Die Bücher der Kharg-Insel stehen rot — und jemand hat sie unterschrieben
Es begann am 27. Februar. Ein Datum, an das man sich erinnern wird, auch wenn die offiziellen Chronisten es später zu einem technischen Manöver umdeuten werden. Die Vereinigten Staaten begannen ihre Operation. Iran schlug zurück. So weit, so bekannt, so sauber in den Schemata der Strategen verzeichnet.
Dann jedoch kam das Abkommen. Ein Deal, der den Krieg beenden soll. Eine Öffnung der Straße von Hormus — jener Wasserader, durch die ein Fünftel des Welterdöls fließt, jener Aorta zwischen Persischem Golf und Arabischem Meer, deren Verengung den Puls der gesamten Weltwirtschaft in den letzten Monaten spürbar drosselte. Ein solcher Handel wird nicht zwischen Höflichkeiten ausgehandelt. Er wird zwischen Zahlenkolonnen und Flugzeugträgern ausgehandelt.
Doch hier beginnt die Rechnung nicht mehr aufzugehen. Quellen, die ich nicht nennen darf, flüsterten mir zu, dass ein Deal unmittelbar bevorstehe. Andere Quellen — ebenso verlässlich, ebenso stumm — sagten mir, dass die Streitpunkte weiter offen liegen wie ein Safe, dessen Kombination niemand kennt. Trump und Pakistan erwarten eine Einigung. Iran zögert. Und wer zögert, der rechnet.
In dieses Schweigen fällt nun die Spekulation, die an der Wall Street bereits ihren Preis hat: Die USA könnten die Insel Kharg beschlagnahmt haben. Kharg — das ist nicht irgendeine Felsspitze im Golf. Das sind neunzig Prozent der iranischen Rohölexporte. Das ist der Hebel, den jede Supermacht sucht, wenn die Verhandlungen in der siebten Stunde festgefahren sind und die Kameras noch laufen. Wer Kharg hält, hält Irans Atem in seiner Hand.
Vice President Vance sitzt am Tisch. Nicht am Rand, nicht als Beobachter — am Tisch. Sein Name taucht in den Verhandlungskanälen mit einer Regelmäßigkeit auf, die kein Zufall sein kann. Vance, der Mann, der im Senat gegen jede Militärintervention stimmte und nun als Architekt einer solchen dasteht. Die Ironie ist delikat, aber sie ist nicht mein Thema. Mein Thema ist die Maschine hinter der Bühne.
Denn dort, in den dicken Wänden des National Defense Authorization Act, findet sich eine Klausel. Eine Bestimmung, die tiefere militärische Zusammenarbeit mit Israel erlaubt. Eine Kooperation, die die kongressionale Aufsicht umgeht — jene lästige demokratische Bremse, die in der amerikanischen Verfassung immerhin zwischen Krieg und Kriegen unterschieden wissen wollte. Man habe, so heißt es aus gut unterrichteten Kreisen, einen Weg gefunden, diese Bremse elegant zu umgehen. Mit Paragraphen. Mit dem Kleingedruckten, das niemand liest, bis die Bomben fallen.
Trump kündigte an, er werde den Iran-Deal dem Kongress vorlegen. Ein Versprechen, das in der Luft hängt wie der Rauch meiner Pfeife — sichtbar, aber nicht greifbar. Denn was nützt eine Vorlage, wenn die Fakten längst geschaffen sind? Wenn Truppen schon stehen? Wenn die Klausel schon im NDAA steht, die den nächsten Schritt erlaubt, noch bevor irgendein Abgeordneter zur Kenntnis nimmt, was gespielt wird?
Ich habe 1929 gewusst, was kommt. Ich habe in der Handelskammer gesessen und die Bilanzen gesehen, bevor die Tinte trocken war, die sie frisiert hat. Ich habe den Männern in Nadelstreifen ins Gesicht gesehen, wenn sie erklärten, warum der Gürtel enger müsse. Diesmal ist es nicht die Wall Street. Diesmal ist es das Öl, das durch die Adern der Welt fließt. Aber die Mechanik ist dieselbe. Die Bücher werden nicht im Gleichgewicht sein, und das war nie ein Versehen. Es ist ein Design.
Kharg ist besetzt oder nicht besetzt. Der Deal kommt oder kommt nicht. Die Straße von Hormus öffnet sich oder bleibt verengt. Doch eines ist sicher, während die Verhandlungsführer einander die Hände schütteln und die Kameras blitzen: Irgendwo in Washington wird gerade ein Dokument unterschrieben, das in zehn Jahren in den Archiven liegen wird, und ein Reporter wie ich wird es lesen und wissen, was es bedeutet. So wie damals. So wie jetzt.