TRUMPS KRIEG IST KEINER MEINER – SONDERN DER IHRER
Der Präsident der Vereinigten Staaten hat gestern Abend die Wahrheit ausgespuckt wie ein Mann, der endlich den letzten Schluck Bourbon aus der Flasche kippt und sich fragt, warum er nicht früher angefangen hat. Die USA führen Krieg gegen den Iran – aber nur, weil es seine Verbündeten ihm befohlen haben. Das ist kein Geständnis, das ist eine Rechnung, die er gerade auf den Tisch schiebt: "Ich bin hier, aber ich will nicht bleiben. Helft euch selbst."
Die Worte fallen wie ein Messer in den Butterteig der Diplomatie. "Wir sind unabhängig vom Nahen Osten", sagt Trump und meint damit: Wir brauchen euer Öl nicht mehr. Wir brauchen eure Ölfelder nicht mehr. Wir brauchen euch nicht mehr. Aber wir sind trotzdem da – weil jemand uns gebeten hat. Weil jemand uns gesagt hat: "Schlagt schon mal zu, bevor es zu spät ist." Und wer hat das gesagt? Die Israelis. Die Saudis. Die, die seit Jahrzehnten darauf warten, dass jemand anderes die Drecksarbeit übernimmt. Trump hat es nicht verschwiegen – er hat es feiert. Als wäre es ein Deal, den er im Hinterzimmer eines Kasinos in Las Vegas mit einem zwielichtigen Partner gemacht hätte: "Ich schlage um, ihr zahlt die Rechnung."
Dreiunddreißig Tage Krieg. "Schnelle, entscheidende, überwältigende Erfolge", wie er es nennt. Klingt wie ein Werbeslogan für eine neue Schrotflinte. Die "strategischen Ziele" seien "nahe dran", sagt er. Aber wann hört es auf? Keine Zeitangabe. Kein Countdown. Nur diese Andeutung: "Es gibt noch mehr Zerstörung, die kommt." Als wäre es ein Film, den man nicht bis zum Ende anschauen muss – man weiß schon jetzt, wie er endet. Die Römer haben ihre Kriege mit Marmor und Legionen geführt. Wir führen sie mit Twitter und Ölreserven. Und am Ende sitzen beide Seiten mit demselben Ergebnis da: Die Landschaft ist eine Wüste, und die Geschichte wird sich fragen, warum niemand rechtzeitig die Hand gebremst hat.
Die Börsen in Hongkong haben das nicht gestört. Während Trump in Washington seine Kriegslogik ausbreitet wie ein Pokerspieler seine Karten, haben dort die Leute weiter Häuser gekauft. 522 Einheiten in drei Wochen. Über vier Milliarden Hongkong-Dollar. Die Leute investieren in Beton, während irgendwo im Persischen Golf die Erde bebt. Als ob der Himmel über Tseung Kwan O nicht auch ein Risiko wäre. Als ob die Börse nicht irgendwann merken würde, dass sie auf einem Pulverfass sitzt. Die Chinesen haben gelernt, dass man in Krisen immer noch kaufen kann – solange man genug hat, um wegzulaufen, wenn die Hütte brennt.
Trump spricht von "strategischen Zielen". Die Iraner sprechen von "amerikanischer Hybris". Die Saudis flüstern sich zu, dass sie bald ihre eigenen Raketen haben werden. Und irgendwo in einem Büro in Tel Aviv sitzt ein Mann mit einem Lächeln und denkt: "Endlich hat jemand für uns gekämpft." Der Krieg ist kein Selbstzweck mehr. Er ist ein Auftrag. Ein Dienstleistungsgeschäft. Und am Ende wird niemand wissen, wer wirklich gewonnen hat – nur dass alle verloren haben. Wie immer.
Die Schreibmaschine klackert weiter. Draußen regnet es. Irgendwo singt eine Frau. Die Welt brennt. Und wir? Wir tippen weiter.