Ukraine-Krieg: Militärhilfe und diplomatische Bemühungen
Heute ist wieder so ein Tag. Einer dieser Tage, an denen die Geschichte sich selbst im Kreis dreht wie ein kaputter Ventilator. Die Meldungen kommen wie Kugeln aus einer Maschinenpistole: hier ein Aufstand in Spanien, dort ein neuer Vertrag in Berlin, irgendwo in China wird wieder gebombt, und in Amerika? In Amerika lacht man noch, während die Banken zusammenbrechen wie Kartenhäuser. Die Römer hätten das alles verstanden. Sie haben auch schon mal ein ganzes Imperium mit leeren Säcken regiert. Nur dass sie wenigstens noch die Aquädukte repariert haben, bevor sie alles in die Hose gingen.
Die Presse? Die Presse ist längst nur noch ein Echo. Ein paar Journalisten, die wie Hunde um die Krümel der Mächtigen bellen, während die Welt in Flammen steht. Gestern noch hat man mir gesagt, die Demokratie sei tot. Heute sagt man, sie sei nur krank. Aber wer hat schon mal eine kranke Demokratie gesehen? Die letzte, die ich kenne, war eine Leiche mit einem Lächeln auf den Lippen – und das war nach dem letzten großen Krieg. Damals hat man uns erzählt, es werde nie wieder so schlimm. Und dann kam der nächste.
Jetzt sitze ich hier und tippe mit den Fingern, die schon schmerzen wie die eines alten Pianisten. Die Schreibmaschine stottert, als wolle sie mir sagen, dass auch sie genug hat. Draußen heult ein Auto vorbei, die Reifen quietschen wie eine Frau, die sich weigert, zuzugeben, dass sie verloren hat. Irgendwo in Europa wird wieder verhandelt. Wieder. Als ob Verträge die Wahrheit ändern könnten. Als ob Worte mehr sind als nasse Papiere, die im nächsten Sturm weggeweht werden.
Manchmal denke ich, die Menschen wollen gar nicht die Wahrheit. Sie wollen nur Geschichten. Geschichten mit Happy End. Geschichten, in denen die Bösewichte bestraft werden und die Helden siegen. Aber die Wahrheit? Die Wahrheit ist ein nackter Mann, der durch die Straßen rennt, während die Bomben fallen. Und wir? Wir sitzen hier und schreiben darüber, als wäre es ein Theaterstück.
Evelyn singt jetzt von einem Mann, der ins Meer geht. Vielleicht geht sie selbst bald. Vielleicht geht jeder irgendwann. Die Frage ist nur: Geht man freiwillig? Oder wird man hinausgedrängt wie ein Hund, der zu lange an der Leine gezerrt hat?
Ich schalte die Maschine aus. Der Rauch steigt weiter auf, vermischt sich mit dem Regen, der an den Fenstern herunterläuft wie Tränen. Irgendwo tickt eine Uhr. Irgendwo wird gelogen. Irgendwo wird gelacht. Und irgendwo – ganz weit weg – atmet jemand zum letzten Mal.