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DROHNEN ÜBER KYJIW, TREIBSTOFF LEER AUF DER KRIM

18. Juni 2026 — — Morrison, over and out.

Die Schreibmaschine hämmert. Evelyn singt unten im Café etwas von einem Mann, der versprochen hat zurückzukommen. Der Bourbon steht in der Schublade, halbvoll, wie immer, wenn die Nacht lang wird. Das Licht der Laterne flackert. Regen klopft leise gegen die Scheibe, erst zögernd, dann entschlossen.

Wieder diese Drohnen. Wieder Zahlen, die das Militär uns vorwirft wie Hundekuchen: fast zweihundert abgeschossene Flugkörper, heißt es. Zweihundert. Wer zählt in einer Nacht, in der der Himmel brennt? Niemand zählt ehrlich, wenn die Propaganda mitrechnet. Was zählt, ist der Rauch. Rauch über Kyjiw. Rauch über Mykolajiw. Rauch über Temryuk, wo eine Drohne einschlug, einen Menschen tötete und ein Feuer entfachte, das die Nacht zum Tage machte. Das sind die einzigen Zahlen, die wahr sind: ein Toter, ein Brand, eine Familie irgendwo, die heute nicht mehr schläft.

Und die Krim. Die geraubte Halbinsel. Das Sommerresort der Sieger, der Ort, an dem man sich einbildet, man habe gesiegt, solange man nur nicht auf die Zapfsäule schaut. Nun schaut man. Die Tankstellen sind leer. Die Raffinerien brennen oder dampfen. Die Depots liegen in Schutt, die Pipelines führen ins Nichts, die Treibstofflager sind Asche oder werden es bald sein. Die Lastwagen, die Sewastopol versorgen sollten, kommen nicht durch. Irgendwo auf der Straße nach Süden stehen sie in Kolonne, die Fahrer rauchen, die Motoren kalt, der Himmel über ihnen ein Feind.

Hier wird man hellhörig, hier riecht man die Maschine hinter dem Drama. Welcher Generalstab in Kyjiw hat das zusammengefügt? Streichholz um Streichholz, Angriff um Angriff, bis die Halbinsel trocken liegt. Es ist eine uralte Rechnung, älter als die Drohnen, älter als die Flugzeuge, fast so alt wie der Krieg selbst. Wer dem Feind das Brot nimmt, muss ihm nicht das Schwert in die Brust stoßen. Die Römer wussten das. Die Strategen des Großen Krieges wussten das. Heute wissen es die Piloten, die aus der Ferne zünden, was einst die Reiterei verbrannte.

Man nennt es Drohnenkrieg. Klingt sauber, fast medizinisch. Ist es nicht. In Charkiw starben Retter, weil eine zweite Salve kam, während die erste noch nach Hilfe schrie. Die Helfer wurden zu Zielen. Die Samariter zu Opfern. So wird das gemacht, immer, von jeder Seite, in jeder Sprache. Die Logik des Schlachtfeldes kennt keine Krone des Mitleids, sie kennt nur Entfernung und Effizienz. Wer billiger tötet, gewinnt die Rechnung.

Moskaus Flughäfen schlossen in jener Nacht, vorübergehend, sagen sie. Vorübergehend. Wie alles an diesem Krieg. Aber vorübergehend heißt diesmal: Flugzeuge am Boden, Passagiere in Terminals, die nach Erklärungen suchen, und irgendwo oben Drohnen, die niemand kommen sieht.

Evelyn hat aufgehört zu singen. Im Café wird leiser gesprochen. Irgendwo da draußen, hinter dem Regen, heulen die Sirenen weiter, und die Halbinsel trocknet aus, Liter um Liter. Wer die Krim aushungert, hungert die Flotte aus. Wer die Flotte aushungert, diktiert das Schwarze Meer. Wer das Schwarze Meer diktiert, schreibt die Karte von morgen. So sieht der Mechanismus aus, meine Damen und Herren, der niemandem ins Gesicht geschrieben steht. Kein Heldenepos. Keine Pathosrede. Nur ein Rechenbuch, in dem jede brennende Raffinerie eine Seite ist.

Ich kippe den Bourbon, und die Schreibmaschine klingt hohl in der leeren Redaktion. Morgen werden sie wieder sagen, es sei ein Symbol gewesen, ein Warnschuss, ein Akt der Eskalation. Es ist keines. Es ist Buchhaltung. Und die Bilanz, die in diesen Nächten geschrieben wird, liest sich nicht in Heldentum, sondern in leeren Tanks und brennenden Depots.

Der Regen wird stärker. Evelyn summt leise, fast für sich. Und ich frage mich, während ich den letzten Schluck trinke und auf das nächste Telegramm warte, wer eigentlich der Buchhalter ist, der dieses alles zusammenzählt — und wann die Rechnung endlich offenliegt.

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