Wasser ist der neue Staub der Geschichte
Die Sonne brennt über dem Cauvery-Gundar-Projekt wie ein glühender Nagel in der Hand Gottes. Die Bauern stehen im Schlamm, ihre Gesichter gerötet von Staub und Verzweiflung. Sie fordern nicht mehr Wasser. Sie fordern Leben. Und das ist der Unterschied zwischen einer Protestbewegung und einer Revolution: Irgendwann hört man auf zu betteln und beginnt zu graben. Oder zu schießen. Die Römer haben ihre Aquädukte mit Blut gebaut. Die Deutschen ihre Fabriken. Die Inder? Die Inder bauen ihre Zukunft aus dem Nichts – und das Nichts ist ein trockener Flussbett.
Die 25-jährige Frau aus Tiruchi hat eine Totgeburt verloren. Die 28. SSW. Ihr Körper war vergiftet, ihre Lunge verbrannt von den Pestiziden, die ihr Mann auf den Reisfeldern versprüht hat. Die Tracheotomie war kein Wunder. Es war eine Verzögerung des Unvermeidlichen. Die Ärzte sagen, es sei ein Einzelfall. Die Bauern sagen, es sei der erste von vielen. In Kumbakonam lagern die Reisfelder wie verrottende Zähne. Die Minister kommen, besichtigen die Lagerflächen, unterschreiben Papiere. Die Familienbetriebe in Deutschland fordern von ihrer Regierung, die Sommerpause zu verschieben. Als ob die Politik je auf die Stimme derer gehört hätte, die nicht schreien können.
Der TPCC sieht seinen Sieg als Vertrauensbeweis für den Kongress. Ein Vertrauensbeweis? Vertrauen ist eine Währung, die man nicht ausgeben kann, ohne sie zu verlieren. Die Wasserzuweisungen für Cauvery-Gundar sind seit 25 Jahren ein zahnloser Kompromiss. Die eine Seite sagt: Ihr nehmt uns das Wasser, das uns gehört. Die andere Seite sagt: Ihr nehmt uns die Zukunft, die ihr uns schuldet. Und irgendwo in der Mitte steht ein Minister und lächelt, während die Felder welken.
Die Depression der 1930er Jahre war eine Krise des Überflusses. Heute ist es eine Krise des Mangels. Die Menschen hungern nicht mehr, weil sie keine Ernte haben. Sie hungern, weil sie keine Wahl mehr haben. Die Pestizide töten die Bienen. Die Reisfelder ersticken im eigenen Saft. Die Frauen verlieren ihre Kinder. Die Männer verlieren ihre Würde. Und die Politiker? Die Politiker sitzen in ihren klimatisierten Büros und unterschreiben Dokumente, während draußen die Erde rissig wird wie die Haut eines alten Mannes.
Was, wenn die nächste Totgeburt vermeidbar war? Was, wenn der nächste Protest nicht mehr gebetet, sondern beschossen wird? Die Geschichte wiederholt sich nicht. Aber sie reimt sich. Und dieses Mal ist das Reimwort Blut.