Mit Gold bemalt, mit Versprechen bezahlt
Es gibt zwei Sorten von Geschichten in dieser Stadt. Die eine beginnt mit dem Klirren von Münzen. Die andere mit dem leisen Geräusch, mit dem eine Maske vom Tisch fällt.
Das Trump Phone beginnt mit beidem.
Was als patriotisches Versprechen verkauft wurde — amerikanisch, golden, für Männer, die ihren Präsidenten verehren und ihren Kontostand schonen wollen — ist, wie die Teardown-Spezialisten von iFixit in dieser Woche bestätigt haben, ein umlackiertes Mittelklasse-Gerät aus dem Hause HTC. Kein Gerücht mehr. Keine Vermutung. Eine nüchterne Obduktion dessen, was wir alle schon wussten, als wir die Sterne auf der Rückseite zum ersten Mal sahen.
Die Wahrheit ist ein Plastikgehäuse. Die Wahrheit sind geschwungene Seiten, wie wir sie aus Motorolas Edge-Serie kennen — und das ist kein Kompliment, das ist ein Schuldeingeständnis. Die Wahrheit ist ein Gewicht, das in jeder Hand, die je ein echtes Smartphone gehalten hat, sofort Fragen aufwirft.
Denn das Telefon ist leicht. Zu leicht für das, was es verspricht.
Auf der Rückseite prangt die amerikanische Flagge. Riesig. Nicht zu übersehen. Daneben, in Buchstaben, die man aus drei Metern Entfernung lesen kann: Trump Mobile. Die Vergoldung — dieses spezielle Gold, das den Preis rechtfertigen, den Glanz erklären, den Patriotismus beweisen soll — schimmert in manchem Licht, wie eine Kollegin von The Verge mit der Höflichkeit einer Pathologin formulierte, „urinartig".
Urinartig.
Es steht auf dem Karton, dieses Gold. Es steht in den Werbefilmen. Es steht auf den Plakaten, die als Werbung für das Telefon dienen. Es steht nicht in der Realität.
Auf dem Gerät vorinstalliert: Truth Social. Die Plattform des Hauses. Sie lässt sich deinstallieren, heißt es. Das ist, als würde man einem Gebrauchtwagenhändler verzeihen, dass er das Lenkrad abmontiert hat. Solange der Lack stimmt. Mitgeliefert wird eine kleine gedruckte Bedienungsanleitung. Niedlich, schreibt die Kollegin. Niedlich, weil ein Gerät, das sich an Käufer wendet, die ihre Liebe zur Technik durch das Aufkleben von Flaggen ausdrücken, offenbar glaubt, dass die Welt keine anderen Erklärungen braucht als jene, die zwischen Pappe und Folie liegen.
Bestellt wurde das Telefon vor fast genau einem Jahr. Verschickt werden sollte es ab dem letzten Monat. Verschickt wurde es an: so gut wie niemanden.
Die Kollegin von The Verge hat es in der Hand gehalten. Es war nicht ihres. Es war ein Glücksfall, ein wildes Tier, das ihr zwischen die Finger geriet, weil jemand es nicht hätte zeigen dürfen und es trotzdem tat. Andere Reporter. Andere Influencer. Eine Handvoll. Diejenigen, die bezahlt haben und warten, halten heute ein Versprechen in der Hand. Kein Telefon.
In derselben Woche hielt dieselbe Journalistin ein echtes goldenes iPhone. Massives Gold. Eins von eins. Aufwendig graviert mit Ram und Hanuman, einem hinduistischen Gott und seinem Diener. Ein Unikat. Ein Kunstwerk. Man konnte die Stunden sehen, die Mühe, das Gewicht der Hingabe.
Daneben: das Trump Phone. Leicht. Plastik. Urinartig vergoldet.
Es gibt einen Satz aus den Hinterzimmern der Banken, den jeder kennt, der einmal auf der falschen Seite eines Konferenztisches saß. Wenn du nicht weißt, was du verkaufst, verkaufst du trotzdem etwas. Wenn du nicht weißt, was du kaufst, kaufst du trotzdem etwas.
Das Trump Phone ist das, was übrig bleibt, wenn man das Versprechen vom Produkt trennt und nur das Produkt behält. Ein HTC-Mittelklasse-Telefon mit neuem Lack und altem Namen. Kein Rätsel. Nur ein weiterer Beleg in einer langen Akte darüber, dass mächtige Männer ihre Position nutzen, um sich persönlich zu bereichern — diesmal so unverschämt, so offen, dass es selbst jene nicht mehr überrascht, die schon 1929 wussten, was kommt.
The Verge stellt die Frage, die in dieser Zeitung seit Jahren steht. Warum wird das Trump Phone nicht in Amerika hergestellt?
Die Antwort kennt jeder, der einmal eine Fabrikhalle von innen gesehen hat. Die Antwort kennt jeder, der weiß, was Arbeit kostet und was Versprechen kosten, wenn man sie einhalten müsste.
Es wird nicht in Amerika hergestellt, weil Amerika hier nicht das Produkt ist. Amerika ist die Kulisse. Die Flagge. Das Gold, das keines ist. Die Wahrheit ist ein Plastikboden, auf dem die Sterne stehen.
Im Karton liegt die gedruckte Anleitung. Auf der Rückseite schimmert das Gold, urinartig, je nach Licht. Wer ein Jahr wartet auf ein Versprechen, das er bereits bezahlt hat, der liest am Ende jede Anleitung. Auch die, die zwischen zwei Hüllen aus Pappe liegt, ausgeliefert von einer Firma, die derzeit mehr Anfragen ausweicht als Geräte verschickt.
Das ist die Rechnung. Sie ist nicht ausgeglichen. Sie war es nie.