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Acht Goldhandschuhe, null Spielraum: Die Bilanz des Stehens

19. Juni 2026 — — — E. Wolff

Jim Edmonds hat in siebzehn Spielzeiten an die vierhundert Bälle über die Zaunlatte gejagt und acht Goldhandschuhe gesammelt. In jeder Bilanz, die ich je geprüft habe, ein solider Posten. Achtmal wurde ihm das beste Defensivspiel seiner Position attestiert. Viermal All-Star. Eine Karriere, die nach Zahlen funktioniert.

Aber das ist nicht der Posten, über den er dieser Tage redet. Sondern über das Stehen.

„I don't really have any leeway for that", sagte er Tomi Lahren. Würde jemand in seinem Clubhaus das Knie gebeugt haben, er hätte ein Gespräch geführt. Nicht die Polizei gerufen, nicht den Besitzer informiert. Ein Gespräch. Unter Männern. Auf Augenhöhe, wie es in Clubhäusern üblich ist, wenn der Captain das Wort ergreift. Die Hierarchie regelt den Rest.

So weit, so lesbar. Edmonds ist ein Mann seiner Zeit, und seine Zeit hat ihm beigebracht, dass Respekt eine Haltungsfrage ist. Was mich interessiert, ist nicht die Haltung. Was mich interessiert, ist was die Haltung kostet.

Denn Hymne ist nicht mehr Lied. Hymne ist Rohstoff.

Am vierzehnten Juni dieses Jahres soll auf dem Rasen des Weißen Hauses die erste Sportveranstaltung ihrer Art stattfinden. Eine UFC-Gala. Achttausend aktive Soldaten auf der Gästeliste. Die Marine Band spielt die Nationalhymne. Zac Brown, ein Mann mit Gitarre und Bart, singt sie. Country. Patriotismus, sagt er. Nicht Politik.

„Fuck all the division", sagte Brown bei Pat McAfee. Eine beeindruckende buchhalterische Volte: Die Spaltung wird weggerechnet, der Saldo heißt Liebe zum Land. Wer nachfragt, was genau geliebt werden soll, bekommt den American Dream als Antwort, mit dem Zusatz, dass man hart arbeiten und die richtigen Entscheidungen treffen müsse. Das ist keine Hymne. Das ist ein Kleinkreditantrag. Unterschrift unten, Vertrauen oben.

Andere Musiker wurden angefragt. Martina McBride sagte ab. Bret Michaels sagte ab. Seine Begründung im Fachjargon: „Something much more divisive than what I agreed to be a part of." Er erwähnte Drohungen. „Threats that are completely unfounded and unforgivable." Er sprach von Sicherheit für Fans, Band, Crew, Familie.

Hier wird die Bilanz interessant.

Denn Michaels hat, ohne es zu wissen, den Mechanismus offengelegt, der das ganze Konstrukt trägt. Die Hymne ist nicht deshalb freiwillig, weil alle gerne singen. Sie ist deshalb singbar, weil die, die nicht singen, den Preis kennen. Der Preis ist nicht der Verlust eines Auftritts. Der Preis ist eine Drohung, die im Raum steht, bevor sie ausgesprochen wird. McBride hat sie nicht erwähnt. Sie hat einfach geschwiegen und ist gegangen. Das ist die eleganteste Form der Buchführung.

Achttausend Soldaten. Das ist eine Zahl, die man sich merken muss. Achttausend Männer und Frauen in Uniform, die für einen Samstag auf einer Wiese in Washington parken, damit eine private Kampfsportorganisation, deren Chef Dana White heißt, ein Jubiläum inszenieren darf. Zweihundertfünfzig Jahre Vereinigte Staaten. Freedom 250. Der Name ist Marketing, die Hülle ist Staat.

Ich habe 1929 zugesehen, wie Männer in Nadelstreifen erklärten, der Markt reguliere sich selbst, während sie die Regale leerten. Ich habe gelernt, dass jede Zeremonie, die sich als spontan versteht, ein vorbereitetes Regiebuch hat. Und ich habe gelernt, dass die wirklich teuren Posten nie in der Bilanz stehen.

Was kostet die Hymne? Sagen wir: einen Sänger, der gerne singt, ein Orchester, das ohnehin vom Steuerzahler bezahlt wird, eine Logistik für achttausend Uniformierte, eine Wiese, die eigentlich zur Arbeit dient. Rechnen wir die Sicherheit hinzu, die Versicherungen, die Überstunden, die Kameras, die das Ereignis in alle Haushalte tragen, in denen die Hymne dann zur Hintergrundmusik für den nächsten Werbespot wird.

Aber das ist die externe Bilanz. Die interne ist interessanter.

Sie lautet: Du singst, oder du wirst still. Du stehst, oder du wirst befragt. Du salutierst, oder du bekommst ein Gespräch, wie Edmonds es seinen Spielern angeboten hat. Du trittst auf, oder du wirst bedroht, wie Michaels es angedeutet hat. Die Skala reicht vom freundlichen Captain bis zur konkreten Drohung, und die ganze Skala ist unsichtbar, weil sie nie offiziell in Rechnung gestellt wird. Sie ist die Luft, die wir atmen. Sie ist der Boden, auf dem die Wiese liegt.

Edmonds sagt, er habe keinen Spielraum. Brown sagt, es gehe um die Truppen. Brown sagt, er liebe sein Land und alle, die geopfert haben. Das ist eine wunderbare Bilanz, in der die Sollseite fehlt. Wer zahlt was dafür, dass achttausend Soldaten auf einer Wiese stehen, während ein Sänger aus Georgia mit der Marine Band ein Geburtstagsständchen bringt für ein Land, das gerade seinen zweihundertfünfzigsten Geburtstag feiert, indem es die Hymne an einen Privatmarkt vergibt, der die Teilnahme an der Zeremonie als Gegenleistung für Aufmerksamkeit verlangt?

Ich sage nicht, dass die Hymne nichts wert ist. Ich sage, dass der Preis nicht in der Zeitung steht.

Und wenn Männer in Nadelstreifen erklären, warum der Gürtel enger muss, dann schaue ich zuerst auf die Einnahmen. Immer.

Jim Edmonds hat keinen Spielraum. Zac Brown hat keinen Groll. Achttausend Soldaten haben einen Samstag. Und die Hymne hat einen Eigentümer, der sich versteckt, seit das Land gegründet wurde, in dessen Namen sie gesungen wird.

Die Bücher sind nicht ausgeglichen. Das war nie ein Versehen.

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