für alles – für die Höhe der Laternen, für die Farbe der Ampeln, für die Länge der Socken. Aber wer hat diese Regeln für das Ding geschrieben? Wer hat sich gefragt, ob ein Gerät mit der Leistung eines Staubsaugers mit Heizung eigentlich auf die Straße gehört? Die Antwort liegt auf der Hand: Niemand. Oder nur jemand, der schon längst in einem anderen Leben war, als die ersten Prototypen aus China kamen und die deutschen Bürokraten noch damit beschäftigt waren, die letzte Schraube an der Reichsautobahn festzumachen.
Die Motoren. Zwei. Nicht eins. Nicht drei. Zwei. Als ob jemand gesagt hätte: Lasst uns mal sehen, wie schnell wir die Gesetze um die Ecke bringen können. Und dann diese Leistung: 1600 Watt. Das ist nicht mehr Fahrrad. Das ist nicht mehr Fortschritt. Das ist ein Aufruf zum Chaos. Stell dir vor, du stehst an der Ampel, ein alter Herr mit Gehstock, eine Mutter mit Kinderwagen, ein betrunkener Student – und dann zack, dieser Dinger schießt vorbei wie ein verrückter Taifun. Wer haftet? Wer bremst? Wer versteht das überhaupt noch?
Die Heise-Tester, diese kühlen Techniker mit ihren Diagrammen und Tabellen, haben es nicht anders formuliert: Das Ding ist illegal. Punkt. Aber illegal wann? Illegal wo? Illegal für wen? Die Antwort ist: Überall. Immer. Für alle. Weil die Zulassung ein Witz ist, die Kontrolle ein Schattendasein, und die Gesetze ein bürokratisches Labyrinth, in dem selbst die Beamten sich verlaufen.
Man könnte jetzt sagen: Aber es gibt doch Versicherungen! Ja, natürlich. Versicherungen für alles. Für die Hunde, die Katzen, die Autos, die Häuser – und jetzt auch für diese fliegenden Teller, die sich Scooter nennen. Als ob das irgendetwas ändert. Als ob eine Versicherung einen Toten wieder zum Leben erwecken könnte. Als ob sie die Narben an den Beinen der Leute, die von diesem Ding überfahren werden, wegwischen könnte.
Die Frage ist nicht, ob dieser Iscooter legal sein kann. Die Frage ist: Warum steht er noch auf der Straße? Warum wird er verkauft? Warum wird er gefahren? Warum schaut niemand hin? Weil wir alle wissen, dass die Welt schon lange nicht mehr von vernünftigen Leuten regiert wird. Weil wir alle wissen, dass die Gesetze nur noch ein Rahmen sind, den man mit genug Geld und noch mehr Dummheit ausdehnen kann.
Also: Ja, dieser Iscooter ist illegal. Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir alle längst wissen, dass die Welt kein Ort für vernünftige Regeln mehr ist. Dass wir alle längst wissen, dass wir uns alle nur noch die Augen reiben und weiterfahren – egal, wohin.
Und wenn der nächste Unfall passiert? Wenn der nächste Mensch unter diesem Ding liegt? Dann werden wir alle da sitzen und uns fragen: Wer hat das eigentlich erlaubt? – und die Antwort wird lauten: Wir alle. Weil wir es einfach nicht mehr sehen. Weil wir es einfach nicht mehr hören. Weil wir es einfach nicht mehr wollen.