Die Rechnung, die niemand bezahlen wollte
Zehn Jahre sind vergangen seit der Nacht, in der das Pfund seinen tiefsten Sturz tat. Zehn Prozent an einem einzigen Morgen — der größte Tagesverlust, den die britische Währung je erlitten hat. Nigel Farage stand vor der Kamera, Sunderland hatte gerade gezählt, und irgendwo in den Tresoren der City of London begann ein langsames, kaltes Zählen.
Das Pfund hat sich nie erholt. Vor dem Referendum stand es bei 1,50 Dollar und 1,31 Euro. Heute: 1,34 Dollar, 1,15 Euro. Wer heute nach Mallorca fliegt, nach New York, nach Rom, der zahlt die Zeche für eine Stimmabgabe, die ihm als Befreiung verkauft wurde. Wer importiert — also fast jeder — zahlt die Zeche zweimal. Erst an der Grenze, dann an der Kasse.
Das ist die einfache Rechnung. Die schwierige steht in den Bilanzen, die nie auf den Tisch kamen.
Die Exporteure hätten profitieren müssen. Ein schwächeres Pfund macht britische Waren billiger für ausländische Käufer — so lautet die Lehrbuchweisheit. Doch die Ware fand keine Käufer, weil kein Käufer wusste, ob morgen noch Zollformulare gelten. Die Unsicherheit war der eigentliche Kollateralschaden. Nicht der Austritt. Die Ungewissheit über den Austritt. Die Geschäftsleute, die ich in den Jahren nach 2016 traf, hatten eines gemeinsam: Sie wussten nicht, was ihre Verträge in achtzehn Monaten noch wert sein würden. Wer nicht investiert, baut keine Fabriken. Wer keine Fabriken baut, hat keine Produktivität. Wer keine Produktivität hat, hat keine Löhne. Wer keine Löhne hat, hat keine Steuern. Wer keine Steuern hat, hat keine Schulen.
So einfach ist das. So endet das.
Charlie Bean, ehemaliger stellvertretender Gouverneur der Bank of England, hat sich kürzlich zu Wort gemeldet. Er hat die Schätzungen des Schatzamts noch einmal geprüft — jene Zahlen, die George Osborne in Auftrag gab und die Leave-Kampagne als „Project Fear" verhöhnte. Bean sagt das, was ich seit einem Jahrzehnt sage: Die unmittelbare Rezession sei überzeichnet gewesen, der Schock also politisch verpackt, zu dünn, zu laut. Aber das Gesamturteil? „Wir sind ärmer, als wir es sonst wären."
Hören Sie diese Worte noch einmal: ärmer, als wir es sonst wären. Das ist die sauberste Formulierung für einen Verlust, der sich nicht in einer Zahl fassen lässt. Familien verlieren Tausende von Pfund im Jahr. Das sind keine Schlagzeilen. Das sind fehlende Zahnarztbesuche, verschobene Reparaturen, Urlaube, die nicht stattfinden, Altersvorsorgen, die nicht wachsen. Die Volkswirtschaft ist kleiner, als sie sein könnte. Das ist der Fluch der Gegenwartsform: kleiner, als sie sein könnte. Man kann das fehlende Pfund nicht sehen. Man kann nur das fehlende Pfund spüren.
Lord Hermer, ein enger Verbündeter von Keir Starmer, hat es in einem einzigen Wort zusammengefasst: „beschädigt". Großbritannien sei durch den Austritt aus der EU beschädigt worden. Dass dies ein Labour-Mann sagt — ein Labour-Mann, der an der Macht ist —, zeigt, wie tief die Narbe sitzt. Selbst jene, die den Bruch politisch verwalten, können ihn nicht mehr schönreden.
Zehn Jahre. Eine Währung, die nicht zurückkommt. Eine Regierung nach der anderen, die erklärt, warum der Gürtel enger muss. Männer in Nadelstreifen, die erklären, warum die Produktivität „herausfordernd" sei. Warum die Investitionen „verhalten". Warum das Wachstum „moderat". Als gäbe es ein Naturereignis. Als sei das Wetter schuld.
Es ist kein Wetter. Es ist eine Entscheidung. Eine Entscheidung, die zweiundfünfzig Prozent trafen, achtundvierzig nicht. Eine Entscheidung, deren Kosten beide zahlen.
Ich habe 1929 gewusst, was kommt. Ich habe es aufgeschrieben. Niemand hat es geglaubt. Ich habe es danach noch einmal aufgeschrieben. Wieder niemand. Es liegt in der Natur derer, die Zeichen nicht zu lesen, weil das Lesen der Zeichen bedeuten würde, etwas zu verändern. Und Veränderung ist teuer. Verlust ist teurer, aber Verlust trifft die anderen. Immer die anderen.
Bis die anderen wir sind.
In diesem Land, das sich einbildet, es habe sich befreit, zahlt jetzt jeder Haushalt die Rechnung für eine Lüge, die ihm als Wahrheit verkauft wurde. Nicht weil die Wahrheit zu kompliziert war. Sondern weil die Lüge bequemer war. Bequemer für die, die nichts zu verlieren hatten, weil sie nichts besaßen. Bequemer für die, die alles zu verlieren hatten, weil sie glaubten, die anderen würden schon zahlen.
Die Bücher sind nicht ausgeglichen. Das war nie ein Versehen. Bücher sind nie ausgeglichen, wenn die Rechnung von denen geschrieben wird, die sie nicht bezahlen müssen.