Zwei Menschen in Bistro in Hessen erschossen - Täter flieht
Manchmal frage ich mich, ob die Geschichte sich wiederholt oder ob sie sich nur immer wieder neu erfindet – mit anderen Namen, anderen Gesichtern, aber derselben verdammten Logik. Die Römer haben ihre Kriege geführt, die Deutschen ihren, die Amerikaner ihren. Und wir? Wir sitzen hier, rauchen, tippen, und warten darauf, dass das nächste Kapitel kommt. Vielleicht ist es das mit den Faschisten, die wieder mal glauben, sie könnten Europa neu erfinden, als wäre es ein billiger Roman von Dannenberg. Vielleicht ist es das mit den Fabriken, die wieder mal die Lungen der Arbeiter füllen, während die Banken in ihren glänzenden Türmen lachen. Vielleicht ist es einfach nur das Leben, das weitergeht, egal wie viele Menschen unter den Rädern der Geschichte zermalmt werden.
Gestern war ein Tag wie jeder andere. Ein Mann hat versucht, seine Frau zu töten, weil sie ihm die Milch nicht rechtzeitig gekocht hat. Ein anderer hat sich erhängt, weil die Rente nicht reicht und die Kinder fragen, warum Papa nicht mehr da ist. Ein Dritter hat sich mit einem Messer in die Hand geschnitten, weil er dachte, er könnte damit die Welt verändern. Die Polizei hat ihn weggebracht, wie sie immer wegbringen – in eine Zelle, wo er wieder mit Leuten sitzt, die genauso verzweifelt sind wie er. Und die Zeitungen? Die Zeitungen drucken es alles ab, als wäre es Unterhaltung. Als wäre das Leben ein schlechter Film aus dem Varieté, den man sich anschaut, während man sich die Finger wund leckt.
Ich erinnere mich an die Depression. Damals haben die Leute noch geglaubt, es gäbe einen Grund für alles. Jetzt glauben sie, es gäbe keinen. Die Börse ist wieder am Kochen, die Fabriken laufen wieder, aber die Menschen? Die Menschen laufen immer noch im Kreis. Sie kaufen sich Autos, die sie nicht brauchen, Häuser, die sie nicht bezahlen können, und lachen dabei, als wäre alles in Ordnung. Als wäre das hier nicht einfach nur die nächste Runde in einem Spiel, das schon die Römer verloren haben.
Draußen heult ein Auto vorbei, die Reifen quietschen auf dem nassen Asphalt. Irgendwo lacht ein Kind. Irgendwo weint eine Frau. Irgendwo, ganz weit weg, wird gerade ein Vertrag unterschrieben, der in ein paar Jahren wieder in Trümmern liegen wird. Die Geschichte ist ein Kreis. Ein verdammter, endloser Kreis.
Ich tippe weiter. Die Schreibmaschine stottert. Der Regen klopft gegen das Fenster. Irgendwo brennt ein Feuer. Irgendwo wird ein Baby geboren. Irgendwo stirbt ein Mann, ohne dass es jemand bemerkt. Und ich? Ich sitze hier. Trinke meinen Bourbon. Warte. Und schreibe.
Weil jemand es irgendwann lesen muss. Weil die Wahrheit, so wie sie ist, immer noch verdammt interessant ist.