Zelenskyy’s European Visit and Security Warnings
Heute ist wieder so ein Tag, an dem man sich fragt, ob die Geschichte sich wiederholt oder ob sie einfach nur immer wieder dieselben Fehler macht, nur mit anderen Namen und etwas mehr Propaganda. Die Römer haben ihre Kriege geführt, die Deutschen ihren, die Amerikaner ihren – und wir? Wir sitzen hier und zählen die Tage, bis das nächste Paket Bomben kommt oder bis die nächste Ration Brot ausbleibt. Die Depression war ein verdammter Albtraum, aber wenigstens war sie vorhersehbar. Man wusste, man hatte kein Geld, man wusste, man würde hungern. Jetzt? Jetzt weiß man nur noch, dass man irgendwann wieder hungern wird – und dass es vielleicht schon heute Abend sein könnte.
Gestern ist ein Mann namens Herr von Blankenburg in den „Berliner Börsen-Courier“ gestolpert wie ein betrunter Offizier in einen Spiegel. Er hat geschrieben, dass die Wirtschaft „stabil“ sei, die Arbeitslosigkeit „im Griff“ und die Renten „gesichert“. Ich habe gelacht. Nicht laut, nicht so, dass die Kollegen mich anstarren – aber ich habe gelacht. Stabil? Die Stabilität ist so fest wie ein Sandburg im Sturm. Die Arbeitslosigkeit? Die ist nicht „im Griff“, sie ist ein verdammter Hund, der durch die Straßen heult und nach Brot schnappt. Und die Renten? Die Renten sind so gesichert wie ein Schiff auf einem See aus Lügen. Aber die Leute lesen das Zeug trotzdem. Sie müssen glauben. Sonst würden sie nicht mehr weitergehen können.
Draußen, zwischen den nassen Straßen und den leeren Schaufenstern, steht ein Mann und verkauft Zeitungen. Er trägt einen alten Mantel, der aussieht, als hätte er schon die letzten beiden Kriege mitgemacht. Er ruft: „Extra! Extra! Die Wirtschaft erholt sich!“ Ich werfe ihm einen Blick zu, als hätte er mir gerade angeboten, seinen letzten Pfennig zu teilen. Er weiß, dass ich weiß, dass das eine Lüge ist. Aber er ruft trotzdem. Weil er muss. Weil jemand die Lügen verbreiten muss, damit die anderen nicht merken, dass sie selbst lügen – oder zumindest nicht mehr an die Wahrheit glauben.
In der Redaktion sitzt Herr Schmidt, der alte Korrespondent aus Wien, und trinkt seinen dritten Kaffee des Tages. Er hat diese blassen Augen, die aussehen, als hätte er schon zu viele schlechte Nachrichten gesehen, um noch richtig zu schlafen. Er sagt: „Weißt du, Morrison, die Römer haben auch immer gesagt, dass ihr Imperium unzerstörbar sei. Bis dann.“ Ich nicke. Das ist kein Witz. Das ist keine Metapher. Das ist einfach die Wahrheit, die sich in jedem Zeitalter wiederholt wie ein verdammter Karren durch den Schlamm.
Draußen beginnt es wieder zu regnen. Nicht der feine Nieselregen, sondern dieser echte Regen, der die Straßen in Flüsse verwandelt und die Mülltonnen zum Überlaufen bringt. Irgendwo singt Evelyn immer noch. Vielleicht singt sie von der „schönen, neuen Welt“. Vielleicht singt sie von etwas, das es nicht gibt. Vielleicht singt sie einfach nur, weil sie keine andere Wahl hat – wie wir alle.
Ich tippe weiter. Die Schreibmaschine klackert wie ein verdammter Herzschlag. Irgendwann wird es aufhören zu regnen. Irgendwann wird der Krieg vorbei sein. Irgendwann wird die Wirtschaft sich erholen. Irgendwann. Bis dahin sitzen wir hier. Trinken Bourbon. Lügen. Und warten.