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Waffenhandel und geopolitische Spannungen: Ein ungelöstes Puzzle

22. März 2026 — — — Prof. Kessler

Man beginnt mit den Drohnen. Russland behauptet, die Ukraine schicke Dutzende von ihnen über den Himmel, um Brücken zu sprengen und Flughäfen lahmzulegen. Die Ukraine wiederum berichtet von hohen Verlusten im Donbass, wo russische Panzer und Artillerie die Dörfer in Schutt und Asche legen. Beide Seiten haben Gründe zu lügen – oder zumindest Gründe, ihre Zahlen so zu präsentieren, dass sie passen. Aber wer misst eigentlich, wie viele Drohnen wirklich abgestürzt sind? Und wer zählt die, die nie abgestürzt sind, weil sie einfach verschwunden sind? Die Antwort liegt nicht in den offiziellen Berichten, sondern in den Schattenseiten der Logistik: Irgendwo zwischen Polen und der Schwarzmeerregion tauchen ukrainische Waffen auf – nicht in den Händen der Armee, sondern in denen von Kriminellen, die sie weiterverkaufen, als wären sie gebrauchte Autos auf einem Flohmarkt. Die finnische Polizei, so heißt es, hat keine Beweise für Waffenschmuggel in ihrem Land. Aber Beweise sind schwer zu finden, wenn man nicht weiß, wo man suchen muss. Und wenn man schon gar nicht weiß, wer die Käufer sind.

Dann ist da noch die Huthi-Miliz in Jemen. Die Iraner haben ihnen jahrelang Waffen geliefert, aber jetzt, wo China langsam seine Fäden zieht, tut sich etwas Neues auf. Die Miliz ist nicht mehr nur ein Marionettenstaat Teherans – sie hat eigene Verhandlungsmacht, eigene Interessen. Aber warum schickt sie keine Truppen in den Krieg? Warum bleibt sie zurück, während andere bluten? Vielleicht, weil sie weiß, dass jeder Einsatz sie tiefer in die Schuld des Iranes oder Chinas zieht. Oder vielleicht, weil sie einfach zu klug ist, um sich in ein Spiel zu verwickeln, das sie nicht gewinnen kann. Die Frage ist: Wie unabhängig ist sie wirklich? Die Antwort liegt nicht in den offiziellen Statements, sondern in den Lieferungen, die nie kommen, und den Deals, die im Verborgenen geschlossen werden.

Die Schweiz, dieses Land der Banken und der Neutralität, stoppt plötzlich Waffenexporte in die USA. Warum? Weil Washington droht. Weil die Neutralität ein teures Privileg ist, das man nicht einfach so ausspielen kann. Aber während die Schweiz mit den Amerikanern verhandelt, verkauft sie weiter an andere – an Länder, die niemand auf dem Schirm hat, an Firmen, die niemand kontrolliert. Die EU fordert die Türkei auf, in Syrien die Hände zu lassen. Die Türkei tut, was sie immer tut: sie handelt. Sie verkauft Waffen, sie mietet Söldner, sie nutzt jede Schwäche, die sie findet. Und während die EU über Embargos diskutiert, wird in Berlin und Paris über die Zukunft der Rüstungsindustrie gestritten. Sind sie notwendig? Für wen? Für die Demokratien? Oder für die, die sie verkaufen?

Die Straße von Hormus – ein Nadelöhr, durch das ein Drittel des weltweiten Ölhandels fließt. Wenn sie gesperrt wird, steigen die Preise. Die Frage ist nicht, ob es passieren wird, sondern wann. Und wer profitiert davon? Nicht die Ölstaaten, nicht die Tankstellenbesitzer, sondern die, die schon immer von Krisen gelebt haben. Die Waffenhändler. Die Spekulanten. Die Politiker, die behaupten, sie könnten etwas tun, während sie in Wahrheit nur zusehen.

Und dann sind da noch die Falschinformationen. Jeder hat welche. Jeder verbreitet welche. Die Ukraine behauptet, ihre Waffen seien in Europa aufgetaucht. Die Russen behaupten, die USA würden die Huthis unterstützen. Die USA behaupten, die Schweiz sei ein Problem. Die Schweiz behauptet, sie sei neutral. Die Türkei behauptet, sie handle im Interesse der Stabilität. Und irgendwo in all dem Lärm verliert sich die Wahrheit – oder wird sie einfach zu einem weiteren Handelsgut, das man kaufen und verkaufen kann.

Die Frage, die sich stellt, ist nicht, wer recht hat. Die Frage ist: Wer hat schon immer recht gehabt? Und wer hat schon immer verloren? Die Antwort liegt nicht in den Akten, nicht in den Berichten, nicht in den Zahlen. Sie liegt in den Schatten. In den Deals, die im Dunkeln geschlossen werden. In den Lügen, die man glaubt, weil man keine bessere hat.

Also rauche ich weiter meine Pfeife und warte ab. Irgendwann wird jemand fragen, warum wir das alles tun. Die Antwort ist einfach: Weil es funktioniert. Weil es immer funktioniert hat. Weil die Welt aus nichts anderem besteht als aus Menschen, die versuchen, etwas zu bekommen, das sie nicht haben dürfen. Und weil niemand je wirklich aufhört zu lügen – nicht einmal die, die behaupten, sie würden die Wahrheit sagen.

Wer bezahlt eigentlich für die Wahrheit?

✦ Ende des Artikels ✦
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