Die Acht die niemand wählte
Es gibt Sätze, die klingen wie Verwaltung und schmecken nach Eroberung. Mike Morath, der mächtige Bildungskommissar von Texas, muss solche Sätze oft sagen. Er sagt sie leise, in Sitzungssälen, in denen die Kameras aus bleiben. Er sagt sie über Schulbezirke, die plötzlich nicht mehr den Menschen gehören, die dort leben, sondern einem Apparat, der sich selbst genügt.
Seit 2020 hat die Texas Education Agency acht lokale Schulbezirke übernommen. Vier davon in diesem Frühjahr allein. Mindestens zehn weitere stehen auf der Liste, und seit vergangener Woche gehört auch der Austin Independent School District dazu. Austin. Die Stadt, die sich klüger dünkt als der Rest des Staates. Man wird sehen, wie lange noch.
Das Gesetz, das diese Übernahmen erlaubt, ist nüchtern formuliert. Texas gestattet der TEA, Bezirke mit mehrfach gescheiterten Bewertungen oder sogenannten Governance-Problemen zu übernehmen und gewählte Vorstände sowie Superintendenten zu ersetzen. Wer den Stift hält, hat die Macht. Wer den Stift nicht hält, schaut zu.
An der Spitze dieser neuen Architektur steht ein Mann namens Mike Miles. Er wurde 2023 auserkoren, den Houston Independent School District zu leiten — den größten Schulbezirk des Staates. Miles ist ein enger Verbündeter von Kommissar Morath. Und wer die neuen Bezirksleiter der übernommenen Distrikte betrachtet, erkennt ein Netz, das sich unmerklich verdichtet: Zwei der neuen Superintendenten in Beaumont, Lake Worth und Connally arbeiteten unter Miles, als er die Dallas ISD führte. Zwei weitere folgten ihm nach Houston. In Fort Worth, einem der größten Bezirke des Staates, wählte der staatlich eingesetzte Superintendent Daniel Soliz als seinen Stellvertreter — ebenfalls ein Mann aus Miles' Houstoner Apparat.
Es ist das, was man eine Architektur nennt, bevor die ersten Nägel gesetzt werden.
Die Reformen, die diese Leute tragen, tragen ihren Namen nicht. Sie tragen Testnoten. Houston ISD verzeichnete unter Miles keine F-bewerteten Schulen mehr, weniger D-Bewertungen, eine Mehrheit der Campuses mit A oder B. Das klingt nach Erfolg. Es klingt nach dem, was Administratoren Erfolg nennen, wenn sie abends nach Hause gehen und sich im Spiegel betrachten.
Doch was unter dieser Fassade geschieht, hat einen anderen Klang. Lehrkräfte wurden entlassen. Schulleiter wurden gefeuert. Schulen wurden geschlossen. Bibliotheken wurden abgeschafft. Manche dieser einstigen Bibliotheksräume, sagt Maria Benzon, gewählte Schulbeirätin in Houston, die seit November im Amt ist und unter der laufenden Übernahme nicht dienen darf, seien zu dem geworden, was sie Detention Centers nennt — Räume, in denen Schüler mit Verhaltensproblemen verwahrt werden. Morath, der Kommissar, erklärt, diese Zentren würden für mehr als nur Bestrafung genutzt. Das ist die diplomatische Formulierung. Die ehrliche würde lauten: Was einst ein Ort des Lesens war, ist ein Ort des Stillhaltens geworden.
Die Methoden, sagen jene, die sie täglich erleben, sind starr. Skriptbasierter Unterricht. Repetitives Testen. Eine Pädagogik, die nicht fragt, ob ein Kind begreift, sondern misst, ob es antwortet. Es ist die Logik einer Maschine, die sortiert, nicht einer Schule, die bildet.
„Wenn etwas nicht zur Verbesserung der Testergebnisse beiträgt, wird es abgeschafft", sagt Benzon. Sie warnt die Bezirke, deren neue Leiter Verbindungen zu Miles haben, vor „Umwälzung und Chaos". Sie wurde nicht gefragt, ob sie diese Warnung aussprechen will. Sie wurde gewählt, und dann wurde ihr das Mandat entzogen. So funktioniert das. So hat es immer funktioniert.
Man muss kein Prophet sein, um die nächsten Züge zu sehen. Beaumont, Lake Worth, Connally — drei Namen, die für sich genommen wenig bedeuten und zusammen ein Muster ergeben. Fort Worth folgt. Austin wartet. Houston ist das Modell. Die Maschine läuft, weil Männer wie Miles die Architektur kennen und Männer wie Morath den Schlüssel dazu haben.
Ich habe in meinem früheren Leben Verträge gesehen, die nie eingehalten wurden. Ich habe Männern in die Augen geschaut, die lächelten, während sie logen. Das war einmal. Heute lächeln sie nicht einmal mehr. Sie schreiben Berichte. Sie veröffentlichen Zahlen. Sie nennen es Qualität.
Die Kreide, mit der in Texas Schulen bewertet werden, ist nicht weiß. Sie ist die Farbe der Macht. Und wer sie hält, entscheidet, was ein Kind lernt — und was es zu vergessen hat.