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Verfahren wegen Maskenkäufen gegen Spahn eingestellt

24. März 2026 — — Morrison, over and out.

Manchmal frage ich mich, ob die Menschen überhaupt noch merken, dass sie in einer Epoche leben, die sich wie ein schlechter Roman anfühlt – mit all den falschen Helden, den halbgaren Versprechungen und den Leichen, die irgendwo in den Gassen verrotten. Die Römer hatten ihre Kriege, ihre Kolosse und ihre Gladiatoren. Wir haben unsere Flugzeuge, unsere Propagandafahnen und diese verdammten „Führer“, die wie Theaterdirektoren über die Massen herfallen. Nur dass die Römer wenigstens ihre Arena hatten. Wir? Wir haben nur noch die Börse, die kracht wie ein kaputter Gong, und die Straßen, auf denen die Obdachlosen nach Brot betteln, während irgendwo oben die Mächtigen sich die Hände an den Taschen abwischen.

Gestern war wieder einer dieser Tage, an denen die Welt sich anfühlt wie ein schlechter Witz. Ein Mann namens Hitler – ja, dieser Name klingt, als hätte ihn ein betrunkener Dichter aus einer Bar geklaut – hat wieder mal eine Rede gehalten. Nicht etwa, um zu erklären, warum er die Welt in Brand stecken will, nein. Sondern um zu erklären, warum er es nicht tun wird. Als ob das jemanden beruhigen könnte. Die Leute jubeln. Die Kinder halten kleine Fahnen hoch. Die Frauen weinen. Und ich? Ich sitze hier und denke daran, wie die Menschen im Jahr Null nach der großen Pest auch noch gefeiert haben, während die Ratten in den Ruinen herumkrochen. Fortschritt. Wir lieben diesen Begriff. Als ob er nicht nur ein Wort wäre, das uns einlullt, damit wir nicht sehen, dass wir alle nur noch Zuschauer in einem schlechten Film sind.

Die Börse? Ein einziger Haufen Pappe. Gestern ist sie wieder um ein paar Prozent eingebrochen, als hätte jemand die Luft aus einem Luftballon gelassen. Die Banken? Sie pumpen Geld wie verrückt, als könnten sie die Realität mit Zahlen überdecken. Die Leute kaufen Aktien, als wären es Lose im Lotto. Die Leute kaufen Häuser, als wären sie aus Gold. Die Leute kaufen Hoffnung, als wäre das ein greifbares Ding. Und wenn die Blase platzt – und sie wird platzen – dann werden wir alle da stehen wie die Kaninchen in der Falle, während die Jäger lachen und sich die Hände reiben.

Manche sagen, das sei wie 1929. Andere sagen, das sei wie der große Krieg. Aber es ist beides und nichts davon. Es ist wie ein schlechter Traum, aus dem man nicht aufwachen kann. Die Menschen reden von „Wiederaufbau“, von „Stabilität“, von „der Rückkehr zur Normalität“. Aber was ist normal? Normal war, als die Fabriken rauchten und die Kinder in den Kohlegruben starben. Normal war, als die Männer nach dem Krieg nach Hause kamen und ihre Frauen ihnen die Augen auskratzten, weil sie nicht mehr dieselben waren. Normal ist ein Wort, das die Mächtigen benutzen, um uns zu beruhigen.

Draußen regnet es immer noch. Die Straßen sind nass, die Laternen flackern wie betrunkene Diener. Irgendwo in der Ferne heult ein Sirenen. Nicht die der Polizei. Nicht die der Feuerwehr. Sondern diese anderen, die schon seit Wochen heulen – die Sirenen der Fabriken, die ihre Arbeiter wie Vieh in den Tod treiben. Die Arbeiter gehen hin. Sie gehen jeden Tag hin. Weil sie keine Wahl haben. Weil sie Hunger haben. Weil sie glauben, dass Arbeit besser ist als nichts. Als ob Arbeit jemals besser als nichts wäre.

Ich habe gestern mit einem alten Mann gesprochen, der im letzten Krieg gekämpft hat. Er sagte, es sei wie heute. Nur dass damals die Kanonen noch lauter waren. Und die Leichen stanken stärker. Er fragte mich, ob ich glaube, dass wir aus der Geschichte lernen. Ich sagte ihm, ich glaube, wir lernen nur, wie man die gleichen Fehler schneller macht.

Die Sekretärin klopft an meine Tür. Sie hat einen Zettel in der Hand. „Morrison, der Chef will, dass wir heute etwas Positives schreiben.“ Positives. Als ob es in dieser Stadt noch etwas Positives gäbe. Als ob es nicht schon genug Negatives gäbe, um eine Bibliothek zu füllen. Ich werfe den Zettel in den Papierkorb. „Schreiben Sie, dass die Sonne scheint“, sage ich ihr. „Schreiben Sie, dass die Kinder lachen. Schreiben Sie, dass die Welt ein Ort der Freude ist.“ Sie geht. Ich höre ihr Lachen, das sich mit dem Regen vermischt.

Draußen, irgendwo in der Stadt, brennt ein Haus. Die Feuerwehr kommt zu spät. Die Leute stehen herum und schauen zu. Ein Kind weint. Ein Mann sagt: „Das ist nur ein Haus.“ Als ob Häuser nicht auch Menschen wären. Als ob Häuser nicht auch Träume wären, die in Flammen aufgehen.

Ich greife nach der Flasche Bourbon. Sie ist kalt. Ich trinke einen Schluck. Der Alkohol brennt wie die Welt. Irgendwo singt Evelyn immer noch. Vielleicht singt sie von uns. Vielleicht singt sie von dem Tag, an dem alles in Stücke geht.

Und dann? Dann bleibt nur noch der Regen. Und die Schreibmaschine. Und die Gewissheit, dass wir alle nur Zuschauer sind – bis wir selbst auf die Bühne gerufen werden.

✦ Ende des Artikels ✦
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