Wang Fuk Courts Schatten wandert weiter – Plover Cove Garden verliert seine Beraterin
Die Drähte summen lauter in Tai Po. Nach dem verheerenden Brand im Wang Fuk Court, der noch immer wie eine offene Wunde in der Hongkonger Wohnlandschaft klafft, rollt eine zweite Welle heran – leiser, bürokratischer, aber nicht minder politisch aufgeladen. Peggy Wong Pik-kiu, Distrikträtin und Kritikerin der früheren Eigentümervertretung des ausgebrannten Wohnkomplexes, hat am Donnerstag ihr Ehrenamt als Beraterin der Plover Cove Garden Incorporated Owners niedergelegt. Am Freitag wurde der Rücktritt offiziell bekanntgegeben. So liest es die Notiz, die der South China Morning Post vorliegt.
Hinter dem nüchternen Ton der Bekanntmachung liegt ein Mechanismus, der in Hong Kongs Wohnblocks seit Jahren still arbeitet: die fünf-Prozent-Klausel. Wer genug Unterschriften sammelt, kann eine außerordentliche Eigentümerversammlung erzwingen. Wer dort sitzt, berät. Wer dort sitzt, hat Einfluss auf Renovierungen, auf Sicherheitsprotokolle, auf die Frage, wer in den Aufzügen mitfährt und wer die Brandschutztüren kontrolliert. In einem Stadtstaat, in dem Wohnraum Politik ist und Politik in Hauseingängen beginnt, sind diese Ehrenämter keine Fußnoten. Sie sind Nervenbahnen.
Die Vorgeschichte: Am 6. Juni hatte ein rechtlicher Berater der Eigentümervertretung bei einer Versammlung darauf hingewiesen, dass fünf Prozent der Eigentümer eine Petition unterzeichnen müssten, um Wong aus ihrem Posten zu entfernen. Die Formulierung war präzise, die Wirkung kalkuliert. Zwei Tage später veröffentlichte ein Bewohner in der Plover-Cove-Garden-Facebook-Gruppe eine entsprechende Petition – mit dem Zusatz, nicht nur Wong solle gehen, sondern die gesamte Eigentümerverwaltung neu gewählt werden. Ab Dienstag konnte unterschrieben werden. Was folgte, war kein offener Konflikt, sondern das, was ich eine stille Kaskade nenne: Druck erzeugt Form, Form erzeugt Rücktritt, Rücktritt erzeugt eine neue Ordnung, die niemand wirklich gewählt hat.
Und hier wird es interessant. Wong war nicht irgendwer. Sie war Distrikträtin – gewählte Volksvertreterin in einem Bezirk, der seit dem Wang-Fuk-Court-Brand unter politischem Hochdruck steht. Ihre Verbindung zur früheren Eigentümervertretung des ausgebrannten Komplexes machte sie zur Zielscheibe. Nicht weil sie persönlich schuld war am Feuer, sondern weil sie sichtbar war im Machtgeflecht drumherum. In Tai Po zählt Sichtbarkeit. Wer in der falschen Eigentümerversammlung sitzt, steht mit einem Bein in der Verantwortung, auch wenn die Statik längst eingestürzt ist.
Mein Lötkolben ist kalt heute Morgen, der Kaffee schmeckt nach Bleistift. Aber das Muster ist mir vertraut, auch wenn es hier nicht um Radarröhren geht, sondern um Wohnblocks in Kowloons Speckgürtel. Überall, wo Verwaltung und Vertretung zusammenfallen, entsteht ein Raum, in dem Vertrauen zur Währung wird – und Vertrauen ist, wie jeder Funker weiß, gestört, sobald Rauschen auf der Leitung steht. Die Bewohner von Plover Cove Garden haben dieses Rauschen gehört. Sie haben die Petition nicht erfunden, sie haben nur den Stecker gezogen.
Was bleibt, ist eine Personalie, die Symbolwirkung entfaltet. Eine gewählte Distrikträtin verliert ein zweites Ehrenamt, weil eine Fünf-Prozent-Klausel greift, die in Hong Kongs Wohnblocks so alt ist wie die Blocks selbst. Die Eigentümer haben den Mechanismus genutzt, den das System ihnen gibt. Das ist keine Revolte, das ist Hausordnung. Aber Hausordnung, politisch gelesen, ist in Tai Po gerade ein gefährliches Wort.
Die nächste Versammlung kommt. Die nächste Petition liegt bereit. Die Drähte summen weiter.