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Meeks zum zweiten Mal — und drei sind schon tot

17. Juni 2026 — — Morrison, over and out.

Die Schreibmaschine klackt. Regen rinnt die Scheibe hinunter, in dünnen Fäden, die im Licht der Laterne kurz aufblitzen und dann verschwinden. Evelyn singt unten im Café etwas von einem Mann, der nie wiederkommt. Passt. Der Bourbon steht links neben dem Manuskript, in einem Glas, das schon zweimal leer war.

Jason Meeks, Chargé d'Affaires der US-Botschaft in Neu-Delhi, hat diese Woche zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen im Ministry of External Affairs vorgesprochen. Eine Viertelstunde, vielleicht fünfundvierzig Minuten. Dann wieder raus auf die Straße, zurück in die klimatisierte Limousine, zurück in eine Welt, in der tote Seeleute Pressemitteilungen sind.

Drei indische Seeleute sind tot. Bestätigt. Das steht nicht mehr zur Debatte. Am 8. Juni traf eine US-Rakete — CENTCOM, also das Regionalkommando, das offiziell für den Nahen Osten zuständig ist — den Öltanker Marivex unter der Flagge Palaus, vor der Küste Omans. Vierundzwanzig Inder an Bord. Alle gerettet, sagt man. Schön. Drei Tage später, am 10. Juni, der nächste Schlag. Diesmal die Settebello, wieder unter Palau-Flagge. Drei von vierundzwanzig indischen Seeleuten diesmal nicht mehr gerettet. Am Tag darauf die Jalveer, diesmal unter der Flagge von Guinea-Bissau, zwanzig Inder an Bord. Treffer.

Palau. Guinea-Bissau. Wer denkt sich diese Flaggen aus? Kleine Länder, kleine Verwaltungen, kleine Stempel. Die Schiffe gehören Konzernen, die niemandem mehr gehören wollen. Die Besatzungen kommen aus Kerala, aus Tamil Nadu, aus den Dörfern, wo der Monsun die Reisfelder frisst. Die Reedereien, die sie anheuern, sitzen in Zypern, in Singapur, in den Bilanzbüchern von jemandem, den wir nie beim Namen nennen werden. Und die Raketen kommen aus Washington.

Man nennt das in der Branche "flags of convenience" — Flaggen der Bequemlichkeit. Wer eine kleine Inselrepublik auf seinem Heck stehen hat, entzieht sich der Jurisdiktion großer Staaten. Steuern niedrig, Aufsicht nichtig, Kontrolle theoretisch. Praktisch heißt das: Wenn eine Drohne auf dem Radar einen Tanker sieht, der gerade Öl in eine Richtung schippert, die der Strategieplan in Washington nicht vorgesehen hat, dann fragt niemand nach der Crew. Dann wird gefeuert. Dann sortiert man die Toten später. Auf dem Papier. In Dreierreihen.

Neu-Delhi hat das jetzt offiziell bestätigt: dass es die US Navy war. Bisher hatte man gezögert, hatte herumgeeiert, hatte von "Vorfällen auf See" gesprochen und gehofft, das Wort gehe im diplomatischen Lärm unter. Jetzt nicht mehr. Zum ersten Mal sagt die indische Regierung öffentlich, was alle wussten: Schiffe mit indischen Crews werden beschossen. Die Sätze stehen im Pressedienst, klar und ungeschminkt. "These strikes must stop." Diese Angriffe müssen aufhören. Und der eigene Außenamtssprecher nennt es, man höre und staune, "a direct result of the ongoing conflict in the region". Man verpackt eine Anklage in einen Kausalzusammenhang. So macht man das, wenn man den Partner nicht verlieren will, der einen gerade bombardiert.

Und was passiert? Man bestellt den Stellvertretenden Missionschef ins Außenministerium. Nicht den Botschafter. Den Stellvertreter. Man lässt ihn warten, gibt ihm eine "strong protest" zu Protokoll, schiebt ihn zur Tür raus. Das ist die Sprache der Diplomatie: Wir sind beleidigt, aber nicht so sehr, dass wir den nächsten Flug nach Hause nehmen. Wir sind wütend, aber bitte weiter Geschäfte. Man nennt das "summon" auf Englisch. Klingt dramatisch. Ist es nicht.

Man stelle sich das einmal vor. Ein Land, das 1,4 Milliarden Menschen vertritt, das fünftgrößte Wirtschaftsvolumen der Welt baut, das seine eigene Flugzeugträgerklasse vom Stapel lässt, lässt sich einen stellvertretenden Botschaftsbeamten ins Haus zitieren, weil seine Bürger auf hoher See von einem befreundeten Staat mit Raketen getötet werden. Einmal. Zweimal. Dreimal. Man protestiert. Man protokolliert. Man geht wieder an die Arbeit. "Deeply worrisome", heißt es. Tief besorgniserregend. Das ist die Wortwahl, die ein Land benutzt, wenn der Beifahrer im eigenen Wagen sitzt und auf der Motorhaube tanzt.

Die Mechanik dahinter ist uralt und sie stinkt nach Maschinenöl. Solange der Ölfluss nicht vollständig kollabiert, solange die Lieferketten noch einen Ersatz finden, solange die Börsen in Mumbai und Singapur sich mit ein paar frommen Worten beruhigen lassen, solange ist der Preis, den Washington für drei tote Inder zahlt, überschaubar. Diplomatische Noten kosten nichts. Eine Entschuldigung kostet nichts. Eine Untersuchungskommission, die zwei Jahre tagt und dann einen Bericht vorlegt, den niemand liest, kostet nichts. Die Verhandlungen über das nächste große Rüstungsgeschäft finden nächste Woche statt. Wie immer.

Evelyn singt jetzt lauter. Der Bourbon ist warm. Die Schreibmaschine macht den Lärm der Welt erträglicher, aber nur knapp.

Drei tote Seeleute. Vierundzwanzig Stunden später ein zweiter Protest. Drei Tage später ein dritter. Die Uhr tickt. Die nächsten Tanker laufen aus. Die nächsten Raketen sind in der Regel schon unterwegs.

Was muss eigentlich noch auf dem Wasser treiben, damit jemand aufhört, höflich zu sein?

✦ Ende des Artikels ✦
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