Das Schweigen der Dienstboten — Kabinett schwächt das Gesetz
Bengaluru, sechzehnter Juni. Hundertfünfzig Menschen stehen vor dem Büro des Additional Labour Commissioner. Sie tragen keine Gewerkschaftsfahnen aus Seide, keine Megaphone, keine Schlagzeilen-Garantie. Sie tragen Besen, Wischeimer, Töpfe. Sie sind Hausangestellte — und an ihrem internationalen Tag verlangen sie, was jeder andere Arbeiter längst als Selbstverständlichkeit kennt: eine Beschwerdestelle, die tatsächlich funktioniert.
Die Domestic Workers' Rights Union Karnataka hat ein Memorandum übergeben. Der Empfänger: ein Beamter der mittleren Verwaltungsebene. Die Forderung: ein robustes Grievance Redressal Mechanism. Auf gut Deutsch: ein Mechanismus, bei dem eine Beschwerde nicht in einer Schublade verschwindet.
Im Hintergrund summt der Karnataka Domestic Workers Social Security Bill 2025. Das Gesetz sollte die Sicherheit, die Gesundheit und die soziale Absicherung von Hausangestellten regeln. Doch dann kamen die Einwände — "mainly employers", wie die Gewerkschaft in ihrem Schreiben festhält. Die Hausbesitzer, die Herrschaften, die Arbeitgeber. Ihre Bedenken waren offenbar schwerwiegend genug, um das Gesetz vor dem Kabinett zu einer "very weak Bill" zu verstümmeln. Schwächer. Weicher. Angenehmer für jene, die bisher ohne Regel lebten.
Die Beratungen mit dem Labour Secretary liefen, bis sich das Kabinett neu sortierte. Neuer starker Mann in Karnataka: D.K. Shivakumar. Die Gespräche stoppten. Die Arbeiterinnen warten nun auf eine Konsultation zum Gesetzestext — auf Kannada, in ihrer eigenen Sprache, nicht in der Sprache der Anwaltskanzleien und Ministerialbeamten.
Hier höre ich die Frequenz, die andere überhören: Das Janaspandana-Portal des Staates existiert bereits. Es enthält den Rahmen für eine Beschwerdestruktur. Die Technik liegt bereit, auf Servern, programmiert, gewartet. Was fehlt, ist nicht das Werkzeug. Was fehlt, ist der politische Wille, dieses Werkzeug für die Hausangestellten zu öffnen.
Die weiteren Forderungen lesen sich wie eine Aufzählung von Selbstverständlichkeiten aus einem anderen Jahrhundert. Eine Domestic Workers Taskforce mit eigener Hotline für Fälle unmenschlicher Behandlung. Strafverfolgung gegen Trafficking und Ausbeutung. Smartcards für Senioren, Unfallversicherung für jene, deren Knie nach Jahrzehnten auf fremden Marmorböden nicht mehr mitmachen. Ratifizierung der ILO-Konvention 189 — internationales Recht, das Indien unterzeichnet hat und das im eigenen Bundesstaat noch immer nicht gilt. Die Leitlinien des Karnataka High Court von 2015 gegen Menschenhandel. Elf Jahre alt. Wartend auf Umsetzung.
Wer kontrolliert hier was? Die Hausangestellten kontrollieren nichts. Sie leben in den Wohnungen anderer, kochen deren Essen, waschen deren Wäsche, ziehen deren Kinder groß. Die Hausbesitzer kontrollieren den Gesetzesentwurf: ihre Einwände formten die schwächere Version. Das Kabinett kontrolliert das Tempo. Der neue Strongman Shivakumar kontrolliert, ob die Konsultation überhaupt stattfindet. Die Beamtenschaft kontrolliert, ob das Janaspandana-Portal jemals für diese Frauen und Männer geöffnet wird.
Wer profitiert? Die Arbeitgeber, die ohne klare Regeln weiter Löhne drücken, Überstunden ziehen, im schlimmsten Fall Menschenhandel betreiben können. Wer zahlt den Preis? Die Frau, die um sechs Uhr morgens die Treppe eines fremden Hauses hinaufsteigt, ohne schriftlichen Vertrag, ohne Versicherung, ohne Stimme beim Brotherrn.
Es ist neunzehnhundertsiebenund dreißig in meinem Kopf und zwanzigsechs und zwanzig auf den Drähten. Die Technik hat sich geändert — Radare statt Relais, Glasfaser statt Kupfer, Portale statt Petitionen. Die Ausbeutung nicht. Eine Beschwerdestelle ist kein Geschenk der Behörden. Sie ist die nüchterne Anerkennung, dass Arbeit, die in privaten Räumen geschieht, nicht außerhalb des Rechts liegt.
Hundertfünfzig Frauen und Männer stehen in Bengaluru und fordern, dass das Gesetz in ihrer Sprache gelesen wird. Sie warten auf ein Gespräch, das nach einem Regierungswechsel vergessen wurde. Sie warten auf ein Portal, das längst existiert. Sie warten.
Mein Lötkolben glüht. Mein Kaffee ist kalt. Die Drähte summen weiter.