DREI MILLIARDEN IN DIE LUFT – ODER WER ZÄHLT DIE STROMFLÜSSE?
Die Zahlen sind da. Katherina Reiches Rede vom „verlorenen Strom“ – drei Milliarden Euro, einfach so. Als ob jemand den Hahn aufgedreht hätte und nie wieder zugedreht hat. Aber in der Energiebranche riecht es nicht nach Unachtsamkeit, wenn so viel Geld in der Luft hängt. Es riecht nach Entscheidungen. Und Entscheidungen haben immer einen Namen. Und ein Portemonnaie.
Zuerst die Basics: Drei Milliarden Euro. Das ist kein Tippfehler. Das ist kein Buchhaltungsfehler. Das ist die Rechnung für Strom, der nicht im Netz ankommt – oder der zu teuer ist, um ihn zu transportieren. Die Frage ist nicht, ob es passiert. Die Frage ist: Wer profitiert davon?
Reiches Aussage basiert auf Daten. Aber Daten sind wie Öl: Sie können sauber sein oder sie können mit Wasser gestreckt. Die Bundesnetzagentur sagt, es gebe „technische Verluste“. Die Industrie sagt, es sei „Marktdynamik“. Und die Politik? Die sagt meistens: „Wir tun, was wir können.“ Aber was können sie wirklich, wenn die Zahlen so nicht passen?
Stellen Sie sich vor, Sie betreiben eine Pipeline. Sie pumpen Öl durch die Röhre, aber ein Drittel davon sickert aus – absichtlich. Weil es günstiger ist, es zu verbrennen, als es zu transportieren. Weil die Pumpen laufen müssen, egal ob das Öl ankommt oder nicht. Weil jemand oben in einem Büro sagt: „Hauptsache, die Quoten sind erfüllt.“ Das ist kein Szenario aus einem schlechten Film. Das ist Realität. Und Stromverluste? Das ist die Pipeline-Version.
Die drei Milliarden – wo bleibt die? Bei den Netzbetreibern. Bei den Großhändlern. Bei den Politikern, die sagen, sie würden „Effizienz“ fordern, aber deren Lobbyisten gleichzeitig dafür sorgen, dass keine neuen Leitungen gebaut werden. Weil neue Leitungen teuer sind. Und teure Dinge? Die werden verhandelt. Nicht von Ingenieuren. Von Leuten mit Anzug und Akzenten, die wissen, wie man „Verluste“ in „Investitionen“ umbucht.
Und dann ist da noch die Preisblase. Der Strom an der Börse kostet heute mehr als je zuvor. Warum? Weil die Nachfrage künstlich hochgehalten wird. Weil jemand sagt: „Wenn der Preis steigt, dann steigt auch der Profit.“ Und wer profitiert? Nicht der Verbraucher. Nicht der Kleinstunternehmer, der seine Werkstatt nicht heizen kann. Sondern die, die schon immer gewonnen haben: die Konzerne. Die, die sagen, sie würden „Energie sichern“, aber in Wahrheit nur ihre eigenen Taschen füllen.
Reiches Zahlen sind kein Beweis für Verschwendung. Sie sind ein Beweis für System. Ein System, in dem drei Milliarden Euro nicht verloren gehen – sie werden umgeleitet. Wie Wasser in einer undichten Pipeline. Nur dass hier kein Öl ausläuft. Sondern Geld. Und das Geld landet nicht bei den Leuten, die es brauchen. Es landet bei denen, die es schon haben.
Die Frage ist nicht, ob die drei Milliarden „verloren“ sind. Die Frage ist: Wer hat sie gestohlen? Und warum sagt niemand laut: „Halt. Hier. Stop.“