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DAS GIFT, DAS TEHERAN FÜRCHTET

20. Juni 2026 — — Morrison, over and out.

Evelyn singt unten im Café. Es klingt wie Wiegenlied. Es klingt wie Begräbnis. Passt zur Nachricht.

Tanker rollen wieder. Iranian crude, zwei Monate nichts, plötzlich schieben sich Supertanker mit klangvollen Namen wie DIONA und HERO2 — jawohl, HERO2, als wäre Fracht eine Heldenpose — durch die US-Blockadezone bei Hormuz. Drei Komma acht Millionen Barrel. Eine dritte hat nachgelegt. Das Wall Street Journal weiß schon, was die übrige Welt noch nicht unterschrieben hat: Sobald in der Schweiz der Stift aufs Papier kommt, fällt das Sanktionsregime für Öl, Banking, Transport, Versicherung. Sofort. Kein Karenztag.

Washington und Teheran haben sich auf ein Memorandum of Understanding geeinigt. Sechzig Tage Fenster. Verhandlungen über das Atomprogramm. Wiedereröffnung der Meerenge. Aufhebung der Seeblockade. Unterschrieben werden soll am Freitag im Burgenstock, diesem schweizerischen Berghotel, wo Diplomatie immer nach Heizöl und Konferenzpauschale riecht.

Und jetzt kommt die Frau, die den Laden am besten kennt.

Maryam Rajavi. Präsidentin der NCRI, des Nationalen Widerstandsrates Iran. Jahrzehnte im Geschäft. 133 Enthüllungen in 35 Jahren, sagt sie selbst — jede einzelne ein Riss im Mullah-Mantel. Sie sagt: Der Frieden ist die größere Bedrohung für die Islamische Republik als jeder Bombenangriff.

Hören Sie das. Nicht die Marschflugkörper. Der Frieden.

Rajavi spricht von der „religiösen Faschismus"-Herrschaft in Teheran, von deren Überlebens-Plan: Atomwaffen, Stellvertreter-Terror, Destabilisierung der Region. Drei Säulen. Solange die stehen, steht das Regime. Khomeini selbst habe gesagt, ein Waffenstillstand sei „Gift". Rajavi zitiert das nicht beiläufig. Sie baut darauf ihre ganze These.

Die These lautet: Der Krieg ist der Schild des Regimes gegen die eigene Straße. Solange Bomben fallen, bleiben die Mullahs die Verteidiger der Nation. Sobald die Bomben aufhören, beginnt die Rechnung. Im Iran selbst. Nicht am Verhandlungstisch.

Die Zahlen, die Rajavi nennt, klingen wie aus einem Schlachthausprotokoll. 2200 Hinrichtungen im Jahr 2025. Das blutigste Jahr unter Khamenei. Politische Gefangene, Demonstranten, Dissidenten — die Hinrichtung als Waffe gegen den Aufstand, der unter dem Frieden wieder hervorkriechen könnte.

Die US-Blockade hat den Export zwei Monate lang gekillt. Der Ölhahn ist jetzt wieder offen. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die, die niemand auf die Titelseite setzt: Während in Washington und Teheran über Papiere geredet wird, schlägt Israel im Südlibanon zu. Verdächtiges Fahrzeug. Raketen abgefangen. Luftschlag auf eine Abschussrampe. Vier Tote in Mayfadoun und Shukeen. Teherans Militärführung spricht von „harscher Antwort".

Das ist der Riss im Mörtel. Der Deal, der am Freitag unterschrieben werden soll, ist ein Vertrag zwischen zwei Regierungen, die sich gerade gegenseitig die Häuser anzünden — der eine per Flugabwehr-Rakete, der andere per Stellvertretertruppe. Und mittendrin: Öl, das wieder fließt. Geld, das wieder fließt. Waffen, die weiter fliegen.

Die Republikaner im Senat wollen den Text sehen, bevor die Tinte trocknet. John Thune, Mehrheitsführer: „Lasst es uns anschauen und sehen, was es tatsächlich ist." Das ist die eleganteste Umschreibung für: Wir vertrauen diesem Deal nicht einen Schuss Pulver.

Was also läuft hier wirklich?

Die NCRI sagt es ungeschminkt: Die Verantwortung für den Sturz des Regimes liegt beim iranischen Volk und seinem organisierten Widerstand. Nicht bei Washington. Nicht beim Pentagon. Nicht bei den Mullahs selbst. Jeder internationale Deal, sagt Rajavi, muss die Hinrichtungen stoppen und die Tötung von Demonstranten beenden. Sonst ist es kein Friedensvertrag. Dann ist es eine Atempause für die Henker.

Denn das ist die Mechanik, die in keinem Bulletin steht: Wenn der äußere Feind verschwindet, wird der innere Feind sichtbar. Und das Regime in Teheran weiß das seit 1979. Es hat seinen Frieden nie ausgehalten. Es hat ihn immer nur als Waffenstillstand im Bürgerkrieg nach innen benutzt.

Drei Komma acht Millionen Barrel Öl sind jetzt unterwegs, getauft auf Heldennamen. Eine Frau in Paris, die seit fünf Jahrzehnten sagt, was die Welt nicht hören will. Und ein Regime, das gerade das Gift schluckt, von dem es selbst einmal sprach.

Evelyn singt noch immer. Ich schließe das Fenster nicht.

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