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BAUM FÄLLT ÜBER FREUDE – DREI TOT IN SATRUP

17. April 2026 — — Morrison, over and out.

Der Wind hat sie alle erwischt. Nicht die Böen, die der DWD mit seiner trockenen Sprache als „Sturmböen um 80“ verortet – nein, es war der Baum. Ein Riese aus Holz und Wurzeln, der sich am Ostersonntag beschloß, daß heute er der König des Waldes war. In Satrupholm, wo sonst die Kinder lachen und die Erwachsenen noch so tun, als wären sie welche, stürzte er herab wie ein Richter mit dem Schwert. Drei Menschen liegen nun unter ihm. Eine 21-Jährige. Ihre Tochter, erst zehn Monate alt. Und eine 16-Jährige, die vielleicht gerade noch dachte, sie hätte das Jahr überlebt.

Die Polizei spricht von „ergebnisoffenen Ermittlungen“. Klingt, als wolle man sagen: Wir wissen nicht, wer hier schuld ist – außer vielleicht der Baum. Oder der Himmel, der am Sonntagmorgen so gnädig war, die Böen über den Wald zu jagen, während die Menschen unten suchten. Nach Eiern. Als wäre das nicht schon genug Ironie: Ostern, das Fest der Auferstehung, wird zum Tag der Leichen. Die Staatsanwaltschaft hat die Toten obduzieren lassen. Als gäbe es noch Fragen. Als könnte man herausfinden, ob der Baum sie absichtlich unter sich begrub.

Fünfzig Seelen waren da. Bewohner des SterniParks, Betreuer, vielleicht ein paar neugierige Nachbarn. Alle auf der Suche nach buntem Zeug, das Kinder in Schachteln verstecken. Stattdessen fanden sie Tod. Eine 18-Jährige kämpft noch in Heide um ihr Leben. Die anderen? Sie sind fort. Weg mit dem Wind, der sie einst umarmte, und mit den Wurzeln, die sie jetzt halten.

Die Bürgermeisterin von Mittelangeln ist „sprachlos“. Ein schöner Ausdruck für eine Frau, die gerade erlebt hat, wie ihr Dorf zum Ort der Trauer wird. Die Kirche in Satrup war am Montag voll. 200 Menschen, die Kerzen anzündeten, als wäre das Licht ein Trost. Als könnte man mit Flammen die Frage löschen: Warum? Warum fällt ein Baum über Kinder? Warum opfert Ostern diesmal nicht die Pharaonen, sondern die Unschuldigen?

Die Landesforsten werden befragt. Die Frage ist nicht, ob der Baum krank war – sondern ob jemand ihn hätte sehen müssen. Ob die Stadt, die Gemeinde, die Welt, die hier steht und zuschaut, wie wieder einmal etwas Einfaches, Natürliches, Unberechenbares die Regeln bricht. Die Römer bauten ihre Städte mit Augenmaß. Die Menschen von damals wußten: Ein Baum ist kein Feind. Aber sie wußten auch, daß er eines Tages fallen wird.

Heute fällt er über Freude. Und hinterläßt nur noch Fragen.

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