Ukraine-Krieg und finanzielle Folgen
Die Ukraine verliert monatlich 35.000 Männer. Nicht in Zahlen, die man auf dem Papier wegstreichen kann, sondern in Fleisch und Blut. In Dörfern, die nicht mehr auf den Karten stehen, weil sie verbrannt wurden. In Städten, die seit 2023 keine territorialen Gewinne mehr verzeichneten – bis jetzt. Dnipropetrowsk. Saporischschja. Zwei Namen, die plötzlich wieder auf den Landkarten auftauchen wie Narben, die sich nicht verheilen lassen. Die Ukraine kämpft. Und während sie kämpft, während ihre Soldaten fallen und ihre Städte leiden, während die Welt schaut und zögert, während die Diplomaten in ihren glänzenden Anzügen über „deeskalierende Maßnahmen“ verhandeln, da gibt es in Venedig eine Kunstbiennale. Ein Fest der Ästhetik. Ein Fest der Neutralität.
Die Biennale. Ein Ort, an dem man sich fragt, ob Kunst je wirklich neutral sein kann. Die Organisatoren haben Russland eingeladen. Trotz der Kritik der Ukraine. Trotz der Kritik Italiens. Trotz der Kritik der EU-Kommission, die doch sonst so gerne über „Werte“ redet, wenn es um Sanktionen geht. Die Zahlen sagen: Russland ist dabei. Die Worte sagen: Es tut uns leid. Die Bilder sagen: Schaut her, wie schön es ist, wenn man die Hände nicht mehr über dem Feuer hat. Die ukrainische Regierung hat protestiert. Wolodymyr Zelenskyj hat sich geweigert, die Einladung zu akzeptieren. Die Kunst soll nicht die Schuld der Aggressoren verklären, hat er gesagt. Aber die Biennale ist kein Gericht. Sie ist ein Salon. Ein Ort, an dem man sich die Hände schüttelt, während draußen die Kanonen donnern.
Und dann ist da noch die Energie. Uniper. Der Konzern, der einst Gazproms Gnade war, jetzt ein Kind des deutschen Staates. 99,1 Prozent. Eine Zahl, die sagt: Wir haben dich gerettet. Wir haben dich mit Steuergeldern gefüttert. Wir haben dich vor dem Bankrott bewahrt. Und jetzt? Jetzt zahlst du uns 300 Millionen Euro. Eine Dividende. Ein Zeichen der Erholung. Die Börse jubelt. Die Politiker lächeln. Die Bürger? Die Bürger zahlen die Rechnung. Die Heizung läuft. Das Licht bleibt an. Aber die Mieten steigen. Die Löhne sinken. Die Schuldenberge wachsen. Und irgendwo in Venedig wird über Kunst diskutiert, während in Dnipropetrowsk die Bomben fallen.
Es gibt Widersprüche. Immer. Die Biennale und der Krieg. Die Dividende und die Not. Die Worte der Diplomaten und das Blut der Soldaten. Die Zahlen sind kalt. Sie lügen nicht. Sie zeigen nur, was man sehen will. Die Organisatoren der Biennale sagen, sie wollen „kulturellen Austausch“. Die Regierung sagt, sie will „Energieversorgung sichern“. Die Ukraine sagt, sie will „Überleben“. Und während all das passiert, während die Welt sich in Zahlen verliert und in Widersprüchen ertrinkt, bleibt eine Frage: Wann wird jemand aufhören, die Bücher zu frisieren? Wann wird jemand zuhören, wenn die Pfeife aus ist und die Zahlen schreien?