← Zurück zur Titelseite Politik

Die Hüterin des Hasses und ihr Agent im Feindesland

17. Juni 2026 — — — Kastner

Montgomery, Alabama, die Jahre 2014 bis 2021. Die Szenerie wirkt, als habe ein Romancier sie ersonnen, der den Leser am Ende begreifen lässt, dass Opfer und Täter längst ein gemeinsames Konto führen. Die Southern Poverty Law Center, jene Stiftung, die sich seit Jahrzehnten als moralische Großmacht im Kampf gegen weiße Vorherrschaft inszeniert, ist nach einer Anklageschrift des US-Justizministeriums vom 2. Juni 2026 selbst zur Angeklagten geworden. Im Zentrum des Verfahrens: eine Frau, die das Wort „Hass" beruflich so oft buchstabierte, dass sie offenbar vergaß, wohin ihr eigenes Herz längst gewandert war.

Die Akte spricht von „Employee-2", einer Person, die dereinst Direktorin des Intelligence Project der SPLC werden sollte. Wer die Indizien zusammenhält — und die Bundesanwaltschaft hat sie mit beinahe höhnischer Akribie zusammengetragen —, erkennt Heidi Beirich, 58, Faschismus-Expertin, von 2012 bis 2019 Leiterin der Intelligence-Abteilung. Was ihr und der Stiftung vorgeworfen wird, ist keine kleine Veruntreuung. Es ist ein Theaterstück, in dem die Bühne moralischer Empörung als Fundament einer ganz banalen Kassenführung diente.

F-9, so nennt das Dokument den Informanten, soll sich in die National Alliance eingeschlichen haben, jene neonazistische Vereinigung, deren Gründer William Pierce einst den modernen Rechtsterrorismus theoretisch adelte. Die SPLC überwies ihm über Jahre mehr als 1,2 Millionen Dollar aus Spendengeldern, schleuste das Geld durch ein Konto mit dem redlichen Namen „Tech Writers" und ließ den Mann — nach Aktenlage — gleichzeitig Mittel für die Aktivitäten eben jener Gruppierung sammeln, die er angeblich ausspähen sollte. Man finanzierte, was man zu bekämpfen vorgab; man unterhielt den Feind, um den Feind zu vermarkten.

Im Jahr 2014 brach F-9 nach Darstellung der Anklage in das Hauptquartier der National Alliance in West Virginia ein, entwendete rund 25 Kisten Dokumente, schaffte sie über die Staatsgrenze nach North Carolina, ließ sie kopieren und brachte die Originale zurück. Aus diesen Kopien verfasste Beirich 2015 den Artikel „Chaos at the Compound" für die SPLC-Sektion „Hatewatch". Eine Stiftung, die sich als Hüterin der Wahrheit versteht, schrieb also eine Recherche auf Grundlage gestohlener Beute — und nutzte den Skandal sogleich, um neue Spenden zu akquirieren. So sieht moderner Aktivismus aus, wenn die Kasse die Feder führt.

Doch damit nicht genug. Zwischen 2015 und 2021, so die Indictment, flossen etwa 140.000 Dollar aus dem SPLC-Betriebskonto in gemeinsame Bankkonten, die F-9 und „Employee-2" unterhielten. Sechsundsechzig Prozent aller Einzahlungen auf diesen Konten stammten aus den Spendentöpfen der Anti-Hass-Industrie. Die beiden teilten ein Haus, zwei Konten und, nach allem, was die Bundesanwaltschaft zusammenfügt, ein Leben. William White Williams, der heutige Vorsitzende der National Alliance, bestätigte der New York Post, dass die Schilderung der Anklage sich mit dem decke, was seine Organisation erlebt habe. „Ich wusste, dass es diese fette, hässliche Sau Heidi Beirich war", wird er zitiert — eine Sprache, die in der Sache nichts mildert, aber einiges über das Klima verrät, in dem solche Operationen gedeihen.

Was hier zerfällt, ist mehr als eine Stiftung. Es zerfällt eine Erzählung. Seit Jahrzehnten lebt die SPLC davon, dass brave Bürger in New York, San Francisco oder Zürich einen Scheck ausfüllen und sich einbilden, damit werde die Welt ein wenig weniger hässlich. Das Geschäftsmodell ist die Empörung; die Ware ist das Fremde, der Extremist, der einsame Schurke in der staubigen Kleinstadt. Funktioniert dieses Modell nur, solange niemand genau hinschaut, wohin das Geld fließt und wer eigentlich in wessen Bett liegt?

In Genf habe ich einmal einen Mann erlebt, der mit sonorer Stimme eine Konvention zur Ächtung von Minen unterschrieb und im selben Atemzug die Listen seiner eigenen Rüstungsproduktion durchging. Er lächelte dabei, und niemand im Saal lächelte zurück, weil alle wussten, dass Lächeln kein Geständnis ist. Die SPLC, das muss man ihr zugute halten, hat nicht gelächelt. Sie hat Spendenbescheinigungen ausgestellt. Das ist, in der Grammatik der Macht, oft dieselbe Übung.

Die Anklage liegt nun bei einem Bundesgericht. Bis zum Urteil gilt die Unschuldsvermutung — doch die Fakten der Akte, nüchtern zusammengetragen von Bundesanwälten, zeichnen ein Bild, das auch ohne Richterspruch seine eigene Anklage enthält: eine Stiftung, die das Wort „Hass" so oft druckte, bis es sich selbst aufzufressen begann. Man muss kein Genfer Diplomat sein, um zu verstehen, dass die profitabelste Ware im 21. Jahrhundert nicht Öl ist, nicht Waffen, nicht einmal Daten. Es ist die Entrüstung — und Entrüstung verdirbt, wenn man sie an die falschen Adressen verschickt.

So endet ein Kapitel des amerikanischen Aktivismus, wie es begonnen hat: mit dem Glauben, man sei auf der richtigen Seite der Geschichte, und mit der beiläufigen Entdeckung, dass die Geschichte sich selten nach Seiten sortieren lässt. In Alabama, im Sommer 2026, hat das Justizministerium eine Akte geöffnet, in der die Moral selbst auf der Anklagebank sitzt. Was bleibt, ist die unbequeme Frage, die jeder Spender sich nun stellen muss — auch der, der es sich nie stellen wollte: Wem genau hat man in all den Jahren die Handschuhe gereicht?

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite